By 7. März 2016 Read More →

Kurzfristig heiß, langfristig kerngesund

Wieder einmal müssen wir erkennen, dass wir Börsianer entweder Psychopathen oder wenigstens sehr launische Typen sind. Und wie stark der Einfluss der Geldpolitik der Notenbanken derzeit auf die Indizes ist.

Wenn man einmal ganz ehrlich ist: wer von uns hätte am Montag, als wir in der Nähe der wichtigen Unterstützung bei 9.300 Punkten handelten gedacht, dass wir am Freitag bei etwa 9.800 notieren werden?

Wie bereits in früheren Jahren haben Vertreter der europäischen Notenbank EZB die Stimmung der Anleger ordentlich angeheizt und die Hoffnung auf weitere geldpolitische Lockerungen erhöht. Da muss man sich als vorsichtiger Investor natürlich fragen, wie viel Luft im DAX noch nach oben ist. Oder umgekehrt, wie groß das Enttäuschungspotential ist, falls die EZB nicht „liefert“. Dann wäre ein schneller Kursrückgang sehr wahrscheinlich.

Obwohl es in den vergangenen Tagen keine Indizien für eine Verbesserung der konjunkturellen Aussichten gab, arbeiten die globalen Indizes weiterhin sehr erfolgreich an der Vollendung ihrer jeweiligen Bodenbildungen. Dies alleine sollte einen erfahrenen Anleger natürlich nicht in Staunen versetzen, da die Kurse bekanntlich der Konjunktur um einige Monate vorauseilen. Dementsprechend ist es möglich, dass sich die globale Konjunktur bereits im Sommer wieder erholt und der jüngste Kurseinbruch eine maßlose Übertreibung war. Wirklich erstaunlich finde ich aber, dass einige mir bekannte Vermögensverwalter und Fondsmanager, die Anfang Januar noch sehr zuversichtlich waren, genau jetzt, wo die Kurse nach oben schiessen, ihre Aktienbestände extrem weit reduzieren und sich vollkommen sicher sind, dass wir in eine erneute Finanzkrise schlittern.

Genau dies halte ich für recht unwahrscheinlich, da heute der Bankensektor zwar unter Verlusten und Ausfällen im Kreditgeschäft leidet, diese aber keinesfalls vergleichbar mit der Kernschmelze nach dem Platzen der Blase am US- Immobilienmarkt sind. Daher tendiere ich eher zu der Meinung, dass wir heute eine interessante Investitionsgelegenheit in den meisten Sektoren erleben – auch wenn die Indizes vielleicht noch einmal ihre jüngsten Tiefs testen sollten.

Der innere Markt ist kurzfristig überhitzt…

hier sehen Sie die von mir eng verfolgte Relation der an der New Yorker Börse NYSE gehandelten Aktien, die oberhalb der wichtigen 50- Tage- Linie handeln und somit mindestens kurz bis mittelfristig von der Nachfrage gelenkt werden. Auf einen Blick können Sie erkennen, dass die starke Rallye der vergangenen Tage diesen kurzfristigen Risikoindikator von der unteren in die obere extreme Zone getrieben hat.

Anfang Februar war der gesamte Markt noch extrem stark überverkauft und der kurzfristige Risikoindikator notierte beim nur selten erreichten Stand von etwa zehn Prozent. Dies bedeutet umgekehrt, dass 90 % der Aktien unter ihrer 50 –Tage- Linie notierten. Eine kurzfristige Wende zum Positiven war damals nur noch eine Frage der Zeit, obwohl die Medien und die Stimmung der Investoren genau das Gegenteil signalisierten.

Heute verhält es sich hingegen ganz anders, fast 80 % der Titel notieren wieder oberhalb der wichtigen 50-Tage-Linie und der Markt ist keineswegs mehr überverkauft. In diesem Bereich sind sehr dynamische Kurssteigerungen unwahrscheinlich und insofern sollten wir eher davon ausgehen, dass die Kurse eine Weile seitwärts tendieren. Oder sogar auf Sicht der nächsten Tage für Gewinnmitnahmen anfällig sind. Eine Konsolidierung wäre keine Überraschung und sogar begrüßenswert.

