Commerzbank und die UBS, Goldman Sachs, Nokia sowie Google – Woche der (Vor-)Entscheidung

Themen des Tages:  US-Banken im Fokus +++ Commerzbank günstig abzugeben +++ Nokia – Blackberry als Warnung – Ben Bernanke Teil 2

 

Sommerflaute an den Börsen sieht wirklich anders aus. In den kommenden Tagen ist die Agenda so reich gespickt wie nur selten im ganzen Jahr. Denn neben wichtigen Konjunkturdaten und zahlreichen Bilanzen der großen US-Konzerne sorgen auch jede Menge Gerüchte für viel Bewegung. Aber der Reihe nach.

Blicken wir zuerst auf den Taktgeber für die internationalen Aktienmärkte und damit in Richtung USA. Von heute bis einschließlich Donnerstag legt jeweils eine der Großbanken ihren Geschäftsbericht vor. Am vergangenen Freitag punkteten bereits JP Morgan und Wells Fargo mit ihrem Zahlenwerk, beide Finanzhäuser verdienten so viel wie nie zuvor. Heute richtet sich der Fokus auf die Citigroup. Nachdem im vergangenen Jahr 0,95 Dollar pro Aktie hängen blieben, rechnen Experte jetzt mit 1,17 Dollar. Am Dienstag wird es dann richtig spannend mit dem Zahlenwerk von Goldman Sachs. Für das zweite Quartal liegt die Messlatte bei einem Gewinn je Aktie von 2,80 Dollar. Allerdings dürfte dies kaum reichen, denn von Goldman erwartet die Wall Street – ähnlich wie bei Apple – immer eine positive Überraschung. Da verwundert es kaum, dass die richtungsweisenden Flüsterschätzungen bei 3,20 Dollar liegen. Im Schatten von Goldman präsentieren am Dienstag auch Buffetts Lieblingskonzern Coca-Cola seine Bilanz sowie nachbörslich Yahoo. Mittwoch steht zunächst die Bank of America auf der Terminliste, später folgen IBM, American Express und eBay.

Aus deutscher Sicht wird es erst am Donnerstag spannend, wenn SAP seine Bücher öffnet. Analysten rechnen allerdings eher nicht mit spektakulären Zahlen. Deutlich mehr Spannung verspricht die Bilanz von Nokia. Die Papiere des finnischen Smartphone-Herstellers zählen zu den beliebtesten bei den deutschen Anlegern. Aber aufgepasst, denn die Hoffnungen auf gute Zahlen könnten sich als falsch erweisen. Diese bittere Erfahrung mussten in den vergangenen Tagen bereits die Anleger bei Blackberry und Samsung machen. Beide Konzerne verfehlten – bei unterschiedlicher Ausgangslage – die Erwartungen des Marktes. Die Reaktion folgte prompt: Aktien von Research in Motion sackten Ende Juni um rund 25 Prozent ab. Für Nokia erwarten die Auguren im Durchschnitt einen kleinen Verlust je Aktie und Umsätze von 6,4 Mrd. Euro. Zahlen kommen zudem noch von Morgan Stanley, Google und Microsoft.

Keine Fakten, dafür Gerüchte bewegen heute die Commerzbank. Am Morgen geht es um satte 3,5 Prozent aufwärts. Nach Informationen des „Fokus“ will die Bundesregierung internationale Großbanken für einen Einstieg bei der Commerzbank erwärmen. Angeblich hat Bundesfinanzminister Wolfang Schäuble bereits mit UBS-Verwaltungsratschef Axel Weber über eine Übernahme der staatlichen Commerzbank-Anteile durch die Schweizer gesprochen. Im Mai hatte Coba-Chef Martin Blessing den verbliebenen Staatsanteil auf 17 Prozent beziffert. Berlin will sich langfristig ganz aus der Commerzbank zurückziehen und peilt einen „marktschonenden und sukzessiven“ Rückzug an. Der Deal scheint aber wenig wahrscheinlich, denn die Finanzkrise setzte der UBS kräftig zu. Anders als der lokale Konkurrent Credit Suisse mussten die Basler Staatshilfe in Anspruch nehmen. Die Kursentwicklung ist ein Desaster: 2007 noch zu 80 Franken gehandelt, kostet die UBS heute nur 16 Franken. Immerhin, seit Oktober vergangenen Jahres geht es allmählich aufwärts. Unter dem Strich dürfte die UBS ihre Investoren aber kaum vom Teileinstieg bei einer chronisch schwachen Commerzbank überzeugen können.

Der Chart sagt eigentlich schon alles: Wer in den vergangenen Jahren auf Banken setzte, spekulierte auf das falsche Pferd. Während der DAX seit Anfang 2007 leicht zulegte, liegen die Papiere der Deutsche Bank und der UBS rund 70 Prozent tiefer. Interessant: Der heimische Branchenprimus zeigte direkt nach dem Absturz 2008 eine deutlichere Erholung, die UBS-Aktie holt erst seit Mitte vergangenen Jahres auf. Für die Commerzbank (hier blau dargestellt) gibt es hingegen nach wie vor keine Hoffnung.

 

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Zum heutigen Handelstag

Auf der Konjunkturseite geht es gleich mit NY Empire State Index und den Lagerbeständen am Montag gut los, es folgen ZEW in Deutschland sowie Kapazitätsauslastung und Industrieproduktion in den USA am Dienstag. Am Mittwoch dann stehen Neues vom US-Häusermarkt an sowie der  Ölmarktbericht der Woche und das Beige Book. Die EZB-Ratssitzung,  US-Frühindikatoren, Phili Fed-Index und Arbeitslosenerstanträge runden den vollen Kalender am Donnerstag ab. Am Mittwoch und Donnerstag könnte der halbjährliche Auftritt von Fed-Chef Ben Bernanke vor dem US-Kongress erneut für viel Beachtung sorgen.

 


Zur Verfügung gestellt von: Forexpros dem Aktien Portal

 

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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