DAX-Chartanalyse: 10.000 in Reichweite, und dann?

Endlich liefern die Bullen Fakten und schaffen den erwarteten Ausbruch auf der Oberseite. Kurzfristig eröffnen sich nun beste Chancen, in fünfstellige Bereiche vorzudringen. Allerdings gilt es einen Schönheitsfehler zu beachten.  

Stunden- und Tagesanalyse:

Bereits Mitte Januar herrschte auf dem Parkett nahezu Einigkeit, dass die 10.000 bald fallen dürfte. Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt, rückblickend betrachtet brauchte der DAX mehr als vier Monate, um das Allzeithoch zu überwinden. Mit einer Aufwärtslücke über das alte Rekordhoch machten die Käufer zu Wochenbeginn richtig Druck, zudem beendete der Markt den Handel auf Tageshoch. Im Kerzenchart bildete sich eine lange weiße Säule ohne Schatten, eigentlich ein charttechnischer Ausbruch wie aus dem Lehrbuch.

Schaut man allerdings auf die Umsätze, kommen Zweifel auf. Lediglich Papiere im Volumen von 1,9 Mrd. Euro wechselten auf Xetra den Besitzer. Zur Einordnung: Der Monatsdurchschnitt liegt bei 2,8 Mrd. Euro, der Drei-Monatswert bei 3,3 Mrd. Euro. Es fehlte somit die Bestätigung durch steigendes Volumen. Als Entschuldigung kann angeführt werden, dass die angelsächsischen Investoren wegen eines Feiertags nicht aktiv waren. Erst heute wird sich zeigen, ob auch die Anleger in Übersee den DAX auf dem erhöhten Niveau noch kaufen.

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Es besteht somit die Gefahr eines Fehlausbruchs, entsprechend vorsichtig dürften die Anleger bis zur heutigen Eröffnung an der Wall Street agieren. Vorbörslich wird der DAX nahezu unverändert bei 9890 taxiert. Beachtet werden sollte auch die inzwischen recht weite Differenz zur 21-Tage-Linie. In der Vergangenheit kam es häufig ab einem positiven Abstand von rund drei Prozent zu einer Konsolidierung. Aktuell notiert der DAX ungefähr 2,8 Prozent über seinem Gleitenden Durchschnitt.

Im Stundenchart wird zudem eine weitere Gefahr deutlich: Wirklich zuverlässige und bestätigte Unterstützung sind in der unmittelbaren Umgebung nicht vorhanden. Um 9780 ist ein Bereich zu erkennen, darunter wäre Platz bis 9735.

Trotz dieser kurzfristigen Gefahren ist die mittelfristige Tendenz natürlich unverändert aufwärts gerichtet. Im Tageschart sind keine relevanten Widerstände zu erkennen, zumindest bis zur 10.000 ist der Weg frei. An der runden Schwelle spielt dann die Psychologie eine entscheidende Rolle. Entweder finden sich auch weiterhin genügend Käufer, oder Gewinnmitnahmen führen zu einer Konsolidierung. Technisch gesehen spielt die Schwelle hingegen keine Rolle. Erst bei 10.220 (Oberkante Rechteck) und darüber bei 10.500 (Kanalgrenze) wäre das Potenzial ausgereizt.

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Wochenanalyse:

Neuer Schwung an die obere Aufwärtstrendlinie?

Nicht nur auf Tagesbasis, sondern auch im Wochenkursverlauf ist die inzwischen seit rund sechs Monaten anhaltende Seitwärtsbewegung zu erkennen. Trotz dieser recht langen Konsolidierung bleibt der seit 2011 bestehende Hausseimpuls noch intakt. Im Chart wird dies durch einen Aufwärtskanal deutlich, dessen nördliche Begrenzungslinie zuletzt Anfang Januar angelaufen und bestätigt wurde. Mit der Seitwärtsbewegung ist der DAX zuletzt an die südliche Zone gelaufen und hat diese mehrfach bestätigt. Solange der Markt in dem Kanal gefangen bleibt, führen auch weiterhin die Bullen die Regie.

Sollte es zu einem Trendbruch kommen, stellt die 200-Tage-Linie zusammen mit der horizontalen Unterstützung um 8950 / 9150 eine letzte wichtige Bastion dar. Erst wenn diese Zone nachhaltig unterschritten wird, trüben sich die Aussichten wesentlich ein. Die Kursbewegungen des DAX in den vergangenen sechs Monaten oberhalb von 9000 wären dann als eine Top-Formation einzustufen, deren Höhe auf ein Korrekturpotential bis rund 8150 deuten würde. Exakt auf diesem Niveau liegen auch die Umkehrbewegungen aus 2000 und 2007 (s. auch Monatsanalyse).

Noch ist aber das entscheidende Verkaufssignal nicht gegeben. Bis dahin bleibt eine Fortsetzung des Hausseimpulses wahrscheinlicher. Für ein klares mittelfristiges Kaufsignal sollte der DAX aber mindestens per Wochenschluss  über das Rekordhoch von 9800 ansteigen. Im positiven Fall lässt die dunkelgrüne Trendlinie Platz bis rund 10.500.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie vor allem den trendfolgenden MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Allmählich erreicht der Signalgeber die Niveaus aus dem Jahr 2000 und 2007 (rote Linie).

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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