By 12. September 2015 Read More →

Crash mit Ansage – geht das?

Wer sich heute ein wenig durchs Internet klickt, der stößt für diesen September/Oktober auf eine dermaßen große Anzahl mehr oder minder gut begründeter Crash-Prognosen, dass man gut beraten ist, fürs Ausdrucken einige Toner-Kartuschen in Reserve zu halten. Leute wie Nobelpreisträger Robert Shiller sind allerdings durchaus ernst zu nehmen. 

Der 1. Oktober, aber auch der 4. weisen sehr viele Prognose-Treffer für besonders ungemütliche Tage auf. Wenn ich mich daran erinnere, wie viele „jüngste Tage“ mir schon von stets zu zweit auftauchenden Vertretern einer bestimmten religiösen Gruppierung vorausgesagt wurden, werden Sie meine Skepsis verstehen: Fakt ist allerdings, dass die absurde Strategie der Notenbanken, schuldeninduzierte Probleme durch noch mehr Schulden zu bekämpfen, am Ende der „Weisheit“ angelangt sein dürfte. Spätestens seit der Dotcom-Krise hangelt sich die Finanzwelt nur noch von einer mit billigem Geld aufgepumpten Blase zur nächsten.

Aber kann es einen „Crash“ geben, wenn der so wie jetzt in den Medien mehr oder minder zum Allgemeingut geworden ist. Kritiker dieser Idee meinen, dass das ausgeschlossen sei, da sich ja jeder, der solch ein Ereignis befürchte, längst aus dem Markt verabschiedet habe.

Als Ruhekissen ist das für meinen Geschmack ein wenig zu dünn. Die geopolitischen Ereignisse, der faktische Bankrott der USA, dessen Tarnmäntelchen nun durch den Abbau von Dollarreserven durch die Notenbanken Chinas und Russlands weggezogen zu werden droht, die Gründung der AIIB und der von den USA bei der Planung ihres Ukraine-Deals (ich berichtete über das Interview George Friedmans mit der russ. Zeitung Kommersant) wohl nicht berücksichtigte Schulterschluss zwischen Peking und Moskau setzen Washington massiv unter Druck.

Mich persönlich würde angesichts dieser Gemengelage das Auftauchen eines „Schwarzen Schwans“ ganz und gar nicht überraschen. Was das ist, lesen Sie hier.

Wie Sie wissen, halte ich bei Verschwörungstheorien lieber ein Auge auf die Praktiker als auf die Theoretiker. Und den heute nun wirklich hinreichend zu Wort gekommenen „Fundamantals“ stelle ich immer gerne Charts zur Seite. Vielleicht halten Sie sie für Kaffeesatzleserei. Aus Erfahrung kann ich Ihnen aber versichern: Das gibt sich im Laufe der Zeit.

Wall Street: Seidener Faden

Auf die schönen US-Arbeitsmarktdaten und ihre geradezu verblüffend plumpe Fälschung hatte ich ja schon in der letzten Woche hingewiesen. Die Zahlen zu den auf Lebensmittelmarken (Food Stamps) angewiesenen Amerikanern passen halt gar nicht dazu. Wobei hier ja noch nicht einmal berücksichtigt wird, wer nicht aktiv nach Arbeit sucht. Egal, gefälschte Daten zur Konjunkturentwicklung sind ja beileibe kein Alleinstellungsmerkmal der USA.

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Unübersehbar ist, dass der S&P 500, Sie wissen es ja, seinen im März 2009 begonnenen Aufwärtstrend erst seitwärts, danach aber auch mit einer kleinen Abwärtsbeschleunigung nach unter verlassen hat. Theoretisch könnte sich nun ein „flacherer“ Auf-wärtstrend entwickeln. Dem steht aber in majesttischer Eindeutigkeit der auf Wochenbasis eingestellte Momentum-Indikator entgegen. Die vergangene Woche brachte eine kleine Kurserholung, bei der die Umsätze (schlechtes Zeichen) allerdings deutlich nachgaben. „Volume goes with the trend“, besagt eine der wenigen zutreffenden Börsenweisheiten. Nachlassende Umsätze in einer Kurserholung sprechen also nicht für eine Wiederaufnahme der Aufwärtsbewegung, sondern für die baldige Fortsetzung des Abwärtstrends.

Gold – warum kein Gold?

