By 20. März 2013 Read More →

DAX-Chartanalyse: „Das Chaos ist komplett“

Mit markigen Worten äußert sich am Morgen Frank-Walter Steinmeier auf die Entwicklung in Zypern. Wenig beeindruckt zeigen sich hingegen die Finanzmärkte auf das „Nein“ aus Nikosia. Die DAX-Chartanalyse für den 20. März 2013.  

 

Wer wird denn gleich die „Flinte ins Korn werfen“. Als gestern Abend das zypriotische Parlament die Zwangsabegaben abschmetterte, kam es an den Finanzmärkten zu keiner auffälligen Reaktion. Zypern wird immer mehr als Einzelfall bewertet, weil der Bankensektor in dem Land überdimensioniert ist. Zwar sorgt die Möglichkeit eines Austritts von Zypern aus dem Euroraum für Unsicherheit, aber die Auswirkungen dürften sich aufgrund der Größe des Landes in Grenzen halten. Zugleich wird hinter verschlossenen Türen eifrig weiter um einen Kompromiss verhandelt. Bereits wenige Minuten nach der gescheiterten Abstimmung telefonierten Zyperns Präsident Nikos Anastasiades mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin. Um 11 Uhr soll es heute eine Pressekonferenz in Moskau geben. Gerüchten zufolge arbeiten auch EZB und die zypriotischen Behörden an einem Notfallplan, um einen massiven Kapitalabfluss zu verhindern. Die Bürger werden aber wohl weiter vor verschlossenen Banken warten. Angeblich sollen die Finanzhäuser erst wieder am kommenden Dienstag ihre Pforten öffnen. Hier besteht ein weiteres, nicht zu unterschätzendes Risiko. Denn je länger der Zahlungsverkehr weitgehend eingeschränkt bleibt, desto stärker erlahmt auch das wirtschaftliche Leben. Zypern dürfte diese Lage nur noch wenige Tage verkraften können.

Abseits der europäischen Schuldenkrise richtet sich der Blick auf das Ergebnis der US-Notenbanksitzung. Während eine Zinsveränderung derzeit noch kein Thema ist, erhoffen sich die Investoren Hinweise, ob die neuen Erwartungen bzgl. Inflation, BIP-Wachstum und künftiges Leitzinsniveau in den kommenden Monaten zu geringeren QE3-Maßnahmen führen oder diese soagr früher als erwartet beendet werden. Eine paradoxe Situation, denn je optimistischer die Notenbank die wirtschaftlichen Aussichten für die US-Konjunktur einschätzt, desto zügiger könnten die expansive Geldpolitik eingedampft werden – und damit das Schmiermittel der laufenden Aktienmarktrally.

Abschließend noch ein interessantes Detail bei den aktuellen Insidertransaktionen. In den vergangenen Tagen haben die Aktienverkäufe von „Insidern“ (Management) im Verhältnis zu den Käufen deutlich zugenommen. Auf Basis der Top 5-Käufe und Verkäufe ist festzustellen, dass Aktien mit einem Volumen von rund 640.000 Euro gekauft und auf der anderen Seite aber mit einem Volumen von 11,7 Mio. Euro verkauft wurden, bemerken die Experten der Helaba. Bei den Blue Chips machten vor allem die Unternehmenslenker bei Adidas kräftig Kasse.

 


Zur Verfügung gestellt von: Forexpros dem Aktien Portal

 

Es wäre sicher zu früh, jetzt schon von einem gescheiterten Angriff auf das Rekordhoch zu sprechen. Denn der DAX testete trotz der Hiobsmeldungen aus Zypern noch nicht einmal das Ausbruchsniveau bei 7870 Punkten. Dennoch zeigte der gestrige Handelstag, dass oberhalb der 8000er-Marke kaum noch Anleger bereit sind, in den Markt einzusteigen. Am Dienstag hielt sich der DAX innerhalb der Handelsspanne vom Vortag auf – es bildete sich ein bearisches Harami. Eigentlich ein Anzeichen für das Ende des vorherrschenden Aufwärtstrends. Doch keine Panik, statistisch gesehen liegt das reale Verhalten nur im Zufallsbereich von rund 50 Prozent. Mehr Sorgen bereiten hingegen Indikatoren wie der MACD. Auf Tagesbasis könnte der trendfolgende Signalgeber im deutlich erhöhten Zustand ein Verkaufssignal liefern, sofern der DAX weiter zur Schwäche neigt.

Somit besteht weiterhin eine erhöhte Gefahr, dass der Markt die 7870er-Zone auf ihre Verlässlichkeit prüft. An der Schlüsselmarke wird sich zeigen, wie nachhaltig der jüngste Aufwärtsschub war. In der Regel vollzieht ein Widerstand einen Rollentausch hin zu einer Unterstützung, wenn die Marke überwunden wurde. Ob dies auch für die 7870er-Region gilt, ist aktuell noch offen. Allerdings wäre auch ein deutlicherer Rücksetzer noch nicht dramatisch, denn erst um 7760 Punkten verlaufen mit der 55-Tage-Linie sowie dem seit Juni vergangenen Jahres bestehenden Aufwärtstrend die wirklich wichtigen Marken.

