Allianz, Deutsche Bank, FMC und SAP sind die Ausnahme

Mit den Verlusten zum Wochenauftakt hat sich die kurzfristige Ausgangslage für den DAX deutlich verschärft. Es besteht nun ein Abwärtsrisiko von weiteren 200 Punkten. Doch dazu muss es nicht kommen, denn ein Signalgeber deutet auf Erholung.   

Obwohl der DAX bisher nur um gut vier Prozent unter seinem Rekordhoch steht, fällt die Bilanz bei den Indexmitgliedern enttäuschend aus. Nur noch 13 Werte liegen seit Jahresbeginn in der Gewinnzone, die gezielte Suche nach den richtigen Werten ist im Börsenjahr 2014 extrem wichtig für den Anlageerfolg. RWE, Infineon und ThyssenKrupp als Spitzenreiter weisen Aufschläge von 17 bis 23 Prozent auf. Zumindest aus technischer Sicht können die Papiere aus dem Trio aber nicht mehr restlos überzeugen. Bei allen drei Werten ist der 21-Tage-Durchschnitt inzwischen seitwärts gerichtet, die Relative Stärke nimmt spürbar ab. Am unteren Ende kann bereits von einer Vorentscheidung gesprochen werden. Deutsche Bank mit minus 19 und Adidas mit minus 21 Prozent weisen bereits einen deutlichen Abstand zu Volkswagen auf, die seit Januar um rund zehn Prozent einbüßten.

Schaut man hingegen auf die Marktinterna, wird eine kurzfristige Erholung zunehmend wahrscheinlicher. Inzwischen handeln mit Allianz, Deutsche Bank, FMC und SAP nur noch vier Aktien über ihrer 21-Tage-Linie. In der Vergangenheit setzte häufig ein Trendwechsel ein, wenn nur noch zwei bis fünf DAX-Mitglieder von oben auf ihren Monatsmittelwert schauten. Bedenken Sie immer, dass die Märkte grundsätzlich zwischen einem überverkauften und überkauften Zustand hin und her pendeln. Die besten Chance-Risiko-Relationen liegen jeweils an den Wendepunkten vor, auch wenn es psychologisch ungemein herausfordernd ist, auf eine Gegenbewegung zu setzen.

Stunden- und Tagesanalyse:

Der Stundenchart hinterlässt inzwischen einen ungemütlichen Eindruck. Die potenziell bullisch zu interpretierende Hammer-Formation vom vergangenen Freitag wurde mit den gestrigen Verlusten komplett neutralisiert, nun besteht sogar erhöhte Gefahr auf der Unterseite. Doch noch sind die Würfel nicht gefallen, eine Stabilisierung mit Gegenbewegung ist durchaus noch möglich.

Zumindest die Vorgaben von den Börsen in Übersee stimmen zuversichtlich. Die US-Indizes holten im späten Geschäft einen Großteil der Verluste auf, der DAX wird rund 0,6 Prozent höher bei 9670 erwartet.

Zwischen 9580 bis 9720 liegt kurzfristig betrachtet eine neutrale Zone vor, der DAX sollte hier nur von der Seitenlinie aus verfolgt werden. Erst wenn der Bereich in eine Richtung verletzt wird, können mutige Trader einen Einstieg in den Impuls wagen.

Im positiven Fall dürfte der DAX oberhalb von 9720 die 21-Tage-Linie bei 9820 anlaufen. Sollte der fallende Monatsmittelkurs übersprungen werden, lauern die nächsten Hürden um 9870 und 9900.

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Wesentlich wichtiger, auch im Hinblick auf die mittel- bis längerfristige Einschätzung, ist aber die Unterseite. Seit Ende Mai gibt eine Abwärtstrendlinie die Verlustgeschwindigkeit vor, die Gerade verläuft heute bei rund 9550. Auf dem Kursniveau verlaufen wie in der gestrigen Analyse ausführlich beschrieben weitere Unterstützungen. Viel Luft ist nach unten somit nicht mehr vorhanden, angesichts der Häufung wichtiger charttechnischer Nachfragezonen scheint das Risiko eher begrenzt zu sein.

