By 27. September 2013 Read More →

Der Countdown läuft

Themen des Tages:  Berlin hat mehr Zeit als Washington +++ Fed auf Richtungssuche +++ Thyssen und Nike +++ Sino geht durch die Decke

 

Am 22. Oktober kommt der neue Bundestag zum ersten Mal zusammen, eine neue Regierung muss an diesem Tag noch nicht gebildet sein. Wann Koalitionsverhandlungen und die Kanzlerwahl stattfinden, liegt im Ermessen der Parteien – und das kann dauern. Der bisherige Rekord stammt aus dem Jahr 1976 und steht bei 76 Tagen. Jetzt bereits von Neuwahlen zu sprechen, erscheint daher doch sehr verfrüht. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Bürger noch einmal um ihre Stimme gebeten werden. Denn weder SPD noch die Grünen dürften ein Interesse daran haben. Zu groß ist die Gefahr, dass CDU/CSU das Scheitern der Koalitionsverhandlungen ausnutzen und doch noch die absolute Mehrheit erlangen.

Deutlich weniger Zeit haben die politischen Entscheidungsträger in den USA. Bis zum kommenden Montag muss der US-Kongress den Haushaltsstreit beilegen. Sollte am Wochenende keine Einigung erzielt werden, dürften ab Dienstag viele Behörden und staatliche Einrichtungen geschlossen bleiben. Mit unangenehmen Folgen für die gesamte US-Wirtschaft und damit auch für die Finanzmärkte. An den Aktienmärkten blieben die Händler gestern noch gelassen, während der Rentenmarkt bereits reagiert. Erstmals seit vier Tagen legte die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen zu. Immerhin – in den vergangenen Stunden zeichnete sich eine mögliche Lösung im US-Kongress ab. Denn auch die Republikaner wollen einen Government Shutdown (die Regierung kann ihre Angestellten nicht mehr bezahlen muss den Dienst einstellen) vermeiden, da dieser in der Bevölkerung auf Unverständnis treffen würde. „Damit dürften die Staatsausgaben zumindest bis zum 15. Dezember gesichert sein. Bis zu diesem Zeitpunkt nämlich gilt der Nothaushalt“ schreibt die Commerzbank in ihrem Tagesausblick.

Bleibt als weiterer Unsicherheitsfaktor der weitere geldpolitische Kurs der amerikanischen Notenbank. Diesbezüglich ist die Lage inzwischen so chaotisch, dass weitere Prognosen hinfällig sind. Gestern ließ das Fed-Führungsmitglied Lacker durchblicken, dass es für die Notenbank im Oktober schwierig wird, die Konjunkturhilfen zu drosseln, „ohne das Gesicht zu verlieren“. Aber auch ein „Tapering“ im Dezember erscheint mit Blick auf die jüngsten Konjunkturdaten wenig wahrscheinlich. Gestern fielen die schwebenden Hausverkäufe bereits den dritten Monat in Folge, die Erholung am Häusermarkt wird von den steigenden Hypothekenzinsen deutlich ausgebremst. Naranyana Kocherlakota, Präsident der Minneapolis Fed, sprach sich sogar dafür aus, QE3 nicht zurückzufahren, sondern auszubauen. Er verwies dazu auf die niedrige Inflation. Noch nicht einmal die Gefahr von Blasen an den Finanzmärkten ist nach seiner Einschätzung ein Argument gegen zusätzliche Maßnahmen. Ohne Worte.

 

Quelle: markt-Daten.de

Quelle: markt-Daten.de

 

 

Zum heutigen Handelstag

Adidas startet als bester DAX-Wert in den letzten Handelstag der Woche und rückt zu Beginn um ein Prozent vor. Grund sind überraschend starke Zahlen des amerikanischen Branchenkollegen Nike. Vor allem bei den Sportschuhen liefen die Geschäfte gut, Nike übertraf sowohl beim Gewinn je Aktie als auch bei den Erlösen die Erwartungen des Marktes. Nachbörslich kletterte die Aktie um gut sechs Prozent. Wer sich aktuell zwischen beiden Werten nicht entscheiden kann, sollte als Orientierung in den Rückspiegel blicken. Bis
Anfang September waren beide Sportartikelaktien auf gleicher Höhe, seit vier Wochen sprintet Nike den Herzogenaurachern davon. Adidas legte im laufenden Jahr um rund 17 Prozent zu, Nike um 33 Prozent – auf Euro-Basis.

Etwas schwächer entwickeln sich ThyssenKrupp. Nach Informationen der „FAZ“ ist in den kommenden zwei bis drei Wochen mit einer Kapitalerhöhung zu rechnen. Zudem erwägt der Stahlkocher die Ausgabe einer Wandelanleihe, die nach Ende der Laufzeit in neue Aktien getauscht werden kann.

Abseits der Schwergewichte deutet sich bei Sino ein kräftiger Kurssprung an. Der Online-Broker bringt seine 43,2-prozentige Beteiligung an der tick-TS AG in die Sino-Beteiligungen GmbH ein. Aus der Transaktion wird ein Gewinn nach Steuern von rund 3,4 Mio. Euro erwartet, zudem wird das bilanzielle Eigenkapital der sino AG deutlich steigen. Der Spielraum für künftige Dividendensteigerungen nimmt kräftig zu. Die Aktie sprang im späten Geschäft von 2,20 auf 2,80 Euro.

 


Zur Verfügung gestellt von: Forexpros dem Aktien Portal

 

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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