DAX-Chartanalyse: Für Entwarnung ist es noch zu früh

Trotz der erneuten Kursgewinne am Montag liegt aktuell nur ein Patt zwischen Bullen und Bären vor. Einige Chartmarken auf der Ober- und Unterseite liefern aber gute Orientierungspunkte. Die DAX-Chartanalyse für den 11. Juni 2013. 

 

Sehen wir aktuell nur eine Bullenfalle oder läuft bereits die nächste Rally, die den DAX über das bisherige Rekordhoch führen wird? Eine schwierige Frage, die aktuell noch nicht beantwortet werden kann. Rückenwind kommt unverändert von den höheren Zeitebenen. Sowohl im Tages-, als auch Wochen- und Monatschart ist der grundsätzliche Trend unverändert aufwärts gerichtet. Entsprechend ist auch im Stundenchart ein bullisches Szenario zu favorisieren.

Zu Wochenbeginn setzte der DAX die am Freitag begonnene Aufwärtsbewegung fort. Mit Blick auf die Markttiefe (Umsatzgebirge an der rechten Achse) nahm die Dynamik wie erwartet im Bereich zwischen 8300 bis 8400 Punkten deutlich ab. Ausgebremst wurden die Käufer zudem durch die bei rund 8345 Punkten verlaufende 21-Tage-Linie.

Sollte der DAX heute über das gestrige Tageshoch bei 8356 Punkten ansteigen, sollten Anschlusskäufe den Index zügig bis an den nächsten, als recht robust einzuschätzenden Widerstand bei 8400 / 8420 Punkten führen. Aber erst wenn auch diese Hürde überwunden ist, wechselt das Zepter eindeutig wieder in die Hand der Bullen und ein Test des Jahres- und damit Rekordhochs wäre nur eine Frage der Zeit. Kursbewegungen unterhalb von 8400 Punkten sind als Fortsetzung der Konsolidierung anzusehen. Die Risiken auf der Südseite sind vorerst begrenzt. Zwischen 8190 bis 8250 Punkten verläuft ein Nachfragebereich, der vielleicht bereits zur Eröffnung einer kleinen Prüfung unterzogen wird. Vorbörslich wird der DAX rund 0,4 Prozent tiefer bei 8270 Punkten erwartet. Unterhalb von 8180 Zählern nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Korrektur bis mindestens an das Juni-Tief bei 8034 (55-Tage-Linie) deutlich zu.

 

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Kennzahlen:

DAX-Pivot-Punkte für den 11. Juni:

DAXPivot

 

Für einige Anleger sind Pivot Punkte vielleicht noch Neuland. Kurz zur Erklärung: Die Pivot Punkte dienen der Kurszielbestimmung und haben ihren Ursprung in den Futures-, Termin- und Forexmärkten. Grundannahme ist, dass die Kursbewegungen des vorherigen Handelstages Einfluss auf den neuen Börsentag haben. Berechnungsgrundlage sind daher Tageshoch, Tagestief und Schlusskurs vom Vortag. Als Ergebnis erhält man drei Widerstandsmarken (Resist R 1-3) sowie drei Unterstützungsniveaus (Support S 1-3).

 

wichtige Chartmarken:

DAXMarken

 

 

 



 

Der Kampf ist noch nicht entschieden

Auf der mittelfristigen Ebene liefert die Markttechnik aktuell leider keine klaren Signale. Der etwas trägere aber in Trendphasen zu favorisierende MACD steht seit dem zweiten Anlauf an das Rekordhoch Mitte Mai auf Verkaufen. In den vergangenen Monaten lieferte der Oszillator jeweils gute Hinweise und sollte auch weiterhin genau verfolgt werden. Hoffnungsvoller gestaltet sich derzeit wieder der Blick auf den sensibleren DSS Bressert. Aktuell im deutlich überverkauften Bereich liegend, wäre eine Erholung eigentlich überfällig.

Mit der deutlichen Erholung am vergangenen Freitag hinterlässt der DAX aber auch rein charttechnisch nun einen wesentlich konstruktiveren Eindruck. Im Tagestief prallte der DAX nahezu idealtypisch vom März-Hoch und dem mittelfristigen 55-Tage-Durchschnitt nach oben hin ab. Auch die Unterkante des Rechtecks bei knapp 8000 Zählern wurde nach dem gescheiterten Ausbruch auf der Oberseite fast abgearbeitet.

