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By 12. Februar 2015 Read More →

Aktien- vs. Anleihemarkt – kleiner schwarzer Schwan in Sicht

Seit über einem Jahr befinden sich die Zinsen in den USA auf dem Rückzug. Auch in anderen Ländern geht der Trend eindeutig Richtung Süden. Mit dem bevorstehenden QE-Programm der EZB droht aber ein vorläufiges Ende der Niedrigzinsen.    

 

Im September 1993 zuckten die US-Versorgertitel („Utilities“) ein letztes Mal nach oben. Mit einem kleinen Doppelhoch hauchte der Aufwärtstrend sein Leben aus. Zwischen September 1993 und dem Mai 1994 fiel der Dow Jones Utility Index um 30 Prozent.

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Gleichzeitig – etwas zeitverzögert – stieg die Rendite 10jähriger US-Anleihen von 5,2 auf 7,5 Prozent. Das Wort vom Bond-Crash machte die Runde. Im Rahmen der ersten Fed-Sitzung des Jahres 1994 begann unter Alan Greenspan ein Zinserhöhungszyklus. Greenspan verdoppelte den US-Leitzins innerhalb eines Jahres von 3 auf 6 Prozent. Diskutiert wurde diese Erhöhung bereits im Vorfeld – im Herbst 1993.

Versorger zahlen üblicherweise hohe Dividenden. Auf der Suche nach Einkommen sind diese Titel gesucht, wenn die Anleihenrenditen fallen. Steigen die Renditen, so wird das Kapital in Anleihen zurückrotiert. Dieser „ewige“ Kreislauf scheint erneut einem Wendepunkt entgegenzusteuern.

Die Versorger hatten einen guten Start ins neue Jahr. Anfang Februar machte der Index plötzlich kehrt. Innerhalb von nur sechs Handelstagen fiel der Index um 6,2 Prozent.

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Der obige Chart suggeriert den Beginn einer „Zinswende“. Möglicherweise ist das Wort „Zinswende“ übertrieben. Besser erscheint der Begriff „temporärer Zinsanstieg“. Die Rendite 10jähriger US-Anleihen stieg in den ersten Februar-Tagen von 1,65 auf 1,93 Prozent.

Der Vergleichschart mit Japan – 10 Jahre zeitversetzt – beschreibt die Situation.

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Danach sollte es in den kommenden Wochen zu einem – durchaus heftigen – Zinsanstieg kommen. Ein weiterer Grund dafür ist, dass der Zeitraum zwischen Ankündigungs- und Umsetzungstermin einer QE-Phase bisher stets eine Änderung der Renditerichtung von fallend auf steigend mit sich brachte.

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Würde das QE der EZB (Käufe erfolgen ab Anfang März) genauso wirken, müsste ein beginnender Renditeanstieg die Folge sein.

Der Spruch „Die Dividende ist der neue Zins“ hat sich als allgemeine Erkenntnis durchgesetzt. Hinterfragt wird nicht mehr. Das FAZ-Sonntags-Feuilleton vom 8.2.15 titelt halbironisch „Lass es Krachen! Wohin mit dem Geld? Raus damit!“. Im Finanzteil der gleichen Ausgabe textet der Autor: „Die Lust auf den Pump-Kapitalismus“. Die Vorteile der Niedrigzinsen im Bezug auf den Hauskauf werden vorgerechnet. Der Spiegel-Titel hat den Nullzins und die Euroschwäche zum Thema.

Die öffentliche Wahrnehmung in Deutschland dreht von „Die Wut der Sparer“ in „Das Glück der Kreditnehmer“. Mario Draghi scheint die letzte Bastion der Sparer in Euroland – nämlich Deutschland – geschliffen zu haben.

Ausgerechnet jetzt – oder vielleicht gerade deshalb – ziehen US-Renditen deutlich an. Dividendenstarke US-Aktien beginnen Schwäche zu zeigen.

Man mag meinen: Was in den USA geschieht, tangiert uns nicht. Aber: Die Rendite 10jähriger japanischer Staatsanleihen lief mit ihrem Tief vom 19. Januar (0,20 Prozent) zeitlich voraus. Inzwischen stieg sie auf 0,34 Prozent. Seit Ende Januar ziehen die Peripherie-Renditen leicht an, möglicherweise diesmal aus den „richtigen“ Gründen (Verbesserung des Wirtschaftswachstums, Höhepunkt der Deflation).

In Deutschland fällt die Aufwärtsbewegung der Renditen bisher wenig dramatisch aus. Man sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass die Richtung – wenn auch nicht die Intensität – zwischen deutschen und US-Renditen meist die gleiche ist (folgender Chart).

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Fazit: Der Zeitraum Januar/Februar 2015 hat eine gute Chance, als wichtiger Zinswendepunkt in die Historie einzugehen. Analog zu anderen QE-Phasen könnte eine scharfe Bewegung einen Anstieg von einem bis zwei Prozentpunkten (100 bis 200 Basispunkte) in den USA mit sich bringen. Davon sind 30 Basispunkte bereits „im Kasten“. Der Anstieg könnte zwischen sechs und neun Monaten andauern. Die Renditen deutscher Staatsanleihen sollten mitziehen, wenn auch nicht in diesem Ausmaß. Das japanische Muster suggeriert kein Ende der Niedrigzinsphase, sondern lediglich eine Unterbrechung.

Robert Rethfeld

Wellenreiter-Invest

P.S. Ein kostenloses 14tägiges Schnupperabonnement erhalten Sie unter www.wellenreiter-invest.de

About the Author:

Robert Rethfeld betreibt die Internetseite Wellenreiter-Invest. Kernprodukt ist ein handelstäglich erscheinender Börsenbrief. Auch ein kostenloses 14-tägiges Schnupperabonnement ist möglich. Die Aufmerksamkeit gilt Langfristentwicklungen, Zyklen und saisonalen Mustern sowie der Verschiebungen des smarten Geldes. Zusätzlich werden die Positionierungen der kommerziellen Händler und Großspekulanten analysiert („CoT-Daten“). Rethfeld ist TV-Interviewpartner und Mitglied der Vereinigung technischer Analysten (VTAD). Er lebt im Vordertaunus, wo er sich als Vorsitzender einer Freien Wählergemeinschaft kommunalpolitisch engagiert.

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