By 21. Februar 2013 Read More →

Soll man den Märkten nachlaufen?

Das neue Kursziel der Point & Figure-Projektionstechnik deutet auf ein DAX-Niveau deutlich oberhalb von 9000 Punkten. Aber Achtung, die Märkte sind keine Einbahnstraße. Auch der Minensektor und Goldpreis stehen vor wichtigen Entscheidungen.

 

Liebe Leserinnen und Leser,

„leider“ will sich die launische Börse nach wie vor weder an die Theorie noch an mein hier in den vergangenen Wochen skiziertes Drehbuch einer wahrscheinlichen Korrektur halten.

Die wichtigsten Indizes bleiben entsprechend überkauft und auch kleinere Kursrückschläge werden sofort dankbar „aufgekauft“. Dies ist ganz typisch für einen starken Hausse-Impuls und sollte von Ihnen beachtet werden. Denn schließlich handeln erfolgreiche Anleger was sie sehen, also den Chartverlauf, und nicht was sie denken und glauben, oder gar von den Medien vorgekaut bekommen. Bleiben Sie also gedanklich flexibel – und behalten Sie IMMER die aktuell zyklische Überhitzung der Indizes und deren potentielle Fallhöhe im Hinterkopf.

In dieser Woche sorgte der sehr freundliche europäische Konjunkturindex des ZEW Instituts, der dem DAX auf die Sprünge half. Aber Achtung, hier werden sogenannte „Finanzexperten“ befragt und die sind natürlich sehr zyklisch. Daher ist der ZEW Index auch kein guter Börsen-indikator – es sei denn, Sie betrachten ihn als Kontra-Indikator.

 

…oder doch lieber die Füße stillhalten?

Zuletzt wurde ich häufig von Bekannten, Freunden, Kunden und Lesern gefragt, ob man noch frisches Kapital an die Börse bringen dürfe – oder nicht doch lieber auf die IRGENDWANN fällige Korrektur warten solle. Dies ist ohne Zweifel eine interessante Frage – aber ohne Glaskugel leider nicht so einfach zu beantworten.

In den vergangenen drei Wochen habe ich Sie ja hier bereits darauf hingewiesen, dass die Märkte, an den kurzfristigen Indikatoren des inneren Marktes gemessen, zyklisch und systematisch sehr stark überkauft sind. Viel haben Sie auch in diesem Zeitraum nicht verpasst – wenigstens bis gestern. Aber damit ist die Frage natürlich nicht beantwortet, ob man JETZT einsteigen sollte oder eher nicht. Mangels einer geeigneten Glaskugel will ich Sie heute auf einige Charts aufmerksam machen, die Ihnen verdeutlichen, ob und wann die Märkte sich wieder stärker als heute auf die Risiken konzentrieren werden.

 

Wo liegen die Risiken?

Regelmäßig beschreibe ich hier einige der objektiven Indikatoren des inneren Marktes. z.B. den wichtigen 50-Tage Indikator. Oder den Bullish Percent Indikator, der die Anzahl von Aktien an der NYSE zählt, die auf einem Kaufsignal der P & F Technik handeln. Oder die Zahl von Aktien an der New Yorker Börse, die das Kunststück vollbringen und ein neues Allzeit- Hoch erklimmen. Dies sind alles sehr wichtige und systematische Puzzle-Stücke im großen Gesamtbild der Märkte, die Ihnen zeigen, mit welchem Risiko Sie aktuell investiert sind. Leider sind diese Indikatoren aber nicht besonders gut zum „Timing“ geeignet.

Daher bietet sich speziell in der aktuell überkauften Verfassung der meisten Indizes ein Blick auf den Dollar-Index an, den ich hier auch schon einige Male besprochen habe, und der den Wechselkurs des US-Dollar gegenüber den wichtigsten Währungen der Welt abbildet. Ganz nebenbei nämlich ist der Dollar-Index ein zuverlässiger Risikoindikator und spiegelt das Risiko- Empfinden der internationalen Investoren bzw. deren Appetit auf Aktien wider.

 

Praktische Bedeutung des Dollar Index

Dahinter verbirgt sich der folgende Gedanke: der Dollar-Index ist umgekehrt mit wichtigen Börsen korreliert. Tendieren Aktien freundlich, konzentrieren sich die Anleger eher auf die Chancen als auf die Risiken. Folglich fließt Kapital (vor allem Dollars) aus dem „sicheren Hafen USA“ heraus in eher riskante Wirtschaftsräume. Der US-Dollar gerät also gegenüber vielen anderen Währungen unter Druck, was nebenbei auch noch die amerikanischen Exporte fördert. Umgekehrt verhält es sich aber bei fallenden Aktienkursen. Dann steigt das Risiko-Empfinden plötzlich an und viel Kapital strömt zurück in die USA und den Dollar. Folglich befestigt sich der Dollar Index wieder.

 

Quelle: stockcharts.com

Gut erkennen Sie an der rechten 0-Spalte die Abwertungstendenz des Dollar seit dem vergangenen August als der Index wiederum an der fallenden Begrenzungslinie abprallte. Recht gut wurde hier die freundliche Phase für Aktien signalisiert – aber erstaunlich wenig Federn ließ der Dollar in den vergangenen Wochen mit dem medialen Getöse um den globalen Währungskrieg.

Seit etwa drei Wochen haben sich die wichtigsten Börsen kaum nach oben geschoben. Prompt stabilisierte sich der Index bei 79 und notiert heute bei etwa 80. Das Risiko-Empfinden der Anleger hat sich also in den vergangenen Tagen wieder leicht erhöht.