Erst auf diesem Niveau würde der nach wie vor gültige Aufwärtstrend wohl erneut in eine Seitwärtsentwicklung übergehen. Bis dahin bleibt der Blick Richtung Norden gerichtet. Der DAX sollte nun vorzugsweise möglichst zügig die 8000er-Marke zurückerobern, um Zweifel an einer beginnenden Korrekturbewegung aus dem Weg zu räumen. Kursfristig stellt die Kombination aus Jahreshoch und 161,8% Fibonacci Extension bei rund 8075 Punkten das nächste Kursziel dar, wobei dann ein Sturm auf das Rekordhoch bei 8151 Zählern wohl nur eine Frage der Zeit ist. Bleiben Sie nun besonders wachsam, denn die Märkte sind wieder verstärkt im „Politik-Modus“.

 

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Kennzahlen:

DAX-Pivot-Punkte für den 20. März:

 

Für einige Anleger sind Pivot Punkte vielleicht noch Neuland. Kurz zur Erklärung: Die Pivot Punkte dienen der Kurszielbestimmung und haben ihren Ursprung in den Futures-, Termin- und Forexmärkten. Grundannahme ist, dass die Kursbewegungen des vorherigen Handelstages Einfluss auf den neuen Börsentag haben. Berechnungsgrundlage sind daher Tageshoch, Tagestief und Schlusskurs vom Vortag. Als Ergebnis erhält man drei Widerstandsmarken (Resist R 1-3) sowie drei Unterstützungsniveaus (Support S 1-3).

 

wichtige Chartmarken:

 

 

 



 

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Trendlinie bremst den Anstieg

Im Tageschart steht die Börsenampel eigentlich klar auf Grün. Mit dem lange erwarteten Ausbruch aus der Seitwärtsrange lieferte der DAX ein prozyklisches Kaufsignal für den Spurt bis an das Rekordhoch bei 8151 Punkten. Gebremst wird der Aufwärtsdrang nur durch die seit Anfang Februar bestehende Begrenzungslinie, die in den vergangenen Wochen mehrfach vergeblich von unten angelaufen wurde. Eine Pull-back Bewegung bis an das Ausbruchsniveau bei 7870 Punkten ist somit noch nicht vom Tisch und eröffnet für Investoren, die den Sprung des DAX aus der Range verpasst haben die Chance, noch einmal „günstig“ in den Markt einzusteigen. Die alte Obergrenze des Rechtecks sollte nun einen Rollentausch von einem Widerstand hin zu einer Unterstützung vollzogen haben. Allerdings ist die Zuverlässigkeit derzeit noch offen, da ein Test bisher noch nicht erfolgte.

Fällt der DAX hingegen wieder in die alte Schiebezone zurück, könnten sich einige kurzfristig ausgerichtete Anleger zügig wieder aus dem Markt verabschieden und den Abwärtsdruck verstärken. In diesem Szenario findet sich eine etwas verlässlichere Haltezone erst wieder bei 7720/ 7750 Punkten. Aktuell verlaufen hier die 28- und 55-Tage-Linie sowie ein seit Juni 2012 bestehender Aufwärtstrend. Geht es noch eine Etage tiefer, rückt erneut die Zone um das Jahrestief bei 7560 Punkten auf die Agenda.

 

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In der Range gefangen – noch

Der Kampf zwischen Bullen und Bären geht in eine entscheidende Phase. Nachdem Ende 2012 der Sprung über die Widerstandsmarke bei 7500 Punkten glückte, ist der Weg nun frei bis an das Rekordhoch bei 8151 Zählern. Noch ist der Aktienindex aber in der Spanne 7500 / 8200 Zähler gefangen. Bereits im Frühjahr / Sommer 2007 erwies sich dieser Bereich als harte Nuss. Für den mittelfristigen Zeithorizont kann daher das Kursmuster als Blaupause genutzt werden. Demnach wäre in den kommenden Wochen mit einer Fortsetzung der richtungslosen Entwicklung zu rechnen. Erst wenn der DAX per Wochenschlusskurs die Ober- oder Untergrenze deutlich verletzt, entsteht wieder ein klareres Bild über die weitere Entwicklung.

Etwas Rückenwind kommt von Seiten der Indikatoren. Nach der Winter-Rally wurde der deutlich überhitzte Marktzustand über die Zeitebene abgebaut. Der DSS Bresser notiert im leicht überverkauften Terrain und lieferte nach den jüngsten Kurszuwächsen ein Kaufsignal.

 

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DAX auf dem Weg in fünfstellige Regionen

So ganz allmählich robbt sich der DAX an die historischen Höchststände heran. Damit verbunden ist auch die Chance auf Auflösung eines sehr großen aufsteigenden Dreiecks. Fünfstellige DAX-Kurse sind somit auch charttechnischer Sicht durchaus möglich. Zwingende Voraussetzung dafür ist natürlich, dass der DAX auch neue Rekordstände markiert.

Ob dies bereits während der laufenden Aufwärtsbewegung erfolgt oder erst nach einem Rücksetzer (bis maximal an die noch nicht bestätigte untere Trendlinie bei knapp 5000 Punkten), lässt sich aktuell nicht vorhersagen. Immerhin spielt die zeitliche Komponente den Bullen in die Karten. Seit dem Jahr 2000 verkürzen sich die Hausse- und Baissephasen. So dauerte die erste Abschwungphase beginnend Anfang 2000 rund drei Jahre. Der scharfe Rücksetzer ab Anfang 2008 stoppte rund 15 Monate später, in 2011 kapitulierten die Bären nach 5 Monaten. Ähnlich verhält es sich auch mit den Aufwärtsbewegungen.

Auch von Seiten der Indikatoren ist das Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Der trendfolgende MACD notiert aktuell noch deutlich unter den Extremwerten in 1998, 2000 und 2007, ab denen jeweils die Baissephasen einsetzten.

 

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About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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