DAX-Chartanalyse: Bessere Chancen als im Januar und Mai

Die Aussichten für den DAX, endlich in fünfstellige Kursregionen vorzustoßen, sind nach den Erfolgen in der vergangenen Woche gestiegen. Doch nun müssen die Bullen auch endlich Fakten liefern. Andernfalls könnte die Stimmung schnell kippen. 

Stundenanalyse:

Mit 9768 beendete der DAX am vergangenen Freitag den Handel so hoch wie nie zuvor. Insgesamt sind die Voraussetzungen für ein neues Verlaufshoch recht gut, nur 42 Zähler fehlen dem Deutschen Leitindex. Rückenwind ist somit vorhanden, in der vergangenen Woche zogen die Kurse um rund 1,4 Prozent an.

Dennoch ist nach wie vor eine hohe Verunsicherung unter den Investoren festzustellen. 43 Prozent der US-Privatanleger nehmen derzeit eine neutrale Haltung gegenüber dem Markt ein. Grundsätzlich ist der hohe Anteil der skeptischen Stimmen durchaus positiv, denn nur wenn noch nicht alle investiert sind, liegen gute Voraussetzungen für eine Aufwärtsbewegung vor. Sollten die Kurse anziehen, werden die bisher noch passiven Investoren in den Markt gezwungen, um keinen Performancerückstand zu erleiden.

Heute dürfte der Handel allerdings nur recht dünn ausfallen, denn die Märkte in London und New York bleiben feiertagsbedingt geschlossen. Die Statistik spielt derzeit den Bullen in die Karten. So kletterte der S&P in der Woche des Memorial Day seit 1971 um rund 0,6 Prozent, die Wahrscheinlichkeit für steigende Kurse liegt bei 61 Prozent.

Schauen wir auf den DAX. Technisch gesehen unterscheidet sich der jüngste Anstieg von den vorherigen beiden Versuchen. Während Anfang Januar wie auch Mitte Mai ein dynamischer Impuls von mehreren hundert Punkten den Markt innerhalb von zwei Tagen bis auf das kritische Niveau katapultierte, verlief die jüngste Aufwärtsbewegung wesentlich ruhiger und somit auch nachhaltiger.

Vorbörslich werden 9790 aufgerufen, der DAX dürfte somit im Bereich des schwachen Widerstands bei 9780 eröffnen. Darüber liegt die nächste Orientierungsmarke am bisherigen Allzeithoch bei 9810. Dieses Level sollte im Idealfall auch per Tagesschluss deutlich überschritten werden. Pendelt der Markt hingegen nur seitwärts, liegen Haltemarken um 9735 und 9690.

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Tagesanalyse:

Entscheidung fällt in den kommenden Wochen

Im mittelfristigen Tageschart gibt nach wie vor der intakte Aufwärtskanal seit 2011 (s. Wochenanalyse) die grundsätzliche Richtung vor. Trotz der Seitwärtsbewegung in den vergangenen sechs Monaten weist der übergeordnete Trend klar Richtung Norden. Bisher kam es lediglich zu einer Konsolidierung, die nach den kräftigen Kursgewinnen von rund 25 Prozent im Vorjahr durchaus gesund ist. Im Vergleich zu einer Kurskorrektur stellt die anhaltende Seitwärtsbewegung aus Sicht der Bullen das bestmögliche Szenario dar.

Dennoch bleibt es nach wie vor schwierig, innerhalb der Range klare Positionierungen einzugehen. Denn die Grenzen der Schiebezone sind nicht scharf definiert. Auf der Unterseite ist nach wie vor die Zone um 8950 / 9000 entscheidend, vorgelagert dürfte es bereits wie 2013 zu Käufen an der 200-Tage-Linie bei 9150 kommen. Die südliche Begrenzung des erwähnten Aufwärtskanals bei 9350 stellt die erste wichtige Unterstützung dar. Solange diese nicht unterschritten wird, sind reine Spekulationen auf fallende Kurse zurückzustellen.

Aus Sicht der Bullen sollte der Markt nun zügig und unter anziehenden Volumen den Deckel auf der Oberseite im Bereich um 9700 bis 9810 lüften. Bisher scheiterten mehrere Versuche, diese Zone nachhaltig zu überwinden.  Sollte der DAX aber per Tagesschluss über 9810 schließen, könnten Anschlusskäufe für eine schnelle Aufwärtsbewegung bis 10.000 sorgen. Im Bereich der fünfstelligen Notierungen müsste die Lage erneut analysiert werden.

Bis dahin bleibt eine Fortsetzung der Seitwärtsbewegung das wahrscheinlichste Szenario. Eine Entscheidung rückt aber näher. Die untere Begrenzung des Aufwärtskanals steigt kontinuierlich an und schneidet im Sommer den frischen Widerstand um 9800. Spätestens dann sind die Würfel gefallen: Entweder bricht der DAX den Aufwärtstrend oder neue Rekordhochs werden ausgebildet.

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Wochenanalyse:

Neuer Schwung an die obere Aufwärtstrendlinie?

Nicht nur auf Tagesbasis, sondern auch im Wochenkursverlauf ist die inzwischen seit rund sechs Monaten anhaltende Seitwärtsbewegung zu erkennen. Trotz dieser recht langen Konsolidierung bleibt der seit 2011 bestehende Hausseimpuls noch intakt. Im Chart wird dies durch einen Aufwärtskanal deutlich, dessen nördliche Begrenzungslinie zuletzt Anfang Januar angelaufen und bestätigt wurde. Mit der Seitwärtsbewegung ist der DAX zuletzt an die südliche Zone gelaufen und hat diese mehrfach bestätigt. Solange der Markt in dem Kanal gefangen bleibt, führen auch weiterhin die Bullen die Regie.

Sollte es zu einem Trendbruch kommen, stellt die 200-Tage-Linie zusammen mit der horizontalen Unterstützung um 8950 / 9150 eine letzte wichtige Bastion dar. Erst wenn diese Zone nachhaltig unterschritten wird, trüben sich die Aussichten wesentlich ein. Die Kursbewegungen des DAX in den vergangenen sechs Monaten oberhalb von 9000 wären dann als eine Top-Formation einzustufen, deren Höhe auf ein Korrekturpotential bis rund 8150 deuten würde. Exakt auf diesem Niveau liegen auch die Umkehrbewegungen aus 2000 und 2007 (s. auch Monatsanalyse).

Noch ist aber das entscheidende Verkaufssignal nicht gegeben. Bis dahin bleibt eine Fortsetzung des Hausseimpulses wahrscheinlicher. Für ein klares mittelfristiges Kaufsignal sollte der DAX aber mindestens per Wochenschluss  über das Rekordhoch von 9800 ansteigen. Im positiven Fall lässt die dunkelgrüne Trendlinie Platz bis rund 10.500.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie vor allem den trendfolgenden MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Allmählich erreicht der Signalgeber die Niveaus aus dem Jahr 2000 und 2007 (rote Linie).

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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