By 26. März 2014 Read More →

Charts mit viel Crashpotential

Während an der Wall Street oder auch beim DAX die Würfel noch längst nicht gefallen sind, rücken bei anderen Indizes wichtige Kursmarken in den Fokus. Es lohnt sich, auch über den heimischen Tellerrand zu schauen.  

Nach jahrelangem Hickhack hat die EU beschlossen, ab 2016 allen Bürgern den Zugang zu einem eigenen Girokonto zu ermöglichen. Das hat durchaus Vorteile, da ein Dasein ohne Bankverbindung in vielen Lebensbereichen zur sozialen Ausgrenzung führt. So weit, so gut. Aber man kann (und sollte) auch einmal die Kehrseite der Medaille beleuchten.

Dass IWF-Chefin Lagarde unlängst einmal den Testballon einer generellen, einmaligen Vermögensabgabe von 10 Prozent steigen ließ, dürfte bekannt sein. Diesen Ballon hat sie zwar rasch wieder eingeholt, das Thema ist jedoch keineswegs vom Tisch. Wie aber ließe sich das durchsetzen?

US-Ökonom Larry Summers, unter Bill Clinton Finanzminister, stellte dem IWF auf einer Forschungskonferenz dazu kürzlich folgendes Konzept vor: Man müsse nur das Bargeld abschaffen. Denn Bargeld könne abgehoben werden. Buchgeld auf dem Konto hingegen könne zwar auf ein anderes Konto überwiesen werden, vom Besitzer aber nicht mitgenommen oder versteckt werden. Garnierte man die Abschaffung des Bargeldes dann noch mit einem Negativzins für das auf den Konto liegende Kapital, würden sich die Verbraucher schon überlegen, ob sie ihr Geld nicht lieber in den Konsum stecken und damit (s. o.) das Wirtschaftswachstum ankurbeln wollten. Zudem hätte der Staat jederzeit die Möglichkeit, sich am Guthaben der Bürger zu vergreifen, ohne diese sich schützen könnten. Und er könnte bei jedem Kauf feststellen, wer ihn wann wo getätigt hat.

Oder feststellen, wessen Konsum hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt. Und, und, und … Sie glauben, dass das alles arg weit hergeholt ist. Nun: Schwedens Banken haben das Bargeld bereits weitgehend abgeschafft, viele Geschäfte akzeptieren nur noch Kartenzahlung. Die Bundesregierung ist angeblich gegen derartige Pläne. Aber lesen Sie einmal den Monatsbericht der Deutschen Bundesbank von Januar 2014. Dort steht u. a.: „In der Ausnahmesituation einer staatlichen Insolvenz könnte eine einmalige Vermögensabgabe günstiger abschneiden als die dann noch relevanten Optionen, […] denn höhere laufende Steuern oder eine massive Kürzung der Staatsausgaben könnten nicht ausreichen oder sich nicht durchsetzen lassen.“

Kommt nach dem Geschenk des „Kontos für alle“ das Bargeldverbot (und später der zwangsimplantierte RFID-Chip), sollten Sie Ihre Vorbereitungen für einen größeren Umzug bereits abgeschlossen haben.

Kritische Wochen voraus!

Der Blick auf die weiterhin intakten Aufwärtstrends etwa an der Wall Street oder am deutschen Aktienmarkt sollte Sie nicht davon abbringen, auch einmal andere Börsenindizes zu betrachten. Beispielsweise die des chinesischen Shanghai Stock Exchange Composite-Index (SSE 50) oder des HangSeng-Index (HSI 45).

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Nicht zuletzt wegen der anhaltenden Flut immer neuer schwacher Konjunkturdaten steht der SSE 50 jetzt wieder vor der charttechnischen Nagelprobe. Denn seit Ende 2012 hat sich bei diesem Index knapp unterhalb der Marke 2.000 eine wunderschöne horizontale Unterstützung entwickelt.

Sieht man sich einmal an, wo der Index 2007 stand und wie nahe der Kurs jetzt wieder an das Tief aus 2008 herangerückt ist, dürfte klar sein, was zu erwarten ist, wenn die Weltwirtschaft statt des aktuellen Hüstelns einmal von einer echten Grippe heimgesucht wird. Achten wir also auf die 2.000 Punkte.

Zugespitzt hat sich die Lage aber auch an Chinas größtem Aktienmarkt in Hongkong. Denn wie Sie im Chart erkennen, schickt sich der Kurs hier an, das riesige „symmetrische Dreieck“ nach unten zu verlassen. Die chinesischen Börsen hängen damit derzeit buchstäblich am sprichwörtlichen seidenen Faden. Und neue Abwärtsschübe dort werden auch für andere Börsenplätze der Welt nicht folgenlos bleiben.

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Ein paar Kilometer von China entfernt sieht es auch nicht besser aus. Brasilien, einst der ökonomische Superstar Südamerikas, droht ausgerechnet vor der in drei Monaten beginnenden Fußballweltmeisterschaft in die Rezession abzugleiten. Charttechnisch knabbert der Bovespa gerade wieder an seinem Kurstief des Vorjahres herum. Wird es unterschritten, bestehen bis zum Tief aus 2008 keinerlei nennenswerte Unterstützungen mehr. Brasiliens Börse verdient daher in den kommenden Tagen ebenfalls unsere erhöhte Aufmerksamkeit!

