By 19. September 2014 Read More →

Commerzbank spielt für den DAX keine Rolle

Die gestrige Aufwärtsbewegung verlief für die Bullen wie aus dem Bilderbuch. Gleich zu Handelsbeginn steht der Markt heute vor einer ersten, wichtigen Weichenstellung. Erst jetzt wird sich zeigen, wie nachhaltig die jüngsten Gewinne wirklich sind. Im Erfolgsfall rückt das Rekordhoch deutlich näher. 

Es scheint so, also ob nun auch auf dem heimischen Aktienmarkt zunehmend die Blue Chips auf die Überholspur wechseln. Bisher sieht der DAX seit Jahresbeginn vor allem gegenüber dem SDAX und TecDAX nur die Rücklichter. Erst seit wenigen Wochen wendet sich das Blatt. Deutlich wird dies auch im ersten Chart, der die Relative Performance des DAX gegenüber dem MDAX (blau), SDAX (rot) und TecDAX (schwarz) dargestellt. Seit Mitte / Ende August ist die Linie aufwärts gerichtet, die Blue Chips weisen somit eine Outperformance auf.

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In den USA kann dieser Trend bereits seit Jahresbeginn beobachtet werden (Ratio Russell 2000 und S&P 400 gegenüber dem S&P 500):

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DAX: Stunden- und Tagesanalyse

Besonders die Indexschwergewichte führten am Donnerstag die DAX-Rally an. Rund 65 Punkte steuerte Bayer bei, 15 Zähler die Allianz, 10 Punkte die Deutsche Bank. Konkurrent Commerzbank rückte um marktkonforme 1,3 Prozent vor, aufgrund der vergleichsweise geringen Marktkapitalisierung von nur 14,5 Mrd. Euro steuerten die Papiere aber nur rund zwei Zähler bei. Kursbewegungen der Commerzbank spielen somit für die Entwicklung des DAX nahezu keine Rolle – dies gilt natürlich auch für andere Leichtgewichte wie Infineon, K+S, Lanxess oder Merck. Insgesamt rückte der DAX um 136 Punkte vor, besonders das Handelsvolumen lag mit 3,4 Mrd. Euro auf einem weit überdurchschnittlichen Niveau (6-Monatsdurchschnitt rund 3 Mrd. Euro).

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Aus technischer Sicht ist vor allem das Marktverhalten im Bereich der heutigen Eröffnung um 9780 bis 9810 entscheidend. Hier verläuft eine breite horizontale Barriere, die nun unbedingt überwunden werden muss. Gelingt der Ausbruch über die Hochs von Ende Juli, wäre Platz bis 9870 sowie später 9900. An der runden Schwelle verläuft die Unterkante des alten Aufwärtskanals und somit eine weitere Zone, an der mit höheren Verkaufsdruck zu rechnen ist.

Grundsätzlich stimmt die jüngste Kursbewegung aber zuversichtlich und könnte auch als abc-Bewegung interpretiert werden. Ausgehend von dieser Formation lässt sich ein Kursziel von 10.050 ableiten (grüner Balken), hier liegt auch das Rekordhoch.

Im Idealfall behauptet sich der DAX nun über 9775. Sollte dennoch ein größerer Rücksetzer erfolgen, muss spätestens bei 9600 der Markt erneut aufwärts drehen. Hier liegt eine horizontale Unterstützung sowie auch die 21-Tage-Linie als Taktgeber für kurzfristige Investoren.

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Wochenanalyse:

Sommer 2012 als Blaupause

Auch im langfristigen Wochenchart sind nun deutliche Bremsspuren der jüngsten Korrektur zu erkennen. Ähnlich wie auf Tagesbasis gab auch hier der Aufwärtskanal die grundsätzliche Richtung vor. Erstmals seit Sommer 2012 rutsche der DAX wieder deutlich unter die 200-Tage-Linie. Allerdings eroberte der Markt vor zwei Jahren den langfristigen Gleitenden Durchschnitt rechnet schnell wieder zurück – aktuell sehen wir eine ähnliche Reaktion. Bleibt das Muster bestehen, sollte der DAX zumindest noch das Rekordniveau um 10.000 erreichen.

Bereits seit mehreren Wochen warnte ich an dieser Stelle vor der negativen Divergenz im MACD. Während der DAX in den vergangenen Monaten höhere Hochs ausbildete, wurden diese nicht mehr durch den trendfolgenden Indikator bestätigt (rote Linie beim MACD). Mit dem Kursrutsch wurden die bearischen Signale bestätigt, noch liefert der MACD aber kein Kaufsignal.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200. Eine ähnliche Situation liegt auch im amerikanischen Leitindex S&P 500 vor.

Das Hauptaugenmerk gilt aber dem MACD. Der trendfolgende Indikator hat sich in den vergangenen 20 Jahren bereits mehrfach als guter Taktgeber für den langfristigen Verlauf erwiesen. Besonders an den Bewegungshochpunkten in 2000 und 2007 warnte der Signalgeber jeweils frühzeitig vor einer neuen Baisse. Die aktuelle Ausgangslage weist dabei viele Parallelen mit der Situation von vor 14 und sieben Jahren auf. Der MACD steht auf einem ähnlichen Niveau (knapp unter der roten Linie), zudem lieferte der Indikator erstmals seit August 2011 wieder ein Verkaufssignal.  

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Posted in: Deutschland, Indizes

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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