By 5. September 2014 Read More →

Timing-Indikator erreicht Risikozone – Umschichtungen in den DAX?

Mit durchaus überraschenden Maßnahmen sorgte die EZB am Donnerstag für einen erneuten Aufwärtsimpuls am deutschen Aktienmarkt. Auch heute ist noch einmal mit einer erhöhten Volatilität zu rechnen, der DAX könnte sich der Rekordschwelle um 10.050 weiter annähern. Allerdings wird die Luft nun recht dünn.  

Aus terminlichen Gründen muss ich mich leider kürzer fassen. Die nächste DAX-Analyse wird es wahrscheinlich erst wieder in einer Woche geben, ich bin gespannt, wie der Markt nach der Datenflut die nächsten Tage reagieren wird. Zwei Charts sollten Sie nun aber genauer im Auge behalten:

Quelle: indexindicators.com

Die erste Grafik zeigt die von mir hier schön öfters abgebildete Relation der Aktien, die im S&P über ihrer 20-Tage-Linie notieren. In der Vergangenheit hat sich der Signalgeber bereits sehr häufig als guter Indikator für eine Richtungsänderung erwiesen. Auch jetzt könnte schon sehr bald der nächste Impuls bevorstehen. Zuletzt notierten 81 bis 85 Prozent der Aktien im S&P 500 über ihrer 20-Tage-Linie, ein Niveau, von dem aus in den vergangenen Monaten mehrfach ein Umschwung Richtung Süden einsetzte. Zumindest eine Konsolidierung – passend an der 2000er-Schwelle – wäre nun nicht überraschend.

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Interessant ist aber auch der zweite Chart. Im oberen Fenster ist der S&P sowie der DAX (rot) abgebildet, darunter die Relative Performance. Steigt die untere Linie, entwickelte sich der US-Index besser, fällt der Indikator (wie derzeit), trumpft der DAX auf. Seit einigen Tagen kann man beobachten, dass Investoren offenbar Umschichtungen in europäische / deutsche Aktien vornehmen und gleichzeitig Kapital von der Wall Street abfließt. Der S&P 500 legte seit Jahresbeginn um rund acht Prozent zu, der DAX Kursindex liegt zwei Prozent hinten. Sollte sich nun die Lage in der Ukraine entspannen, dürften die heimischen Titel profitieren. Besonders die starken Währungsveränderungen könnten nun für einen überraschenden Impuls sorgen. Bisher hinterließ der starke Euro tiefe Bremsspuren in den Bilanzen, inzwischen steht das Währungspaar EUR/USD nicht mehr bei 1,40 USD sondern unter 1,30 USD. Von dieser Seite dürften die europäischen Konzerne nun auf den Weltmärkten Rückenwind verspüren. Zudem kann es jederzeit zu einer technischen Erholung des Euro kommen – für US-Investoren eine verlockende Gelegenheit (Währungs- und Aktiengewinne).

DAX: Stunden- und Tagesanalyse

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Die Aussichten für den DAX haben sich mit den Kursgewinnen nach der EZB-Sitzung noch einmal verbessert, der Ausbruch über die 9600er-Region wurde bestätigt. Allerdings will ich noch nicht endgültig Entwarnung geben. Mit den heute für 14.30 Uhr angesetzten US-Arbeitsmarktdaten steht ein weiterer, richtungsweisender Termin in der Agenda. Die Gefahr eines Fehlausbruchs ist durchaus gegeben. Zudem hat sich der DAX inzwischen um gut vier Prozent von seiner 21-Tage-Linie nach oben hin entfernt – ein Niveau, von dem aus in den vergangenen Monaten immer eine Konsolidierung einsetzte.

Weitere Ziele auf der Oberseite liegen bei 9800 (horizontaler Widerstand; Unterkante des alten Aufwärtskanals) sowie 9860. Spätestens über der letzten Marke ist jederzeit mit einem Angriff auf die Rekord-Region um 10.050 zu rechnen. Richtung Süden könnten sich  die Kurse im Bereich um 9600 stabilisieren, darunter wäre die Bereich um 9500 und  9400/9420 zu nennen. Spätestens wenn die 9200 / 9250 unterboten wird, ist der Aufwärtsimpuls als beendet anzusehen, ein erneuter Test der 8900er-Region würde bevorstehen.

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Wochenanalyse:

Sommer 2012 als Blaupause

Auch im langfristigen Wochenchart sind nun deutliche Bremsspuren der jüngsten Korrektur zu erkennen. Ähnlich wie auf Tagesbasis gab auch hier der Aufwärtskanal die grundsätzliche Richtung vor. Erstmals seit Sommer 2012 rutsche der DAX wieder deutlich unter die 200-Tage-Linie. Allerdings eroberte der Markt vor zwei Jahren den langfristigen Gleitenden Durchschnitt rechnet schnell wieder zurück – aktuell sehen wir eine ähnliche Reaktion. Bleibt das Muster bestehen, sollte der DAX zumindest noch das Rekordniveau um 10.000 erreichen.

Bereits seit mehreren Wochen warnte ich an dieser Stelle vor der negativen Divergenz im MACD. Während der DAX in den vergangenen Monaten höhere Hochs ausbildete, wurden diese nicht mehr durch den trendfolgenden Indikator bestätigt (rote Linie beim MACD). Mit dem Kursrutsch wurden die bearischen Signale bestätigt, noch liefert der MACD aber kein Kaufsignal.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200. Eine ähnliche Situation liegt auch im amerikanischen Leitindex S&P 500 vor.

Das Hauptaugenmerk gilt aber dem MACD. Der trendfolgende Indikator hat sich in den vergangenen 20 Jahren bereits mehrfach als guter Taktgeber für den langfristigen Verlauf erwiesen. Besonders an den Bewegungshochpunkten in 2000 und 2007 warnte der Signalgeber jeweils frühzeitig vor einer neuen Baisse. Die aktuelle Ausgangslage weist dabei viele Parallelen mit der Situation von vor 14 und sieben Jahren auf. Der MACD steht auf einem ähnlichen Niveau (knapp unter der roten Linie), zudem lieferte der Indikator erstmals seit August 2011 wieder ein Verkaufssignal.  

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About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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