Obwohl der Dollar Index kein exakter Timing-Indikator sondern eher ein mittelfristiger Wegweiser ist, würde ich ihn in den kommenden Tagen gut im Auge behalten und beobachten, ob er in eine X-Spalte wechseln kann. Falls ja, rücken neue Hochs an den Aktienmärkten in die Ferne und ich würde eine defensive Gangart an den Märkten empfehle und weiterhin enge Stopps setzen.

 

DAX straft die Skeptiker

Sehr gut zeigt der schnörkellose P & P Chart das systematische Übergewicht der Käufer. Noch nicht einmal die Zone der wichtigen Unterstützung bei 7.450 Punkten wurde ernsthaft getestet und bereits bei 7.550 wurde der Spaltenwechsel in eine positive X-Spalte vollzogen. Dabei wurde eine positive charttechnische Formation in Form eines Dreiecks in steigender Trendrichtung angedeutet. Positiv (aber hier nicht zu erkennen) ist die Rückeroberung der steigenden 50-Tage-Linie. Der Trend ist also eindeutig intakt und die Anziehungskraft der runden Zahl 8.000 und des Hochs bei 8.100 wird immer größer.

 

Bitte beachten Sie auch das neue Kursziel der Projektionstechnik. Seit einigen Tagen liegt diese sehr zuverlässige Latte bei 9.600 Punkten. Aber Achtung, dies ist keine Einbahnstraße. Auf dem Weg zu diesem möglichen Ziel wird die launische Börse noch viele Stricke für uns auslegen und einige Umwege einschlagen.

 

Goldpreis verneint „Währungskrieg“

Viel wird aktuell über den Goldpreis geschrieben und diskutiert. Tatsache ist, dass die überschäumende Stimmung der Käufer stark in Richtung pessimistische Übertreibung kippt. Für den Preisrutsch des Edelmetalls mag es viele Gründe geben, die von abnehmender Krisenangst bis zu Marktmanipulation reichen. Obwohl ich kein ideologisch gefärbter Goldfanatiker bin, wundert mich der Zeitpunkt des Preisverfalles dennoch.

 

 

Zum einen sollte der Wettkampf der Notenbanken um die schwächste Währung einen großen Profiteur kennen: Gold. Auf der anderen Seite kaufen dieselben Zentralbanken nicht nur netto tonnenweise Gold, sondern sie drucken alleine in diesem Jahr wieder Zig-Milliarden und „investieren“ dadurch in marode Staatshaushalte.

Aber es gilt: handeln was man sieht – und nicht was man denkt. Die steigende Unterstützungsgerade wurde verletzt und jüngst tauchte der Goldpreis unter die wichtigen Unterstützungen bei 1.630 USD. Damit ist der Weg frei zum Projektionsziel bei 1.560. Spätestens hier finde ich Long- Positionen sehr interessant.

 

Minensektor auf wichtigem Unterstützungsniveau

Da sich viele Leser für die aktuell arg gebeutelten Minenwerte interessieren, hier noch rasch ein Blick auf den Goldsektor, bzw. den Minenindex der Börse Philadelphia. Die Kurserholung der vergangenen Monate lief spurlos an den Minenwerten vorbei. Bereits knapp vor dem Test wichtiger Widerstände bei etwa 200 im vergangenen Herbst ging der Sektor in die Knie.

Sicherlich wurde hier bereits die Schwäche des Goldpreises angekündigt, denn in der Regel fallen zuerst die Goldaktien und dann der Spotpreis des Edelmetalls.

Die Goldfans sollten nun sehr gut auf die wichtige Unterstützung des Index bei etwa 140 achten. Sollte diese unterschritten werden, bleibt es nicht nur für die Aktionäre der Minen ungemütlich. Dann würde es wahrscheinlich noch eine Weile dauern, bis sich der Goldpreis wieder erholt. Wegen der starken Überverkauftheit des Sektors favorisiere ich einen positiven Test der Unterstützung und eine Erholung der Minen. Aber warten wir es ab – greifen Sie der Entwicklung nicht vorweg.

 

Falls Sie sich für einen fairen Depotcheck oder die sinnvolle Kombination von verschiedenen Strategien interessieren, wenden Sie sich an mich.

Mit herzlichen Grüßen aus Bonn,

Ihr Klaus Buhl

 

 

 

Klaus Buhl ist seit über 15 Jahren als Portfoliomanager und Analyst tätig und betreibt u.a. das Portal www.libra-invest.de. Dort erhalten Sie praktische Hinweise über die sinnvolle Kombination von marktneutralen bzw. vermögensverwaltenden Strategien in Abhängigkeit vom jeweiligen Börsenzyklus. Ein kostenloser Newsletter informiert regelmäßig über neue Entwicklungen. „Ich verspreche Ihnen keinen schnellen Reichtum, aber konstante Performance und regelmäßige Erträge in jeder Marktphase. Aber vor allem: Keine Verluste mehr!”

Posted in: Gastbeiträge

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Klaus Buhl ist seit über 15 Jahren als Portfoliomanager und Analyst tätig und betreibt u.a. das Portal www.libra-invest.de. Dort erhalten Sie praktische Hinweise über die sinnvolle Kombination von marktneutralen bzw. vermögensverwaltenden Strategien in Abhängigkeit vom jeweiligen Börsenzyklus. Ein kostenloser Newsletter informiert regelmäßig über neue Entwicklungen. „Ich verspreche Ihnen keinen schnellen Reichtum, aber konstante Performance und regelmäßige Erträge in jeder Marktphase. Aber vor allem: Keine Verluste mehr!”

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