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By 12. Juni 2014 Read More →

Wall Street – Umsätze und Kredite fallen

Ja, die Kurse sind ausgebrochen. Ätna, Vesuv, Popocatéptl und Konsorten haben das auch schon mal gemacht. Schön anzuschauen war das sicherlich auch. Danach wurde es für die unvorbereiteten Zuschauer meist etwas ungemütlich. Aber dieser Spieß lässt sich ja auch herum drehen!

Liebe Leserinnen und Leser,

ich persönlich bin kein Freund von Jean-Claude Juncker. Sie wissen schon – seine beiden berühmten, durchaus beängstigenden Zitate. Aber er hat nun einmal die Mehrheit der Stimmen der Europawahl auf sich vereinen können. Und nun liegt es an den EU-Abgeordneten, ihn zu wählen oder auch nicht. Denn die Regierungen haben hier nur noch ein Vorschlagsrecht, mehr nicht. Aber:

Großbritannien will Juncker nicht. Und die Ablehnung der Christdemokraten geht so weit, dass Premier Cameron mit einem Austritt seines Landes aus der EU droht, falls Juncker Präsident der EU-Kommission werden sollte. Im Hintergrund dürften machpolitische Interessen stehen. Denn der Kantersieg der Ukip bei den Europawahlen offenbart eine sehr große EU-Verdrossenheit der Briten. Kann Cameron diese Klientel mit einem Austritt aus der EU bedienen, dürfte das seiner Conservative Party wieder verloren gegangene Stimmen bringen.

Nur: Den Wählern wurde suggeriert, dass sie mit ihrer Stimme eben auch die Wahl zwischen Den Herren Juncker und Schulz hätten. Zaubern die Regierungschefs jetzt einen ganz neuen Kandidaten aus dem Hut, bekommt Europas scheindemokratische Fassade einen weiteren, vielleicht sogar die gesamte Statik bedrohenden Riss.

Achten wir darauf. Und sollte (mein Verdacht) Christine Lagarde vom IWF auf den Stuhl des EU-Kommissionspräsidenten wechseln, dann werde ich Ihnen hier mitteilen, wie es soweit kommen konnte.

Wall Street: Fauler Zauber

Schauen wir uns zur Abwechslung die Umlaufgeschwindigkeit der Geldmenge M2 (Quelle: Federal Reserve Bank of St. Louis) in den USA an. Das Geldmengenaggregat M2 umfasst das gesamte physisch vorhandene Geld (Münzen und Scheine, das Geld auf Girokonten etc. und zusätzlich das Geld auf Sparbüchern, Festgeldkonten oder in Geldmarktfonds, das rasch in Bargeld umgewandelt werden kann.

Die Umlaufgeschwindigkeit all dieses Geldes zeigt an, wie es um die Wirtschaftsaktivität eines Landes bestellt ist. Haben wir eine solide Konjunktur oder gar einen Aufschwung, wird mehr ge- und verkauft bzw. investiert, das Geld wechselt schneller seine Besitzer. Bei einer konjunkturellen Abschwächung ist es genau anders herum: Die Konsumenten und Investoren überlegen sich dreimal, ob sie etwas anschaffen sollen oder nicht – die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sinkt.

Womit wir es heute zu tun haben, das sehen Sie ja. Der ganze wunderbare Aufschwung der USA, mit dem witzigerweise auch die Fed ihren Ausstieg aus dem „Tapering“ begründet, ist reine Fiktion aus der Wundertüte der Statistik. Und gemessen an der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes befinden sich die USA vermutlich nicht mehr in der Rezession, sondern bereits längst in der Depression.

