DAX-Aktien im 200-Tage-Ranking

Themen des Tages:  Italien und das acht Mrd. Euro-Problem +++  Draghi greift ein +++ DAX-Marktinterna 

 

 

Können Sie sich noch an die Zeiten erinnern, als die Finanzmärkte von realwirtschaftlichen Faktoren bewegt wurden und es noch keine Abhängigkeit von der Liquiditätsversorgung durch die Notenbank gab? Aber noch spannender als der Blick in den Rückspiegel ist natürlich die Zukunft. Und hier sieht es offenbar nicht danach aus, dass Draghi, Bernanke & Co. mittelfristig nicht mehr so omnipräsent sein werden. Gestern hatte ich auf die inzwischen wieder deutlich gestiegenen Zinsen in den europäische Peripherieländern hingewiesen. Besonders in Italien verlangten die Investoren für lang laufende Bonds wieder deutlich erhöhte Risikoaufschläge. Passend dazu meldeten gestern einige Medien, dass dem Staat wegen Derivategeschäften Milliardenverluste drohen EZBkönnten. Hintergrund sind Geschäfte, mit denen in den 1990er-Jahren die Schuldentilgung gestreckt wurde, um die Kriterien für die Einführung des Euro zu erfüllen. Die Vergangenheit scheint Rom nun einzuholen und es drohen rund acht Mrd. Euro Verluste aus den Derivatekonstruktionen. Natürlich sieht man das im Finanzministerium wesentlich entspannter, zumindest nach außen hin und verweist darauf, dass es sich „in keiner Weise um realisierte Verluste handelt“. Dann bin ich ja beruhigt. Vielleicht haben die Italiener ähnlich wie noch nicht so erfahrene Privatanleger auch ein Depot, in welches ursprünglich mittelfristige Positionen bei schlechter Entwicklung eingelagert werden. Nicht vergessen werden sollte natürlich auch die weiterhin instabile politische Regierung in Rom und die hohe Verschuldung des Landes. Schon jetzt steht fest, dass der Rettungsfonds ESM im Notfall zu klein ist, um Italien unter die Arme zu greifen. Vor diesem Hintergrund überraschte es daher nicht, dass EZB-Chef Mario Draghi erneut verbal aktiv wurde und Handlungsbereitschaft signalisierte, sofern diese notwendig sei. Zudem bestätigten die Notenbanker, dass man wegen der mauen Wirtschaftsentwicklung auf absehbare Zeit die Politik des billigen Geldes beibehalten möchte. Oder beibehalten muss? Die Aussagen verfehlten ihre Wirkung jedenfalls nicht, spanische und italienische Anleihen gaben deutlich nach und die Leitindizes FTSE MIB und IBEX legten eine Outperformance gegenüber dem DAX aufs Parkett. Am Nachmittag kamen schließlich noch deutlich schwächere US-BIP-Zahlen für das erste Quartal. Durch die Abwärtsrevision von 2,4 Prozent auf 1,8 Prozent „steigt das Risiko, dass die jüngste Fed-Projektion für das laufende Jahr zu optimistisch gewesen ist. Eine schnelle Rückführung des Asset-Ankaufvolumens von derzeit 85 Mrd. USD ist somit nicht zu erwarten. Wir rechnen mit einer ersten Reduzierung der MBS- und Staatsanleihenkäufe erst im Dezember 2013“ schreibt die HSBC im Marktausblick. Der Euro stoppte jedenfalls sein Talfahrt gegenüber dem Greenback und erholt sich bis auf 1,303 US-Dollar. Behalten Sie das Währungspaar als Meinungsbild des Marktes über die weitere Notenbankpolitik von Fed und EZB gut im Auge. Auch Gold erholte sich im späten Geschäft vom Ausverkauf und legt am Morgen um ein Prozent auf 1239 Dollar zu.

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

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Zum heutigen Handelstag:

Mit der Erholung an den Aktienmärkten in den vergangenen Tagen beruhigt sich auch das Angstbarometer, der VDAX-New ein wenig. Zu Wochenbeginn noch auf dem höchsten Stand seit September vergangenen Jahres, werden aktuell 21,7 Punkte aufgerufen. Unter den Einzelwerten im DAX legten gestern SAP, Infineon und RWE kräftig zu. Etwas überraschender fällt die Bilanz im Fünf-Tages-Vergleich aus: Mit der Deutschen Börse und FMC liegen lediglich zwei Aktien im positiven Terrain. Auch auf den nachfolgenden Plätzen sind überwiegend defensive Papiere zu finden. Zykliker wie ThyssenKrupp, HeidelberCement, BMW und Lanxess notieren hingegen deutlich tiefer. In der etwas längerfristigen Betrachtung wird eine knappe Mehrheit der 30 Indexwerte nun aber wieder über ihrer 200-Tage-Linie gehandelt. Sehr gut halten sich nach wie vor Continental, Deutsche Post und Adidas, die prozentual zweistellig über dem viel beachteten gleitenden Durchschnitt notieren. Sechs Aktien fallen allerdings auch mit einer weit unterdurchschnittlichen Entwicklung auf, wobei natürlich die Commerzbank mit 46 Prozent Abschlag deutlich auf dem letzten Platz landet.

 

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Zur Verfügung gestellt von: Forexpros dem Aktien Portal

 

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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