By 24. Juni 2013 Read More →

Bärenangriff läuft nach Plan

Business as usual: Nachdem die Flüsterprognosen für die Märkte immer kühner geworden und alle an Bord waren, legte der Dampfer ab. Aber eben nicht flussaufwärts. Sicher, ein Teil des Debakels geht aufs Konto des Hexensabbats. Aber die Chancen der Bären sind gestiegen.

 

 

„Wer mit 20 Jahren nicht Sozialist ist, der hat kein Herz, wer es mit 40 Jahren immer noch ist, der hat kein Hirn.“ Über den Wahrheitsgehalt dieses dem französischen Politiker Georges Clemenceau zugeschriebenen Zitats lässt sich natürlich streiten. Denn während im Kapitalismus der Mensch den Menschen ausbeutet, ist es im Sozialismus ja umgekehrt. Eines aber bringt das Zitat zweifellos auf den Punkt: Menschen ändern ihre Ansichten, ihr Denken und, falls vorhanden, bisweilen auch ihre Prinzipen. Und danach ihr Tun und Lassen. Dagegen ist nichts einzuwenden, wenn dieser Prozess ein Lernprozess ist. Was das nachfolgende Zitat (eines meiner liebsten) betrifft, hat sich allerdings das Vergessen gegen das Lernen durchgesetzt:

„Der Überschuss an Krediten, den die Nationalbank von Japan und die FED in die Wirtschaft gepumpt hatten, sprang auf den Aktienmarkt über, was einen phantastischen spekulativen Boom auslöste. Zu spät wurde von den Vertretern der Federal Reserve versucht, den Liquiditätsüberhang abzuschöpfen und schließlich gelang es auch, den Boom zu stoppen. Aber es war zu spät. 1929 war das spekulative Ungleichgewicht so groß geworden, dass die Bemühungen der Notenbank einen starken Personalabbau [in der Wirtschaft] und eine erhebliche Eintrübung des Geschäftsklimas auslösten. Das Ergebnis war eine kollabierende US-Konjunktur […]. Die Weltwirtschaft stürzte in die große Depression der 30er Jahre.“

Wird es Ihnen etwas sonderbar in der Magengrube? Nun ja, da kann ich Ihnen helfen und das noch ein wenig verstärken. Denn dieses Zitat stammt von Alan Greenspan, bekanntermaßen von August 1987 bis Januar 2006 US-Notenbankchef. Entnommen ist es dem von ihm 1967 in „The Objectivist“ veröffentlichten Aufsatz „Gold an Economic Freedom“, den Sie im Web finden. Falls Sie des Englisches mächtig sind, werden Sie dort auch eine „nette“ Erklärung für den aktuellen Verfall der Edelmetallpreise finden. Einen Satz darf ich für Sie vorab übersetzen: The financial policy of the welfare states requires that there be no way for the owners of wealth to protect themselves.“ Auf gut Deutsch: „Die Finanzpolitik der Wohlfahrtsstaaten macht es erforderlich, dass es für Vermögende keinen Weg gibt, sich zu schützen.“

Währungshüter mussten/müssen die Währung hüten und sie gegen sicherere Konkurrenz (etwa durch Gold) verteidigen. Eigentlich einfach. Denn flüchtet das Kapital aus den Papierwährungen, ist für die auf paper money gegründeten Staaten Schluss mit lustig.

Das wirklich Fatale an Greenspans oben zitierter Analyse der Ursachen der großen Depression ist jedoch, dass er selbst seit Amtsantritt mit geradezu beängstigender Konsequenz immer und immer wieder das getan hat, was er in seinem Aufsatz 1966 als Auslöser der großen Depression  herausgearbeitet hatte: Zu lange und zu viel zu billiges Geld.

„Big Ben“ Bernanke steht nun die Aufgabe zu, mit dem weniger schönen Part dieser Analyse umzugehen.  Dumm nur, dass die Wirtschaft diesmal schon vor dem Ausstieg der FED aus der Niedrigzinspolitik kränkelt. Und dass die tatsächliche Arbeitslosigkeit nach Berechnungen der unabhängigen Analysten von www.shadowstats.com bei rund 23 Prozent liegt, macht die Sache keineswegs einfacher. Im Gegenteil: Das seit Jahren praktizierte Manipulieren von Wirtschaftsdaten rächt sich, wenn es zum Schwur kommt.

Was Bernankes geldpolitische Ausrichtung betrifft, wird ihm der Markt bald eine Lektion erteilen. Denn der US-Notenbankpräsident ist der irrigen Ansicht, dass Deflation keine Gefahr darstelle: „Die US-Regierung verfügt über eine Technologie, genannt Druckerpresse, die ihr die Produktion so vieler US-Dollars erlaubt, wie sie wünscht – und das ohne Kosten.“ Das ist leider wohl wahr, Herr Bernanke. Aber ist ihnen schon einmal aufgefallen, dass die offizielle Inflationsrate Ihres Landes seit September 2011 von 3,90 auf jetzt 1,40 Prozent gefallen ist? Schon in meinem Kapitalschutz-Report von 2003 habe ich unterstrichen, dass die US-Notenbank auf dem besten Wege ist, in die gleiche deflationäre Abwärtsspirale einzutreten, an der sich die Bank of Japan seit rund 25 Jahren die Zähne ausbeißt. D. h.: Ohne die historisch längste und stärkste Niedrigzinsphase und all die Quantitative Easing-Pakete und Twist-Operations wären die USA längst in der Deflation angekommen. Und spätestens, wenn die FED die monetären Zügel wirklich anziehen sollte, wird die Deflation vor der Türe stehen. Und auf eine Notenbank treffen, die ihre Munition komplett verschossen hat. Deflation, nicht Inflation wird das Thema der kommenden Jahre sein.

