Aixtron: Nur noch 24 Stunden

Trotz der jüngsten Konsolidierung können Anleger mit der Entwicklung von DAX & Co. seit Jahresbeginn noch sehr zufrieden sein. Alle großen Indizes liegen prozentual zweistellig im Plus, auch für die meisten Aktien ging es kräftig nach oben. Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel.

Im TecDAX büßten seit Januar vier Aktien ein, mit Morphosys, LPKF Laser sowie Aixtron weisen drei Werte sogar prozentual zweistellige Abschläge auf. Besonders bitter verlief das Jahr bisher für den Aachener LED-Hersteller mit minus 27 Prozent. Zeitweise gab es den Wert so günstig wie seit Mai 2009 nicht mehr. Auch die Kursreaktion auf die Ende April gemeldeten Zahlen fiel zunächst deutlich negativ aus. Erst wenige Tage später setzte eine Gegenbewegung ein, der Rücksetzer unter das bisherige Jahrestief um 6,30 Euro muss inzwischen als Fehlausbruch gewertet werden.

Sondereffekte berücksichtigen

Fundamental betrachtet ist die Bilanz als durchwachsen zu sehen. Zwar lag der Umsatz im ersten Quartal mit 40 Mio. Euro im Rahmen der Erwartungen. Enttäuschend waren aber die Erlöse von 14 Mio. Euro mit LED-Kunden, die nur durch eine Erholung der Non-LED-Umsätze ausgeglichen wurden. Wie viele andere deutsche Unternehmen profitierte auch Aixtron von der Euro-Schwäche und verbuchte Währungsgewinne. Rund 90 Prozent der Erlöse erzielen die Aachener mit asiatischen Kunden, vor allem aus China, Taiwan und Korea. Die Bruttomarge von 22 Prozent lag leicht unter dem Vorjahresniveau von 24,6 Prozent, hier stützten vor allem etwas niedrigere Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Der Auftragseingang übertrumpfte mit 48,9 Mio. Euro nur auf den ersten Blick die Erwartungen, denn die Angaben enthalten nun auch die Auftragseingangszahlen von „Service + Ersatzteile“. Aixtron bestätigte aber die Gesamtjahresprognose mit Erlösen von 220 bis 250 Mio. Euro. Größere positive oder negative Überraschungen gab es also nicht, entsprechend gemischt waren auch die Urteile der Analysten. Warburg Research hat die Papiere auf „Hold“ mit Kursziel 7,50 Euro, Lampe auf „Kaufen“ mit 12 Euro und Independet Research senkte das Ziel auf fünf Euro.

Vor diesem Hintergrund muss auch bezweifelt werden, dass mit der morgigen Hauptversammlung die seit mehreren Jahren erhoffte Trendwende eingeleitet wird. „Wir haben immer ein offenes Ohr für unsere Aktionäre“ steht auf der Seite von Aixtron, wo auch die Agenda zur Hauptversammlung zu finden ist. Gesprächsstoff gibt es reichlich, die Unsicherheit dürfte aber auch danach noch länger den Kurs belasten. Analyst Malte Schaumann von Warburg verweist unter anderem auf den Sanan-Vertrag. Sollte es hier schlechte Nachrichten geben, könnten auch andere chinesische Kunden auf einen Kauf von Aixtron-Tools verzichten, was sich spürbar negativ auf die Guidance auswirken würde. Entwickelt sich der Deal hingegen positiv, könnte dies auch in anderen Bereichen Kaufaktivitäten auslösen. Heute gab der Konzern bekannt, einen Auftrag über mehrere MOCVD-Anlagen des neuen Typs AIX R6 erhalten zu haben.

Keine Erleuchtung

Ähnlich wie die fundamentale Lage ist auch die Charttechnik einzuordnen. Auf Basis der Markttechnik liegt längerfristig ein überverkaufter Zustand vor, die negative Differenz von 20 Prozent zur 200-Tage-Linie sollte zunächst das Risiko auf der Unterseite begrenzen. Die jüngste Rückeroberung des 21-Tage-Durchschnitts ist leicht positiv, allerdings zeigen ähnliche Erfolge in den vergangenen Monaten, dass dies jeweils nicht nachhaltig war und daher kaum eine Rolle spielte. Positiv sind die Kursgewinne von 17 Prozent seit dem Jahrestief von Ende April einzuordnen, die Papiere sind in der Relative Stärke Rangliste nun im oberen Drittel zu finden. Dem steht hingegen die Entwicklung der Umsätze als negativer Faktor entgegen. Die Kurserholung seit dem Jahrestief wurde nur von einem rückläufigen Handelsvolumen begleitet. Eingestiegen sind also nur wenige Spekulanten mit geringen Einsätzen. Diese Gruppe dürfte sich auch schnell wieder zurückziehen, wenn der Aufwärtsschwung nachlassen sollte.

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Fazit: Die Aixtron-Aktie ist eine Glaubensfrage. Wer nach den Enttäuschungen in der Vergangenheit nun den Turnaround sieht, kann mit einer ersten Position einsteigen. Weder fundamental noch charttechnisch gibt es aber klare Signale, die nach oben oder unten weisen. Da der übergeordnete Trend unverändert abwärts zeigt, haben die Bären sogar die etwas höhere Wahrscheinlichkeit auf ihrer Seite. Erst ein Tagesschluss von mehr als 7,70 Euro könnte neue Fantasie auslösen und die Grundlage schaffen für einen Retest der alten Unterstützung um 8,50 Euro.

Es gibt aber durchaus Aktien, die aktuell mit klareren Bewegungen ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis bieten. „Apple, Daimler, Bayer, Tesla, Nordex & Co. – die beliebtesten Aktien im Chart-Check“ lautet der Titel des heutigen Chart-Webinars. Anmelden können Sie sich gerne hier, unsere weiteren Termine für diese Woche gibt’s hier in der Übersicht.

Posted in: Aktien, Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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