…Langfristig aber kerngesund

Deswegen verschlechtert sich aber noch längst nicht die übergeordnete Perspektive, diese bleibt bis auf weiteres sehr positiv im Sinne des inneren Marktes. Um dies zu verdeutlichen, zeige ich Ihnen einen längerfristigen Indikator. Hier sehen Sie die Relation der an der NYSE gehandelten Aktien, die oberhalb der übergeordnet wichtigen 200- Tage Linie handeln.

Wie Ihnen die Grafik zeigt, ist der US- Aktienmarkt aus der längerfristigen Perspektive noch längst nicht überhitzt. Ganz im Gegenteil vergrößert sich die Marktbreite kontinuierlich, bisher aber handeln erst knapp 40 % der notierten Aktien oberhalb der wichtigen 200- Tage- Linie. Ende Januar und im August des vergangenen Jahres markierte dieser Indikator ein Tief bei etwa 15 %, also weit in der überverkauften Zone, die unterhalb von 30 % beginnt. Ähnlich wie der 50-Tage-Indikator strebt auch dieser Risikoindikator regelmäßig danach, die extremen Ausprägungen möglichst schnell wieder zu verlassen. Da in den vergangenen Tagen wichtige gleitende Durchschnitte von unten nach oben überschnitten worden sind, gehe ich davon aus, dass wir in den kommenden Wochen die Region von etwa 65 % anlaufen werden. Der breite Aktienmarkt hat demnach noch Aufwärtspotenzial vor sich, was mit Sicherheit auch den europäischen Indizes und unserem DAX gut bekommen wird.

DAX wird weiterhin von der Nachfrage gelenkt

In diesem Kontext „passt“ auch der Chartverlauf des DAX. Seit der Rückeroberung der wichtigen Region von 9.300 Punkten notiert der Index in einem steilen Aufwärtstrendkanal. Die wichtige noch fallende 50- Tage- Linie hat er kürzlich zurückerobert.

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Dies wird viele Investoren ermutigen, die sich grundsätzlich nicht gegen den mittelfristigen Trendverlauf stellen. Auf der anderen Seite aber handelt der DAX nach wie vor noch ein Stück unterhalb der ebenfalls fallenden 200- Tage- Linie. Diese verläuft heute bei etwa 10.500 Punkten, fällt aber wie gesagt dem DAX entgegen. Spätestens zwischen der Region von 10.200 und dem Bereich der fallenden 200- Tage- Linie erwarte ich demnächst heftigen Widerstand. Allerdings bin ich recht zuversichtlich, dass der DAX die angesprochene Zielmarke von 10.200 erreichen wird.

Dann übrigens wird erst die wichtige Entscheidung fallen, ob wir derzeit nur ein Strohfeuer erleben, oder ob mehr dahinter steckt.

In meinem Premiumbrief jedenfalls habe ich in der jüngeren Vergangenheit Positionen aufgebaut und erst gestern einen sehr aussichtsreichen US- Energiewert empfohlen. Denn meiner Meinung nach deutet sich in den Sektoren Edelmetalle, Rohstoffe und Öl eine der größten Überraschungen des Jahres an. Insgesamt werde ich aber auch weiterhin in erster Linie nach relativ starken Titeln fahnden, denn meist folgt an der Börse der Preis einer Aktie der Qualität einer Firma.

Nun wünsche ich Ihnen viel Erfolg

Mit herzlichen Grüßen aus dem Rheinland,

Ihr Klaus Buhl

Posted in: Gastbeiträge

About the Author:

Klaus Buhl ist seit über 15 Jahren als Portfoliomanager und Analyst tätig und betreibt u.a. das Portal www.libra-invest.de. Dort erhalten Sie praktische Hinweise über die sinnvolle Kombination von marktneutralen bzw. vermögensverwaltenden Strategien in Abhängigkeit vom jeweiligen Börsenzyklus. Ein kostenloser Newsletter informiert regelmäßig über neue Entwicklungen. „Ich verspreche Ihnen keinen schnellen Reichtum, aber konstante Performance und regelmäßige Erträge in jeder Marktphase. Aber vor allem: Keine Verluste mehr!”

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