Arbeitsmarkt: Simsalabim

Wie das Bureau of Labour Statistics gestern bekannt gab, sank die Arbeitslosenquote im Mai auf 6,3 Prozent. Wozu mir gerade einfällt, dass US-Präsident Reagan diese Zahlen vor ihrer Veröffentlichung so lange an das BLS zurückzusenden pflegte, bis sie seinen Vorstellungen entsprachen. Wie auch immer:

Auf die statistischen Klimmzüge, die bei der Erstellung der Arbeitslosigkeit vorgenommen werden, will ich nicht erneut eingehen. Sehen wir uns lieber einfach den von www.shadowstats.com veröffentlichten Chart an, in dem die um die statistischen Tricks bereinigte Arbeitslosenquote abgebildet ist. Und die hat sich seit geraumer Zeit nahe 23 Prozent festgesetzt. Etwa 15 Prozent der Amerikaner können ihren Lebensunterhalt nur noch mit Hilfe von Lebensmittelmarken (Food Stamps) bewerkstelligen. Wer Arbeitnehmer ist, hat darauf keinen Anspruch, egal wie wenig er verdient. Seit 2001 hat sich die Zahl dieser Hilfsbedürftigen etwas mehr als verdreifacht. Aufschwung, ja?

US-Börsenkredite: Wende intakt

Was die Nachfrage nach Börsenkrediten in den USA betrifft, gibt es nichts Neues zu vermelden: Die Wende sieht unverändert überzeugend aus, zumal es hier trotz der in dieser Woche neu geschriebenen Allzeithochs der Kurse keine entsprechende Gegenbewegung nach oben gegeben hat.

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Großanleger – und nur die werden ja hier erfasst – bauen ihre Engagements also trotz der neuen Rekorde nicht weiter aus, indem sie bestehende Portefeuilles beleihen. Vielmehr sinkt ihre Bereitschaft, das zu tun. Geht dieser mein „Lieblingsindikator“ diesmal so verlässlich zu Werke wie seit Beginn dieses Jahrtausends, sollte die Abwärtswende der Wall Street innerhalb der kommenden vier Wochen erkennbar werden. Entschieden wir das natürlich nur in den Kursen. Und die schauen wir uns jetzt einmal an.

Dow Jones: So sieht Verhungern aus

Dass über 25 Prozent der Beschäftigten in den neu-en Bundesländern unterhalb des heiß umstrittenen Mindestlohns arbeiten, gehört nicht unbedingt hierher. Aber es ist ein schöner Brückenschlag zu Erfolgsmeldungen, die nur auf den ersten Blick überzeugen.

Hier hübscht man sich mit diesen Arbeitnehmern die Arbeitslosenstatistik auf, beim Dow Jones täuscht der schöne neue Rekord darüber hinweg, dass zum einen das auf Wochenbasis eingestellte Momentum einfach nicht aus seiner negativen Divergenz heraus kommt. Vor allem aber wird leicht übersehen, wie dramatisch traurig die Umsatzseite aussieht: Nach einem neuen Allzeithoch sollten die Kurse in einer „normalen“ Hausse steigen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Und das ist ein Warnhinweis der allerbesten Kategorie!

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Vielleicht ist ja auch Ihnen mittlerweile der Appetit auf weitere Aktienkäufe vergangen. Das geht den meisten Deutschen so. Und aus meinen Leserbriefen kenne ich auch den Grund: Misstrauen. Man misstraut dem, was Politik und Notenbanken da so treiben. Und man beginnt zu ahnen, dass inmitten all des neuen Rekordjubels eine neue, böse Baisse geboren werden könnte. Damit dürfte der „kleine Mann“ nicht einmal verkehrt liegen. Und vor allem keineswegs so dumm sein, für wie ihn Politik und Mainstream-Medien zu verkaufen versuchen. Den Schwanz einziehen muss man als Anleger deswegen allerdings gar nicht. Im Gegenteil!

ZUSAMMENFASSUNG:

Die Aktienmärkte schreiben neue Rekorde. Weil die EZB mit einer homöopathischen Leitzinssenkung nun das erreichen will, was schon mit der Brechstange nicht funktioniert hat. Aber Umsätze und die Nachfrage nach Börsenkrediten signalisieren, dass die Anleger – wenn auch arg verspätet – den faulen Braten zu riechen begonnen haben.

Viel Erfolg und beste Grüße

Axel Retz

About the Author:

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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