 

Gold: Zielmarke 1.000 US-Dollar bleibt

Mit dem „historischen“ Trendbruch bei der Anzahl bullish gestimmter Gold-Analysten hatte ich Sie frühzeitig auf die Abwärtsbewegung der Edelmetalle aufmerksam gemacht. Und bei Gold von einer Zielmarke von 1.000 US-Dollar gesprochen.

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Wie Sie im Chart sehen, hat sich das bullishe Lager der Gold-Berater in der abgelaufenen Woche weiter geleert und ein neues Zyklustief erreicht. Die Edelmetalle dürften dieser Wegweisung folgen. Gold oder wegen des Risikos eines staatlichen Verbotes seines Privatbesitzen besser noch Silber zu reinen Absicherungszwecken, das möchte ich unterstreichen, machen Sinn. Finger weg aber von jedem „verbrieften“ Besitz von Edelmetallen. Sicher ist nur, was Sie als Münzen anfassen können und worauf Sie jederzeit Zugriff haben.

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Wer Edelmetalle als Mittel zur Gewinnerzielung einsetzen will, dem bietet die Putseite alles, was er will. Den nebenstehenden Chart habe ich meinem „Kapitalschutz-Brief“ entnommen. Er zeigt des Goldpreis auf Euro-Basis und die letzten beiden Signale meines KSB-Trendindikators. Von einer Unterstützung ist in diesem Chart rein gar nichts zu sehen. Gehen Sie also von weiteren Kursverlusten aus, selbst wenn die Bullen noch einmal einen Gegenangriff wagen sollten. Und wenn die Stunde zum Wiedereinstieg kommt, werden wir es sehen!

 

Aluminium: Nach Plan (1) 

Werfen wir rasch einen Blick auf eine andere Anlage, die ich Ihnen aus gegebenem Anlass in den letzten Wochen wiederholt ans Herz gelegt hatte: Aluminium. Unter 1.800 US$/to., so lautete mein Fazit, sollten Sie hier auf der Putseite zugreifen. Denn auf diesem Level hatte sich eine massive horizontale Unterstützung gebildet, die in der letzten Woche eindeutig nach unten durchbrochen wurde.

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Wer noch nicht zugegriffen hat, kann das natürlich jetzt jederzeit nachholen. Wählen Sie ein Derivat mit einer Laufzeit von mindestens einem Jahr. Und lassen Sie es nicht zu aggressiv angehen. Ein Basispreis „im Geld“, also 2.200bis 2.400, ist hier eine gute Empfehlung. Und setzen Sie einen Stopp bei 1.830 US$. Entwickeln sich die Dinge hier weiter nach Plan, sollten wir erst nahe des Tiefs von Anfang 2009 nach möglichen Zeichen einer Bodenbildung oder Trendwende suchen müssen.

 

S&P 500: Nach Plan (2)

Und damit gleich zum nächsten „alten Bekannten“, dem Chart des S&P 500. Am letzten Wochenende schrieb ich: „Die Wahrscheinlichkeit, dass der Abwärtsdreh unmittelbar bevorsteht, ist ausgesprochen  hoch.

Markttechnisch verdichten sich die Hinweise, dass der nun sieben Monate alten Aufwärtsbewegung die Puste ausgeht. Denn während der Trendfolge-Indikator MACD nur noch eine Handbreit von einem neuen Verkaufssignal entfernt ist, ist das Momentum bereits eindeutig unter alle während der Aufwärtsbewegung absolvierten Zwischentiefs gefallen. Die Bären sollten sich also langsam ein paar schöne Derivate heraussuchen.“

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Wie der Chart zeigt, haben die Bären nun tatsächlich das Ruder übernommen. Aber: Am Freitag war Verfalltermin der Futures und Optionen. Acht der letzten neun derartigen Termine nutzen die Börsen für einen Richtungswechsel. Das sollten Sie im Auge behalten. Angezählt die Aufwärtsbewegung aber allemal. Und mit einem lang(!) laufenden Put-OS können Sie m. E. nichts falsch machen.

 

EUR/AUD: Gewinne absichern

Abschließend für heute noch ein Wort zu meiner Call-Empfehlung auf EUR/AUD: Selbst wenn Sie sich hier nur ein Derivat mittlerer Spekulativität herausgesucht hatten, dürften Sie jetzt in sehr kurzer Zeit deutlich über 50 Prozent Gewinn erzielt haben. Da ich in einem meiner Briefe einen solchen Schein empfohlen habe, weiß ich, wovon ich rede. Falls Sie ein Konto bei einem US-Broker haben, sollten Sie die EUR/AUD-Position jetzt auflösen und in einen USD/AUD-Call wechseln. Wer diese Möglichkeit nicht hat (hierzulande gibt es keine USD/AUD-Calls), setzt für den EUR/AUD-Call einfach einen gewinnsichernden Stopp und bleibt engagiert. Denn bis zur Zielmarke von 1,60 ist ja noch jede Menge Luft.

 

Viel Erfolg und beste Grüße

Axel Retz

 

 

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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