Zielbereich ist nun erneut die Oberkante des Rechtecks und damit das Rekordniveau um 8500 Punkte. Erst wenn der DAX diesen Widerstand nimmt, springt die Börsenampel eindeutig wieder auf Grün. Bis dahin ist vorerst nur mit einer Fortsetzung der Konsolidierung über die Zeitachse zu rechnen. Nach unten hin gilt es für die Bullen die auch psychologisch wichtige Marke von 8000 Zählern zu verteidigen.

 

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9750 oder 7600? 

In den vergangenen Wochen arbeitete der DAX einige wichtige Marken ab, die sich in der Zwischenzeit bereits als gute Unterstützung erwiesen. Nachdem Ende 2012 der Sprung über die Region um 7400 erfolgte, kam es im April zum Retest und damit Bestätigung von oben. Die jüngste dynamische Rally führte den DAX schließlich über die letzte Hürde im Bereich der Rekordhochs aus 2000 und 2007 um 8110 / 8150 Punkten. Auch dieses Level prüfte der DAX inzwischen von oben. Im übergeordneten Wochenchart sind somit keine Schwächesignal zu erkennen. Charttechnisch relevante Widerstände sind ebenfalls Mangelware. Seit der zweiten Jahreshälfte 2011 befindet sich der Deutsche Aktienmarkt in einem breiten Aufwärtskanal, der aktuell Luft auf der Oberseite bis rund 9750 Punkte lässt. Zuletzt wurde die nördliche Begrenzung im März 2012 angelaufen, die Relevanz ist nach bisher aber nur zwei Testes noch recht gering.

Nach unten hin hat der DAX ebenfalls viel Platz, denn mit 8400 Zählern handeln wir aktuell ungefähr in der Mitte der Range. Im optimalen Szenario fällt der Markt nicht mehr unter 8000 Punkte per Wochenschluss. Sollte es dennoch zu weiteren Kursverlusten kommen, liegen zwischen 7400 bis 7600 zahlreiche robuste Unterstützungen wie zum Beispiel die Unterkante des erwähnten Trendkanals.

 

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DAX – 10.000 Punkte wären nur eine Zwischenstation

Der Monatschart vermittelt eigentlich am deutlichsten, wie wichtig die Kursentwicklung derzeit aber auch in den kommenden Wochen ist. Aktuell sieht es so aus, als ob der DAX die seit 2000 und somit seit rund 13 Jahren anhaltende große Seitwärtsbewegung endlich nach oben hin auflösen kann und somit den „Deckel lüftet“. Im Jahr 2007 scheiterte der Markt fast das gesamt Jahr hindurch an einem nachhaltigen Anstieg über das 2000er-Hoch, in 2011 zogen sich die Käufer bereits deutlich tiefer bei rund 7400 Punkten wieder zurück.

Vollkommen überraschend kommt die jüngste Entwicklung aber nicht, denn seit 2003 lässt sich eine Serie von steigenden Korrekturtiefs ausmachen. Zusammenfassend kann die Entwicklung seit der Jahrtausendwende somit auch als großes aufsteigendes Dreieck gewertet werden. Der Sprung in dreistellige Kursregionen an der 10.000er-Marke wäre nur eine Zwischenstation hin zu deutlich höheren Niveaus jenseits der 15.000. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Auch in dieser sehr langfristigen Betrachtung weisen die Indikatoren bereits teilweise einen überhitzten Zustand auf. Allerdings können die Signalgeber durchaus über mehrere Monate, sogar Jahre, im oberen Extrembereich laufen, ehe ein Verkaufssignal aktiv wird. Beste Beispiele liefern die Jahre 2004/2005 und 2010 (DSS Bressert). Etwas entspannter ist derzeit noch die Lage im trendfolgenden MACD. Aktuell liegt die MACD-Linie noch deutlich unter den oberen Wendepunkten der vergangenen Jahre (grüner Kasten).

Fast man alles zusammen, könnte ein mögliches Szenario wie folgt aussehen. Der DAX schafft den nachhaltigen Ausbruch und läuft – unter Korrekturen – bis an die 10.000. Hier kommt es zu einer Pullbackbewegung, die sich oft beobachten lässt, wenn der Markt lange an charttechnisch wichtigen Marken scheiterte und diese schließlich überwindet. Übertragen auf den DAX wäre mit einer Rückkehrbewegung bis 8200 / 8500 zu rechen. Hier würde sich für Nachzügler noch einmal eine günstige Gelegenheit ergeben, eher der Börsenexpress nachhaltig in fünfstellige Regionen aufbricht.

 

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Posted in: Chart-Show, Indizes

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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