By 3. Juni 2014 Read More →

Die Hausse ist auf Kante genäht

Totalausfall – Ja, das betrifft zum einen mein technisches Equipment, zum anderen aber auch die EZB. Sie lesen eine „Notausgabe“ – im wahrsten Sinne des Wortes. In Not könnten auch einige Bullen bald geraten, wenn die Stopps nicht richtig nachgezogen werden.  

Liebe Leserinnen und Leser,

heute muss ich einmal wortbrüchig werden. In der letzten Woche hatte ich Ihnen ja geschrieben, dass es heute wegen meiner Geburtstagsfeier keinen Newsletter geben werde. Angesichts einiger sehr lieb verfasster, aber auch sehr enttäuscht klingender Zuschriften habe ich mich entschlossen, Ihnen zumindest eine Kurzfassung zuzusenden. Kurzfassung, weil meine Börsensoftware leider einen Totalausfall hat. Ich kann daher auf die Märkte nicht näher eingehen – bis auf einige Hinweise. Charts: Leider unmöglich, was ich sehr bedauere.

EZB: Vom Gärtner zum Bock der Böcke

Ich hatte es Ihnen ja angekündigt. Nach den Europa-Wahlen werden sich die Daten massiv verschlechtern. Kein Zufall also, dass wir in dieser Woche erfuhren, dass ein Drittel aller Deutschen nicht einmal 940 Euro auf der hohen Kante hat, um sich im Notfall eine „größere Anschaffung“ leisten zu können. EU-weit sind es über 40 Prozent. Aber es kommt noch besser. Und man muss es sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen:

Die EZB warnte am Mittwoch vor der „Möglichkeit eines scharfen und ungeordneten Abbaus der jüngsten Kapitalflüsse“. Auf gut Deutsch: vor einem Crash. Auch konstatierte die EZB, dass sich in den Bilanzen der Banken noch übermäßig viele faule Kredite befinden, wobei sie überraschend deutlich feststellte, dass hier „der Wendepunkt noch nicht erreicht“ sei. Zudem war die EZB der Ansicht, dass ein „signifikantes Risiko“ bestehe, dass sich die Kreditqualität angesichts der „unsicheren konjunkturellen Perspektiven weiter verschlechtere“. Soweit die EZB.

Und nun ich: Wer hat denn die Aktienmärkte durch ultrabilliges Geld wieder auf Crash-Risiko-Level aufgepumpt? Wer treibt denn durch sein Zinsdumping die Anleger aus den Rentenmärkten heraus und in die Aktienmärkte hinein? Wer ermutigt denn die Banken durch universelle Haftungszusagen permanent dazu, immer mehr faule Kredite ins Portfolio aufzunehmen?

Und wer wundert sich jetzt scheinheiligerweise darüber, dass sich die Kreditqualität weiter verschlechtern könnte? Vor allem aber: Wer wird am kommenden Donnerstag erklärtermaßen noch einmal weiteres Öl in all diese Feuer gießen und die Banken ggf. über „Negativzinsen“ sogar zu zwingen versuchen, noch mehr riskante Kredite herauszureichen: Die EZB!

Einen kreditinduzierten Kollaps erst mit allen verfügbaren Mitteln vorzubereiten, um dann den warnenden Zeigefinger zu erheben, mutet ausgesprochen dreist an. Aber da die Masse der Anleger dieses böse Spiel einfach nicht zu verstehen scheint, erntet die EZB gleich zweimal Applaus. Zuerst für ihre verheerende Geldpolitik und nun für ihre Warnung. Jetzt fehlt nur noch die besorgte Warnung der Regierung, dass Niedrig- und Mindestlohnempfänger, Hartz IV-ler, Aufstocker etc. später womöglich einmal von Altersarmut betroffen sein könnten. Aber vermutlich arbeiten hochkarätig besetzte Expertenrunden noch ein paar Jahre an dieser Erkenntnis, um dann nach einer neuen Expertenrunde zu mehr eigener Vorsorge zu raten.

Ab hier sollte …

… es in die Märkte hineingehen. Aber meine Chartsoftware mag nicht. Und auch die Datensicherungen helfen leider nicht weiter. Einiges aber ist auch so klar:

1. Silber hat nur noch gut 20 Cent Spielraum nach unten, bevor es brandgefährlich wird. Bricht der Kurs unter 18,60 Euro, sind ENG abgestoppte Puts Pflicht.

2. Die Aktienmärkte sehen wundervoll aus, aber die Markttechnik tut das ganz und gar nicht mehr. Die Hausse ist buchstäblich „auf Kante genäht“. Meine Einstiegsmarken zum Put-Kauf für den Nikkei, den Shanghai Composite und den DAX kennen Sie. Mag sein, dass die EZB mit ihrem nächsten Coup am Donnerstag noch einmal einen Schub nach oben auslösen kann. Aber drehen wir den Spieß doch einfach einmal herum:

Wenn die Notenbanken bis jetzt in nie gekanntem Umfang wirklich alles getan haben, um einen Absturz der Aktienmärkte zu verhindern – was wollen sie denn dann tun, wenn dieser Absturz kommt. Und er wird kommen. Zinssenkungen? Das war früher in solchen Fällen das Mittel der Wahl. Aber dieses Pulver hat man aufgebraucht, um damit die künftige Fallhöhe der Aktienmärkte zu vergrößern. Das wirksamste Medikament zur Risikobekämpfung wurde und wird also eingesetzt, um das Risiko zu erhöhen.

Wer noch auf der Longseite engagiert ist, sollte dringend seine Stopps nachziehen. Der Put-Einstieg darf aber erst erfolgen, wenn die charttechnischen Marken gerissen werden. Und die hoffe ich in der kommenden Woche wieder abbilden zu können.

Viel Erfolg und beste Grüße

Axel Retz

About the Author:

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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