Um so schwerer wäre aber ein Rücksetzer unter 9500 einzuordnen. Der DAX wäre dann auch aus dem seit 2012 bestehenden Aufwärtstrendkanal herausgefallen, der mittelfristige Trend würde auf seitwärts drehen. Als letzter rettender Anker könnte sich dann nur noch die 200-Tage-Linie erweisen. In den vergangenen beiden Jahren haben Schnäppchenjäger am langfristigen Gleitenden Durchschnitt wiederholt eine Erholung eingeleitet. Glückt das diesmal nicht, ist mit weiteren Verlusten bis 9200 und 9000 zu rechnen. Selbst eine Korrektur bis in diese Kursregionen wäre aber noch kein Beinbruch sondern vollkommen gesund für eine nachhaltige Aufwärtsbewegung. Ausgehend vom Rekordhoch entspricht ein Rücksetzer an die 9000 nur einer Korrektur von 10 Prozent. Ein Bärenmarkt liegt per Definition erst ab einer Verlustserie von 20 Prozent vor.

Von einem Sommerloch kann also keine Rede sein, ganz im Gegenteil. Weitere Charts und interessante Aktien gibt es am Abend im Webinar, zu dem Sie sich hier anmelden können.

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Wochenanalyse:

MACD mit gefährlicher Divergenz

Mittel- bis langfristig betrachtet ist die Rally trotz der seit gut sieben Monaten laufenden Konsolidierung weiterhin als intakt zu bezeichnen. Richtungsweisend ist ein seit Sommer 2012 bestehender Aufwärtskanal, dessen Extremzonen mehrfach bestätigt wurden und somit über eine gewisse Relevanz verfügen. Während zum Jahreswechsel verstärkt die Oberseite im Fokus stand, steht seit März die untere Begrenzung der Range im Mittelpunkt. Bisher nutzten die Käufer jeden Rücksetzer zum Einstieg, ein Verhalten, das wir auch im vergangenen Jahr mehrfach gesehen haben. Lediglich die Tatsache, dass der DAX bereits länger nicht mehr die obere Trendlinie angelaufen hat, kann als Signal für eine abflauende Nachfragekraft ausgelegt werden.

Aus technischer Sicht stellt die 10.000er-Schwelle nur eine unbedeutende Kursmarke dar. Inzwischen scheint der psychologische Effekt aber den DAX zumindest zu einer Atempause zu zwingen. Potenzial auf der Oberseite wäre durchaus noch vorhanden, mittelfristig lässt der Kanal Platz bis 10.900.

Auf der Südseite ist der DAX gut abgesichert. Neben der erwähnten, zuletzt mehrfach bestätigten Aufwärtstrendlinie bei derzeit rund 9530 sorgen auch die 200-Tage-Linie bei 9440 und die breite horizontale Unterstützungszone um 8900 / 9000 für Sicherheit. Eine größere Umkehrformation und somit Schwächesignal in der mittel- bis langfristigen Zeitebene wird erst mit einem Wochenschluss unter 8900 aktiviert.

Etwas kritisch sind die Signale der Markttechnik einzuordnen. Der DSS Bressert hat seine obere Extremzone verlassen und läuft auf den unteren Bereich zu. Besonders aber der etwas trägere und langfristig ausgerichtete MACD auf Wochenbasis bereitet Sorgen. Während der DAX vor wenigen Wochen ein im Vergleich zum Jahresauftakt höheres Hoch ausbildete, wurde diese Bewegung durch den MACD nicht mehr bestätigt. Diese negative Divergenz muss genau verfolgt werden und könnte ein Hinweis auf eine größere Korrekturbewegung sein.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200. Eine ähnliche Situation liegt auch im amerikanischen Leitindex S&P 500 vor.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie aber auch hier den MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Allmählich erreicht der Signalgeber wieder die Niveaus aus den Jahren 2000 und 2007 (rote Linie).

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About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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