By 13. November 2013 Read More →

Behält Bill Gross Recht?

Marktausblick: Die Sorgen vor einer deflationären Entwicklung bleiben auf der Agenda. Nach der überraschenden Zinssenkung schließt die EZB offenbar auch radikalere Schritte nicht aus.

So ganz allmählich kann eine erste Bilanz unter die langsam zu Ende gehende Berichtssaison gezogen werden. Bei der Interpretation der Zahlen gilt es aber vorsichtig zu sein. Denn die Gewinnschätzungen für die S&P 500-Unternehmen wurden in den Wochen vor dem Beginn der Quartalssaison kräftig gestutzt. Die Messlatte lag somit recht tief. Inzwischen präsentierten rund 90 Prozent der Konzerne ihre Zahlen, Angaben von Thomson Reuters zufolge lagen 73 Prozent der Berichte auf oder über den Erwartungen. In Europa fällt das erste Zwischenfazit nicht ganz so gut aus. Im Auswahlindex Stoxx 600 übertrafen nur 51 Prozent der Konzerne die Prognosen. Dazu passt auch, dass zuletzt die Insider-Verkäufe auf den Management-Ebenen der Unternehmen wieder zugenommen haben. Ein Hinweis, dass offenbar einige Konzernlenker die eigenen Zukunftsaussichten nicht mehr ganz so optimistisch beurteilen. Rund zwei Drittel der Konzerne setzen sogar weniger um als erwartet. Diese Entwicklung gilt es in Zukunft genauer zu beobachten. Denn nachdem viele Unternehmen mit umfangreichen Sparprogrammen die Kostenbasis deutlich eindampften und so die Marge stabil hielten oder sogar steigerten, bleibt die Erlösentwicklung eher enttäuschend. Kritisch wird es vor allem dann, wenn eine Abwärtsspirale bei der Preisentwicklung einsetzen sollte, die unweigerlich die derzeit schon nicht zu unterschätzende Gefahr einer heraufziehenden deflationären Entwicklung noch verstärken würde.

Bereits im Oktober war die Teuerung in der Eurozone im Jahresvergleich auf 0,7 Prozent von 1,1 Prozent im September gefallen. Das von der EZB ausgegebene Inflationsziel liegt hingegen bei zwei Prozent und rückt zunehmend außer Sichtweite. Sollt dieser Trend anhalten, müssten die Zentralbanken und somit vor allem die EZB länger an der Politik des billigen Geldes festhalten. EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen verteidigte den jüngsten Zinsschritt und kann sich durchaus weitere Leitzinssenkungen im Euroraum vorstellen, je nachdem, wie sich die Inflation entwickelt. Auch einen negativen Einlagezins für Geschäftsbanken schloss er gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung nicht gänzlich aus. Die EZB könnte somit von den Instituten Geld dafür verlangen, wenn sie Liquidität bei der Notenbank parken, anstatt es zu verleihen.

In den USA hält derweil die Diskussion um ein baldiges Ende der QE-Maßnahmen an. Nach den positiven Arbeitsmarktdaten aber auch Stimmungsindikatoren ist eine Reduzierung der Anleihekäufe durch die Fed noch vor dem Jahresende wieder etwas wahrscheinlicher geworden. Die beiden Fed-Mitglieder Lockhart und Kocherlakota sprachen sich gestern für eine Beibehaltung der ultralockeren Geldpolitik aus, um das Momentum des Wirtschaftswachstums aufrecht erhalten zu können. Beide sind derzeit aber nicht stimmberechtigt.

Morgen richtet sich der Blick verstärkt auf die Anhörung von Janet Yellen vor dem Senat. Yellen wird ab Januar sehr wahrscheinlich Fed-Chef Ben Bernanke ablösen und gilt eigentlich als Vertreterin einer lockeren Geldpolitik. Sie könnte aber eher als eine Verfechterin geldpolitischer Straffung klingen, um die Politiker von sich zu überzeugen, vermutet Bill Gross, Manager des weltgrößten Investmentfonds bei Pimco.


Zur Verfügung gestellt von: Forexpros dem Aktien Portal

 

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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