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Exodus aus US-Staatsanleihen

Da nicht alle Leser auch meine mittwöchliche Kolumne für Börse online verfolgen, bilde ich den nebenstehenden Chart auch hier noch einmal ab. Er zeigt die Bestände von Ausländern gehaltenen US-Rentenpapieren. Als die Federal Reserve im Juni 2013 erstmals laut über das „Tapering“, also den vorsichtigen Ausstieg aus ihrem Anleihekaufprogramm nachdachte, zogen ausländische Anleger die Rekordsumme von 32,5 Milliarden US-Dollar ab. In der letzten Woche aber trennten sie sich von Rententiteln im Gegenwert von 104,5 Milliarden US-Dollar. Der vermutliche Hintergrund dürfte sein, dass russische Oligarchen ihr Kapital abziehen, bevor es im Zuge der in Gang gekommenen Sanktionsspirale zu Kontensperrungen oder dem Einfrieren von Kapital kommt.

Leserin Silvana F. machte mich darauf aufmerksam, dass im Gegenzug Belgien als neuer Big Player im US-Anleihegeschäft aufgetaucht ist. Stimmt. Allein in den vergangenen Monaten hat das kleine Land massiv US-Anleihen aufgekauft und hält heute lauf US-Finanzministerium Bonds und Treasuries im Wert von 310 Mrd. US-Dollar (zum Vergleich der deutsche Wert: 63 Milliarden US-Dollar). Wer aber ist „Belgien“.

Bis jetzt kann darüber nur spekuliert werden. Am wahrscheinlichsten ist, dass die US-Notenbank selbst hinter dieser mysteriösen Entwicklung steckt, um so potentiellen negativen Auswirkungen des „Tapering“ entgegen zu wirken. Mal sehen, wir werden es schon noch herausbekommen!

Edelmetalle: Wie gewonnen, so zerronnen

Vor zwei Wochen hatte ich hier meine alte Warnung wiederholt und davor gewarnt zu glauben, dass sich Gold und Silber tatsächlich wieder in einer neuen Hausse befinden. Seitdem ging es erst einmal noch etwas nach oben, in der letzten Woche wurden diese Gewinne dann aber wieder abverkauft.

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Nun muss es zum schwur kommen. Entweder Gold (im Chart auf Eurobasis abgebildet) schafft den Sprung über die vor allem psychologisch wichtige Schwelle von 1.000 oder aber der Unzenpreis fällt aus der eingezeichneten charttechnischen „Flagge“ nach unten heraus, was ausgesprochen bearish wäre. Nachdem sich die Lage um die Ukraine bzw. Krim zumindest zwischenzeitlich erst einmal beruhigt hat, werden die Edelmetall-Anleger nun wohl wieder verstärkt auf die Wirtschaftsdaten achten. Und alles, was auf eine Verlangsamung des Wachstums und/oder das Abgleiten in die Deflation hinweist, mit Verkäufen beantworten.

Silber: Risiko = Chance besteht fort

Was Silber betrifft, stellt sich die aktuelle Lage charttechnisch noch einen Tick schlechter dar. Denn während Gold seit Jahresbeginn doch einen relativ deutlichen Zuwachs hinbekam, kann bei Silber davon nicht die Rede sein. In der Spitze der Erholung kratzte der Unzenpreis einmal an der 16 Dollar-Marke, rutschte von da ab aber wieder deutlich ab. Und:

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Seit Jahresbeginn ist es dem Momentum-Indikator nicht ein einziges Mal gelungen, sich wieder über 100 und damit auf die bullishe Seite zu bewegen. Damit rückt nun wieder die bei rund 14 US-Dollar/oz. verlaufende, waagerechte Unterstützung in den Fokus. Kann Silber dieses Niveau nicht verteidigen, erscheinen weitere Verluste so gut wie sicher. Auch hier müssen wir uns also nur auf die Lauer legen.

Wall Street / DAX

Da sich im Wochenvergleich keinerlei neue chart- oder markttechnische Signale ergeben haben, können wir auf eine Besprechung verzichten. Die Aufwärtstrends sind nach wie vor völlig intakt. Allerdings fand ja gestern auch der erste 2014er große Verfalltag der Terminbörsen statt. Danach werden die Karten häufig neu gemischt. Am nächsten Samstag werden wir uns das ansehen!

ZUSAMMENFASSUNG

Die abgelaufene Woche relativierte die vorherigen Kursverluste der Aktienmärkte ein wenig, brachte aber keine neuen Kaufsignale zustande. Damit verbleiben Dax und Dow unverändert in ihren Bullenmärkten. Erheblich kritischer stellt sich der charttechnische Zustand der chinesischen Aktienindizes und des brasilianischen Bovespa dar. Hier fehlt nur noch ein kleiner Schubser, um die Kurse unter wichtige Auffanglinien zu drücken. Das gilt auch für Gold und Silber. Insgesamt befinden sich damit viele neue Trades in der Pipeline. Machen wir etwas daraus!

Viel Erfolg und beste Grüße!

Axel Retz

About the Author:

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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