Aufgrund meiner Aussage der letzten Woche, dass sich Anleger, die in Edelmetallen Schutz suchen, vom Gold fernhalten und stattdessen in Silber investieren sollten, hat mir mehr Anfragen beschert als ich aus Zeitgründen beantworten kann. Daher die Antwort jetzt hier:

Gold als Alternative bzw. Sicherung gegenüber den reinen Papierwährungen klingt erst einmal mehr als vernünftig. Denn schließlich hat das Metall alle niedergegangenen Währungen überlebt. Und wird auch den Euro überleben, den US-Dollar oder den Yen. Währungen, in die das Vertrauen erodiert (was zumindest beim Euro unbestritten sein dürfte), können den Notenbanken jedoch nicht willkommen sein: Gibt es eine Alternative, kommt es zu einer Absetzbewegung aus dieser Währung, die sie unter Druck setzt und damit das Währungsmonopol unterminiert.

Die Notenbanken werden sich also gegen eine solche „Alternativwährung“ im Falle des Falles zur Wehr setzen. Und ggf., wie in der Geschichte nicht einmal selten, den privaten Besitz von Gold unter Strafandrohung verbieten und die Herausgabe von Gold und/oder Fremddevisen verlangen. Sehr schön nachzulesen ist das Konzept in einem 1962 für „The Objectivist“ erschienenen Artikel des späteren US-Notenbank-Präsidenten Alan Greenspan. In „Gold and Economic Freedom“ finden Sie die Idee, dass es neben dem von den Notenbanken gedruckten Papierwährungen nichts geben dürfe, das von den Anlegern für sicherer oder wertvoller erachtet würde: http://www.constitution.org/mon/greenspan_gold.htm. Silber war vom Verbot des privaten Besitzes noch nie betroffen – weswegen ich es von Gold abrate. Erst recht natürlich von „Papier-Gold“ – also „garantierten“ Rechten auf Gold. Denn davon gibt es mehr als physisches Gold!

DAX: Die Magie der 10.000

Noch hält sie ja, die 10.000er Marke. Momentum und Umsätze lassen vermuten, dass sich das bald ändern könnte. Wie Sie im Chart sehen, ist die Marke nicht nur psychologisch, sondern auch charttechnisch recht bedeutsam. Fällt sie, wird es sehr rasch in Richtung 9.000 und danach 7.000 gehen.

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Ich meine: Nutzen Sie jeden neuen Rücksetzer des DAX unter 10.000 (Xetra-Schluss), um sich ein paar Puts ins Depot zu legen!

Shanghai: Volle Breitseite, nichts getroffen

Um den strauchelnden chinesischen Aktienmarkt zu stützen, hatte die „Bank des Volkes“ zuerst ihre Währung abgewertet. Und in der zu Ende gehenden Woche selbst massiv mit Käufen in den Aktienmarkt eingegriffen. Das Ergebnis dieser beiden Aktionen sehen sie im neben Chart. Der Absturz der Aktienkurse in China, den unsere Börsenmedien erst zu spät auf dem Schirm hatten und den sie dann für „halb so wichtig“ erklärten, wurde gerade einmal abgefedert. Mehr nicht. Er dürfte sich also fortsetzen.

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Schnäppchenkurse in China sehe ich derzeit nicht. Eher wohl soziale Probleme, wenn die in den letzten Jahren aufgebaute Immobilienblase in sich zusammenfällt.

Australien: Nomen est omen

„Down under“ heißt Australien hierzulande. Und wirtschaftlich betrachtet, dürfte sich die extrem rohstoffabhängige Börse dort, wie von mir bereits skizziert, auf dem besten Weg nach unten befinden.

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Charttechnisch auschlaggebend bleibt dafür die Marke 5.000. Gemessen an den Fundmatentals ist der australische Aktienindex viel zu hoch bewertet, was sich bald korrigieren dürfte.

EUR/AUD: Blick nach oben

EUR/USD sollten Sie m. E. jetzt nicht mehr aus dem Auge lassen. Das Währungspärchen ging zwar unterhalb der wichtigen Marke von 1,60 ins Wochenende, liegt damit aber immer noch klar oberhalb der seit 2004 definierten Widerstandslinie. Ich gehe unverändert von einem neuen „Senkrechtstart“ nach oben aus. Die Verzweiflungsaktionen der Notenbanken legen es aber natürlich auch hier nahe, mit einem engen Stopp zu Werke zu gehen.

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Viel Erfolg und beste Grüße!

Axel Retz

 

 

 

 

About the Author:

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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