By 19. März 2015 Read More →

Aktien- und Index-Check vor und nach der Fed – neue Ausgangslage?

15 lange Jahre hat es gedauert, bis endlich auch der DAX-Kursindex das im Jahr 2000 erreichte Rekordhoch knackte – wenn auch nur kurz und mit 6266,76 äußerst knapp. Vor allem im Vergleich zum DAX-Performance-Index wird die Bedeutung der Dividende sichtbar. Der Preisindex legte seit März 2009 um 170 Prozent zu, beim großen Bruder steht ein Gewinn von 230 Prozent in den Büchern.

Die inneren Werte sind entscheidend Als Hauptgrund für die Rally bei den deutschen Aktien wird die massive Abwertung der Gemeinschaftswährung angeführt. Seit Sommer vergangenen Jahres wertete der Euro zum Dollar um rund 25 Prozent ab. Diese Entwicklung spielt natürlich der exportstarken deutschen Industrie in die Karten, die auf den Weltmärkten nun Wettbewerbsvorteile erzielt. Natürlich profitieren davon nicht nur die Blue Chips in der ersten Liga, sondern verstärkt auch die Papiere im MDAX. Viele Firmen aus dem Mid Cap-Bereich haben sich in den vergangenen Jahren als Weltmarktführer in bestimmten Bereichen etabliert. Die zuletzt zu beobachtete Outperformance des MDAX gegenüber dem DAX liegt zudem an der unterschiedlichen Indexzusammensetzung. Der DAX wurde in den vergangenen Jahren von Versorger- und Finanzwerten ausgebremst. Hingegen sind im MDAX recht viele Unternehmen aus dem Industrie- und Chemiebereich zu finden. Eine Sonderstellung nimmt zudem Airbus ein. Mit rund zwölf Prozent Gewichtung haben die Papiere einen sehr großen Einfluss auf die Performance des MDAX – die jüngste Rally beim Luft- und Rüstungskonzern beflügelte daher auch den Gesamtmarkt überdurchschnittlich stark. Wer den MDAX kauft, steigt daher auch bei Airbus ein. Seit zwei Tagen läuft die Korrektur, entsprechend stark ging es mit dem Index Richtung Süden.

Quelle: Captimizer

Quelle: Captimizer

Vergleicht man nur den DAX mit einigen europäischen Märkten, sind ebenfalls deutliche Unterschiede bei der Zusammensetzung zu erkennen, die wesentlich zur Outperformance beigetragen haben. Im Gegensatz zum CAC40, FTSE MIB oder Euro Stoxx 50 sind im DAX keine Energieaktien aus dem Öl- und Gassektor zu finden. Hingegen tummeln sich viele Unternehmen, die zyklische Konsumgüter anbieten, auch der Gesundheitsbereich ist überdurchschnittlich stark repräsentiert. Insgesamt können im DAX rund 55 Prozent der Werte dem zyklischen Sektor zugeordnet werden, verglichen mit 37 Prozent beim CAC 40 oder 32 Prozent beim Euro Stoxx 50.

Italien vor Herausforderungen

Unter den Top 10 tummeln sich mit dem portugiesischen PSI 20 sowie dem italienischen FTSE MIB zwei Vertreter aus der Euro-Peripherie. Beide Börsen waren im vergangenen Jahr in den unteren Regionen der Rangliste zu finden und scheinen bei Investoren offenbar mit Nachholpotenzial zu locken. Deutlich wird dies durch die wesentlich geringere Differenz zur 200-Tage-Linie. Während die deutschen und skandinavischen Börsen um 17 bis 22 Prozent über ihrer langfristigen Signallinie notieren, beträgt der Abstand beim FTSE MIB nur elf und beim PSI 20 sogar nur drei Prozent. Beide Märkte sind somit langfristig gesehen wesentlich weniger überhitzt als DAX & Co. Dennoch drängt sich auch hier kein Einstieg auf. Mit einer 20 Prozent-Rally beim FTSE MIB hat sich die technische Lage in Italien deutlich verbessert, von einem Befreiungsschlag kann aber noch keine Rede sein. Der Index ist nun in eine breite Widerstandszone gelaufen, die aus mehreren Umkehrpunkten seit Mitte 2009 abgeleitet werden kann. Dieser Bereich erstreckt sich von 22.500 bis 24.600 und dürfte den Aufwärtsimpuls vor eine ernste Bewährungsprobe stellen. Immerhin, der erste Teil einer erfolgreichen Bodenbildung wurde mit dem Sprung über die 18.000 bereits erreicht, nun müssen die Bullen aber nachlegen.

Wende beim Euro als Gefahr?

Die gestrige Fed-Entscheidung führte vor allem am Devisenmarkt zu größeren Bewegungen. Ausgangspunkt der Erholung bei den US-Aktien war die unglaubliche Aufwertung beim Euro, der zeitweise über die Marke von 1,0 Dollar sprang. Unter dem Strich legte die Gemeinschaftswährung um rund 2,2 Prozent zu, unseren Daten zufolge war dies der kräftigste Anstieg seit Sommer 2010 (unter dem Chart ist die prozentuale Tagesveränderung von EUR/USD dargestellt). Schaut man sich den Verlauf von damals an, finden sich auffällige Parallelen zur heutigen Ausgangslage. Vor rund fünf Jahren war der Euro ebenfalls überverkauft und testete die untere Begrenzung eines langfristigen Abwärtskanals.

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

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Sollte der Euro weiter aufwärts, steht die DAX-Rally vor einer ernsten Bewährungsprobe. Gerade in den vergangenen Wochen wurde der Höhenflug vor allem von Werten befeuert, die stark von der Euro-Abwertung profitieren. Daimler, VW, BMW, Bayer, Merck, Infineon und Deutsche Telekom wären passende Beispiele. Kippt nun der Trend auf der Währungsseite, drohen deutliche Gewinnmitnahmen. Im Gegenzug könnte das Kapital zurück an die Wall Street fließen und zu den bisher schwachen US-Indizes zu einer Aufholjagd verhelfen. Da der DAX sowohl fundamental als auch technisch eine Atempause dringen nötig hat, sollten Buchgewinne zumindest mit Absicherungen versehen werden.

Im Chart-Webinar vom Dienstag bin ich auf weitere interessante Details eingegangen. Um die Aufzeichnung anzusehen einfach auf das Bild klicken:

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About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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