By 17. September 2014 Read More →

Unter der Oberfläche brodelt es gewaltig

Nach den eher ruhigen Handelstagen dürften die Schwankungen nun wieder deutlich größer ausfallen. Spätestens wenn am Abend Fed-Chefin Janet Yellen die weitere Notenbank-Strategie erläutern wird, ist mit deutlicheren Bewegungen zu rechnen. Es scheint so, als ob die Anleger mit guten Nachrichten rechnen.   

Angesichts der jüngsten Konjunkturentwicklung in den USA sind Nullzinsen allmählich nicht mehr zu rechtfertigen. Im Fokus steht die Frage, ob die Fed den Wortlaut ihrer Verlautbarung ändert oder nicht. Bisher sollte der Leitzins noch „beträchtliche Zeit“ nach dem Ende von QE3 im gegenwärtigen Zielkorridor von Null bis 0,25 Prozent bleiben. Gut möglich, dass die Formulierung in „einige Zeit“ umgewandelt wird. Ein kleiner aber feiner Unterschied. Der Vorteil für die Fed: Im Gegensatz zur nächsten Sitzung im Oktober findet heute eine Pressekonferenz statt, auf der Yellen mögliche Änderungen und Absichten genauer erläutern und so größere Nervosität an den Märkten verhindern könnte.

Gestern zeigten die amerikanischen Aktienmärkte eine deutliche Erholung, der Dow Jones erreichte zwischenzeitlich sogar ein frisches Rekordhoch. Besonders die zuletzt relativ schwachen Technologiewerte wurden wieder gekauft, der Nasdaq 100 legte deutlicher zu als die Standardwerte. Allerdings sieht es unter der Oberfläche nach wie vor kritisch aus. Im gut 3000 Werte umfassenden Nasdaq Composite notieren inzwischen 47 Prozent der Aktien um mindestens 20 Prozent unter ihrem letzten Hoch. Knapp die Hälfte der Indexwerte befindet sich somit in einem Bärenmarkt! Ähnlich die Lage im Small Cap-Index Russell 2000, hier haben 40 Prozent der Aktien mindestens 20 Prozent seit ihrem 52-Wochen-Hoch eingebüßt. Zum Vergleich: Im Blue Chip-Index S&P 500 liegt die Quote nur bei knapp sechs Prozent. Im gestrigen Webinar bin ich ausführlich auf die Entwicklung eingegangen, ebenso die Signale des noch frisches Todeskreuzes im DAX sowie eine Analyse der aktuellen RSL-Liste des HDAX. Die Aufzeichnung können Sie sich noch einmal in Ruhe anschauen, einfach auf das Bild klicken:

webinar1609

DAX: Stunden- und Tagesanalyse

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Kursverluste bei einigen Indexschwergewichten wie BASF, Bayer und SAP belasteten am Dienstag den DAX. Wie bereits in den vergangenen Tagen kehrten die Käufer aber zügig zurück und verhinderten eine Abwärtswelle. Im Tageschart bildete sich eine Hammer-Formation aus, die nach der jüngsten Konsolidierung recht zuversichtlich für den heutigen Handelstag stimmt. Zugleich legte das Volumen auf Xetra leicht zu, auch die Bestätigung der 9600er-Zone dürfte den Käufern Auftrieb verleihen. Sollte der DAX heute fester schließen, steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Umkehr auf rund 90 Prozent.

Zu Handelsbeginn steht zunächst die Oberseite eines noch sehr jungen Abwärtskanals im Blickpunkt, der bei rund 9650 verläuft. Knapp darüber lassen sich aus einigen Umkehrpunkten der vergangenen Tage bei 9685 und 9730 weitere, eher schwache Widerstände ableiten. Wirklich entscheidend bleibt nach wie vor die Region um 9775 bis 9810. Erst wenn der DAX diese Barriere aus dem Weg räumt, dürfte wieder vermehrt frisches Kapital in den Markt strömen und eine mögliche Aufwärtswelle in Richtung Rekordniveau um 10.050 initiieren.

Bleibt der DAX hingegen unter 9650 und scheitert erneut an der Kanalgrenze, ist eine Fortsetzung der Konsolidierung zu erwarten. Ich rechne bis zum Abend mit keinen größeren Bewegungen, da sich kaum ein Anleger vor der Fed-Sitzung zu weit aus dem Fenster lehnen möchte. Auf der Unterseite bleibt die Lage unverändert. Zwischen 9545 bis 9565 verlaufen zahlreiche Gleitende Durchschnitte sowie Unterstützungen – Verluste darüber hinaus sind eher nicht zu erwarten.

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Wochenanalyse:

Sommer 2012 als Blaupause

Auch im langfristigen Wochenchart sind nun deutliche Bremsspuren der jüngsten Korrektur zu erkennen. Ähnlich wie auf Tagesbasis gab auch hier der Aufwärtskanal die grundsätzliche Richtung vor. Erstmals seit Sommer 2012 rutsche der DAX wieder deutlich unter die 200-Tage-Linie. Allerdings eroberte der Markt vor zwei Jahren den langfristigen Gleitenden Durchschnitt rechnet schnell wieder zurück – aktuell sehen wir eine ähnliche Reaktion. Bleibt das Muster bestehen, sollte der DAX zumindest noch das Rekordniveau um 10.000 erreichen.

Bereits seit mehreren Wochen warnte ich an dieser Stelle vor der negativen Divergenz im MACD. Während der DAX in den vergangenen Monaten höhere Hochs ausbildete, wurden diese nicht mehr durch den trendfolgenden Indikator bestätigt (rote Linie beim MACD). Mit dem Kursrutsch wurden die bearischen Signale bestätigt, noch liefert der MACD aber kein Kaufsignal.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200. Eine ähnliche Situation liegt auch im amerikanischen Leitindex S&P 500 vor.

Das Hauptaugenmerk gilt aber dem MACD. Der trendfolgende Indikator hat sich in den vergangenen 20 Jahren bereits mehrfach als guter Taktgeber für den langfristigen Verlauf erwiesen. Besonders an den Bewegungshochpunkten in 2000 und 2007 warnte der Signalgeber jeweils frühzeitig vor einer neuen Baisse. Die aktuelle Ausgangslage weist dabei viele Parallelen mit der Situation von vor 14 und sieben Jahren auf. Der MACD steht auf einem ähnlichen Niveau (knapp unter der roten Linie), zudem lieferte der Indikator erstmals seit August 2011 wieder ein Verkaufssignal.  

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About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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