DAX-Chartanalyse: 9705 sind gefordert

Erst ein Fehlausbruch auf ein frisches Rekordhoch und am Montag ein ähnliches Signal auf der Unterseite – der DAX führt Bullen und Bären an der Nase herum. Leichter Optimismus ist aber noch angebracht.  

Stundenanalyse:

Während die 21-Tage-Linie in den vergangenen Wochen eigentlich kaum eine Rolle spielte, nutzten zu Wochenbeginn offenbar viele Schnäppchenjäger den Rücksetzer an den Monatsmittelkurs zum Einstieg. Kurzzeitig handelte der Markt unter der schwachen Unterstützung um 9560, immerhin blieb der wichtige Stundenschlusskurs fehlerfrei. Bis zum späten Nachmittag setzte eine Erholung ein, rund 50 Prozent der vorherigen Korrektur hat der DAX bereits aufgeholt.

Um aber wirklich das Ende der Abwärtsbewegung seit dem Rekordhoch ausrufen zu können, sollte nun zügig die 9705er-Marke fallen (61,8 Fibonacci-Retracement). Im Bereich um 9760 drohen Gewinnmitnahmen, zumindest deutet der klare Anstieg im Preis-Volumen-Profil am rechten Rand der Charts auf erhöhte Transaktionen in der Vergangenheit. Kursgewinne darüber hinaus sind möglich, allerdings nur wenn die durchschnittliche Handelsspanne wieder anzieht. In den vergangenen fünf Tagen bewegte sich der DAX um rund 105 Punkte pro Tag, ein in diesem Jahr sehr niedriges Niveau. Ähnlich geringe Schwankungsbreiten zeigte der Markt nur während der Top-Bildung um den 20. Januar, 20. Februar und Anfang März. Im Anschluss nahm die Vola jeweils deutlich bis auf knapp 200 Punkte zu.

Rücksetzer bis 9600 sollten in die Tagesplanung mit einbezogen werden, größere Verluste über das gestrige Tagestief hinaus würden das Bild aber stören. Seit Mitte April zeigt der Chart eine Serie von steigenden Bewegungstiefpunkten, die auf ein nach wie vor hohes Kaufinteresse deuten. Im Idealfall behauptet der DAX somit mindestens das Niveau von 9534. Negativ werden die kurzfristigen Perspektiven aber erst unterhalb von 9350.

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Tagesanalyse:

Spätestens im Sommer fällt die Entscheidung

Im mittelfristigen Tageschart gibt nach wie vor der intakte Aufwärtskanal die grundsätzliche Richtung vor. Trotz der Seitwärtsbewegung in den vergangenen sechs Monaten weist der übergeordnete Trend klar Richtung Norden. Bisher kam es lediglich zu einer Konsolidierung, die nach den kräftigen Kursgewinnen von rund 25 Prozent im Vorjahr durchaus gesund ist. Im Vergleich zu einer Kurskorrektur stellt die anhaltende Seitwärtsbewegung aus Sicht der Bullen das bestmögliche Szenario dar.

Dennoch bleibt es nach wie vor schwierig, innerhalb der Range klare Positionierungen einzugehen. Denn die Grenzen der Schiebezone sind nicht scharf definiert. Auf der Unterseite ist nach wie vor die Zone um 8950 / 9000 entscheidend, vorgelagert dürfte es bereits wie 2013 zu Käufen an der 200-Tage-Linie bei 9110 kommen. Die südliche Begrenzung des erwähnten Aufwärtskanals bei 9300 stellt die erste wichtige Unterstützung dar. Solange diese nicht unterschritten wird, führen grundsätzlich die Käufer das Zepter.

Aber auch auf der Oberseite scheint die Kraft der Bullen derzeit nicht für einen Ausbruch zu reichen. Das in der vergangenen Woche erreichte Rekordhoch wurde unter schwachen Handelsvolumen ausgebildet und sofort abverkauft. Erst nach einem Tagesschluss oberhalb von 9800 dürfte wohl der Deckel gelüftet sein, die 10.000er-Marke wäre dann wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit.

Bis dahin bleibt eine Fortsetzung der Seitwärtsbewegung das wahrscheinlichste Szenario. Eine Entscheidung rückt aber näher. Die untere Begrenzung des Aufwärtskanals steigt kontinuierlich an und schneidet im Sommer den frischen Widerstand um 9800. Spätestens dann sind die Würfel gefallen: Entweder bricht der DAX den Aufwärtstrend oder neue Rekordhochs werden ausgebildet.

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Wochenanalyse:

Hop oder Top

Im langfristigen Wochenchart zeigt sich ebenfalls bereits deutlich die seit rund sechs Monaten anhaltende Konsolidierungsbewegung. Nachdem der DAX zu Jahresbeginn eine seit Anfang 2012 bestehende obere Aufwärtstrendlinie (dunkelgrün) vergeblich anlief, kam es zuletzt aufgrund der Seitwärtsbewegung zu mehreren Test der südlichen Begrenzung (hellgrün). Bisher nutzten Schnäppchenjäger die Rücksetzer zum Einstieg und bestätigten somit den übergeordneten Aufwärtsimpuls. Je geringer allerdings die anschließenden Erholungen ausfallen und je öfter der DAX die untere Aufwärtstrendlinie testet, desto höher die Wahrscheinlichkeit für einen Trendbruch. Zu einem bestimmten Zeitpunkt werden nicht mehr genügend Käufer an der Seitenlinie stehen und für eine Stabilisierung sorgen. Zugleich geben die bereits investierten Anleger irgendwann auf und veräußern wieder ihre Positionen, wenn sich das erhoffte bullische Szenario nicht einstellt.

Sollte es zu einem Trendbruch kommen, stellt die 200-Tage-Linie zusammen mit der horizontalen Unterstützung um 8950 / 9110 eine letzte wichtige Bastion dar. Erst wenn diese Zone nachhaltig unterschritten wird, trüben sich die Aussichten wesentlich ein. Die Kursbewegungen des DAX in den vergangenen fünf Monaten oberhalb von 9000 wären dann als eine Top-Formation einzustufen, deren Höhe auf ein Korrekturpotential bis rund 8150 deuten würde (s. rote Markierungen). Exakt auf diesem Niveau liegen auch die Umkehrbewegungen aus 2000 und 2007 (s. auch Monatsanalyse).

Noch ist aber das entscheidende Verkaufssignal nicht gegeben. Bis dahin bleibt eine Fortsetzung des Hausseimpulses wahrscheinlicher. Für ein klares mittelfristiges Kaufsignal sollte der DAX aber mindestens per Wochenschluss  über das Rekordhoch von 9800 ansteigen. Im positiven Fall lässt die dunkelgrüne Trendlinie Platz bis rund 10.500. Ein erster Versuch Mitte Mai wurde abverkauft, im Candle-Chart bildete sich ein kleiner Shooting Star.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie vor allem den trendfolgenden MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Allmählich erreicht der Signalgeber die Niveaus aus dem Jahr 2000 und 2007 (rote Linie).

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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