By 27. Mai 2014 Read More →

Gesamtmarkt sendet Warnsignale

Auf dem Parkett hält die Siegesfeier der Bullen an, neue Rekordstände werden in Serie gemeldet. Doch die Euphorie fußt auf einem schwachen Fundament. Zunehmend mehr Charts deuten eher auf ein Ende der Party.  

Liebe Leserinnen und Leser,

vorab in Kürze: Mein Aufruf zur Stimmabgabe für den Förderverein unserer KiTa hat geschätzt 750 Stimmen gebracht. Und uns dahin in unserer Kategorie der Vereine mit max. 25 Mitgliedern im Bereich der Kindertagesstätten uneinholbar auf Platz 1 und Platz 19 der Gesamtwertung katapultiert. Ihnen allen herzlichen Dank!

In der kommenden Woche wird es keinen Newsletter geben, da ich meinen 60. Geburtstag feiere. Wie Sie wissen, nehme ich noch regen Anteil am Weltgeschehen. Und wenn der liebe Gott es will, wird sich daran so schnell auch nichts ändern.

Börsenkredite weiter abwärts

So langsam trübt sich der Himmel über den rekordverwöhnten Bullen wirklich ein. Denn die Nachfrage nach Börsenkrediten in den USA ist nun erneut gefallen. Wie Sie wissen, halte ich sehr große Stücke auf diesen Indikator. Nicht weil er unfehlbar wäre. Unfehlbares werden Sie auf diesem Globus nicht finden. Aber die Häufigkeit, mit der er uns seit Beginn dieses Jahrhunderts treffsicher die ganz großen Trendwenden der Wall Street signalisiert hat, lässt sich nicht wegdiskutieren.

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Danach hat die Anzahl meldepflichtiger Aktienkäufe auf Pump (also nicht die der Kleinanleger) an der NYSE (New York Stock Exchange) nun das jüngst entstandene Verkaufssignal noch weiter ausgebaut. Die Wall Street selbst hat sich bis jetzt davon noch nicht beeindrucken lassen. Höchstwahrscheinlich auch, weil die meisten Akteure diesen Indikator überhaupt nicht kennen. Aber:

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Die prekäre Verfassung des Momentum-Indikators im NASDAQ 100 hat sich bis jetzt noch nicht entschärft. Eine schwache Woche und wir haben den Salat. Bei Dow Jones und S&P 500 sieht es übrigens keinen Deut besser aus.

Rentenmarkt atypisch

Ein unübersehbares Warnsignal senden aber auch die Rentenmärkte aus. Die seit Bestehen der Finanzmärkte etablierte gegenläufige Bewegung von Aktienmarkt und Festverzinslichen wurde von den Notenbanken gemeuchelt.

Ganz unterdrücken ließen sich die traditionellen Marktreflexe aber nie: Wurde es am Aktienmarkt ungemütlich, schichteten die Anleger in Rententitel um. Und boomte der Aktienmarkt, kam stets Druck auf die Festverzinslichen auf.

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Dieser Mechanismus wurde in den vergangenen Wochen außer Kraft gesetzt. Aktien und Renten steigen gemeinsam. Hier gibt es offensichtlich „Umschichtungen“ des großen Kapitals. Über die Gründe muss nicht lange spekuliert werden. Zum einen droht die EZB ja offen mit einem Negativzins für bei ihr geparkte Bankeinlagen, zum anderen aber sieht der Aktienmarkt auf den zweiten Blick hin weitaus schlechter aus als auf den ersten.

So kann die Anzahl neuer Hochs minus neuer Tiefs mit dem Schritttempo des DAX längst nicht mehr Schritt halten, wie der nebenstehende Chart zeigt. Auch hier sieht es nun so aus, dass eine einzige schwache Woche ein neues Verkaufssignal lostreten könnte. Und noch einen weiteren Indikator haben wir in petto – den Ifo-Geschäftsklima-Index. Hier der Chart.

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Mit den senkrechten Linien habe ich die Abwärtswenden des DAX markiert. Auch hier zeigt sich also eine recht überzeugende, positive Korrelation. Überbewerten sollten Sie Deutschlands meistbeachtetes Konjunkturbarometer allerdings nicht. Denn der Verdacht, dass sich die Teilnehmer der Ifo-Umfrage letztlich am DAX selbst orientieren, ist nicht von der Hand zu weisen. Der Index wäre damit dann nichts Anderes als eine Art „Echo“ auf die Börse, das dann aufgrund seiner hohen Beachtungswerte einmal etablierte neue Trends verstärken würde, sie aber anders als etwa die Nachfrage nach Börsenkrediten (siehe oben) nicht im Voraus anzeigen kann. Dass dem so ist, scheint mir so gut wie sicher zu sein.

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Griechenland: Finger weg

Der Reiz, einen herunter geprügelten Aktienmarkt ganz unten einmal wieder ins Depot zu nehmen, ist natürlich gewaltig. Brasilien, Argentinien,  Venezuela oder auch die Türkei lassen grüßen. Im Falle Griechenlands hatte ich Sie bis jetzt aber vor dem Einstieg gewarnt. Die recht wuchtvoll vorgetragenen Erfolgsargumente aus und um Athen fallen mehrheitlich ins Raster politisch motivierter Phantastereien. Die Arbeitslosenquote steigt, über die Hälfte aller unter 24-Jährigen ist ohne Job, die Kaufkraft liegt dank der „Reformen“ der EU am Boden. Außer Armut, Verzweiflung und der Abwanderung qualifizierter junger Erwachsener wächst da momentan gar nichts. Und solange das Land „dank“ Euro keine Chance hat, sich wie früher über den Wechselkurs wettbewerbsfähig zu machen, wird es wohl auch dabei bleiben.

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Es ist kein schöner Scherz, wenn Deutschlands Industrie heute über den (potentiell) exportschädlichen hohen Außenwert des Euro klagt. Innerhalb Europas hat das Wechselkurs-Werkzeug seit Gründung der EWG im Jahre 1957 bestens funktioniert und die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der beteiligten Volkswirtschaften im Wohle aller ausgeglichen. Der Euro hat das konterkariert, die Ungleichgewichte im Positiven wie im Negativen nach oben gehebelt, aber selbst in den wirtschaftlich erfolgreichsten Mitgliedsstaaten wie etwa Deutschland den Zündfunken an die demographische Bombe gelegt. Das kann es doch wirklich nicht sein!

Silber: Noch ein Wackler

Viele Anleger kehren der Börse seit Jahresbeginn den Rücken zu. Grund: Es tut sich einfach nichts. Nach oben wird nur noch gezittert, nach unten wollen die Kurse aber auch nicht. Prototypisch für dieses Bild ist Silber. Sehen Sie sich diesen Chart an!

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Aber achten Sie auch auf das Momentum. Denn das gerade seine Aufwärtstrendlinie nach unten durchbrochen. Und schließt Silber unter 18,61 Euro, gilt es, ein heißes Eisen ins Feuer zu legen.

ZUSAMMENFASSUNG

Warten. Ja, es nervt. Natürlich. Aber die Märkte lavieren weiter um klare Signale herum. Die Gesamtlage hat sich aus technischer Sicht derweil weiter verschlechtert. Die US-Börsenkredite fallen, die Anzahl neuer Hochs minus neuer Tiefs am deutschen Aktienmarkt ist bedenklich, und die Geldabflüsse in Richtung Rentenmarkt sprechen für sich.

Viel Erfolg und beste Grüße

Axel Retz

About the Author:

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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