By 7. April 2015 Read More →

Wall Street mit Schönheitsfehler

Obwohl die Dividendenwerte derzeit weltweit ausatmen, sind charttechnisch betrachtet noch keine größeren „Flurschäden“ zu beobachten. Der innere Markt deutet nach wie vor auf das Lager der Bullen und die großen Anleger lenken nach Rückschlägen Kapital in den Markt. Auch der DAX bleibt übergeordnet positiv.

Liebe Leserinnen und Leser,

an den Märkten verringerten sich die Handelsumsätze in den vergangenen Tagen kontinuierlich und die Kurse traten in Europa bestenfalls auf der Stelle. In den USA hingegen bröckeln die Indizes seit Tagen sogar leicht ab und notieren per Jahresbeginn in der Verlustzone. Größer könnte der Kontrast zwischen den europäischen Indizes, die seit Jahresbeginn etwa 20 % im Gewinn liegen, und den amerikanischen kaum sein. Obwohl die US-Indizes dafür umgekehrt im vergangenen Jahr deutlich die Nase vorne hatten, ist dies eine sehr ungewöhnliche Entwicklung und ich gehe nicht davon aus, dass die Schere sehr lange so weit geöffnet bleibt.

Die leichte Kursschwäche in den USA ist am Ende des Quartals etwas ungewöhnlich angesichts der Neigung einiger Marktteilnehmer zum „Window-Dressing“. Wahrscheinlich verbirgt sich dahinter auch ein wenig Respekt vor der nach Ostern anlaufenden Berichtssaison. Immerhin haben quer über die Sektoren bereits Firmen vor sinkenden Umsätzen und Margen gewarnt und wurden dafür abgestraft. Dies könnte für die Bullen sogar ein positives Zeichen sein. Denn immerhin kann man davon ausgehen, dass die Analysten ihre Schätzungen für einige Branchen nach unten korrigiert haben und die „Katze hier nun aus dem Sack ist“. Das Potential für negative Überraschungen hat sich reduziert, während es auf der anderen Seite vielen Firmen leichter fallen wird, die (reduzierten) Schätzungen zu überflügeln.

Dynamik auf dem Rückzug

Hier sehen Sie den wahrscheinlich meistbeachteten Aktienindex der Welt, den S & P 500. Dieser hat das neue Quartal mit einem klassischen Fehlstart begonnen und ist in der vergangenen Woche kurzzeitig unter die wichtige 50-Tage-Linie gerutscht. Dies alleine mag noch kein Verkaufssignal sein – aber ein wichtiger Hinweis, dass die Intensität des Trends deutlich nachlässt. Kein Wunder, dass viele institutionelle Investoren niemals entgegen dieser Durchschnittslinie handeln.

Obwohl die 500 größten und schwersten Aktien des US-Marktes (diese sind hier abgebildet) seit Ende des vergangenen Jahres seitwärts tendieren, und sogar ein Doppeltop droht, ist es für Panik-Attacken noch viel zu früh. Denn positiv im Sinne der Bullen ist die deutlich steigende sehr wichtige 200-Tage- Linie und die Tatsache, dass die 50-Tage-Linie noch leicht ansteigt – obwohl der Kurs gestern unter diese Signallinie gefallen ist.  Sollte das Zwischentief bei etwa 2045 Punkten unterboten werden, sollten Sie mit einem Test der aufsteigenden 200-Tage-Linie rechnen, die heute bei etwa 2015 Punkten verläuft.

Fazit: Betrachtet man diesen wichtigen Chart isoliert für sich, sollte man sich mit neuen Engagements in den USA zurückhalten und seine Positionen absichern. Richtig ungemütlich wird es aber erst unterhalb der 200-Tage-Linie und unter der runden Marke von 2.000 Punkten. Dann würde sogar wieder das Tief aus dem vergangenen Oktober auf dem Radar der Bären erscheinen.

Der innere Markt bleibt positiv

Bekanntlich zeigen an der Börse nur selten alle Wegweiser in die gleiche Richtung – und wenn doch, wäre dies ein verdächtiges Ereignis, welches wiederum argwöhnisch als „Kontraindikator“ einzustufen wäre.

Insofern ist es heute schon fast beruhigend, wenn der wichtige „Innere Markt“, der den äußeren Märkten meist vorausläuft, noch weit von einer Überhitzung entfernt ist.

Abgebildet sehen Sie hier den Prozentsatz der im S & P 500 Index enthaltenen Aktien, die oberhalb ihrer wichtigen 200- Tage- Linie handeln. Wie Sie sehen, befindet sich der Indikator nach wie vor in einer positiven X-Achse. Die Relation der gehandelten Titel, die ihre wichtigste Unterstützung zurückerobern können, vergrößert sich also systematisch. Dies werte ich als positives Zeichen und als Beleg dafür, dass auch an der wichtigsten Börse der Welt Kursrückschläge zum Einstieg genutzt werden und das Interesse der großen Anleger vorhanden bleibt.

Bitte beachten Sie auch, dass der Indikator, der Ihnen einen wichtigen Blick auf die Verfassung des Marktes aus einer ganz anderen Perspektive gibt und in der Regel den äußeren Indizes vorausläuft, sich kontinuierlich vom Tief des vergangenen Oktober erholt. Es fließt also systematisch Kapital in Aktien und die Marktbreite verbessert sich. Dies erkennen Sie auch an der aufsteigenden Unterstützungsgeraden.

Aber ein Kritikpunkt muss erläutert werden. Seit dem Hoch des Indikators und des S & P 500 im vergangenen Sommer hat sich die Marktbeteiligung verschlechtert. Weniger der großen US-Aktien notieren oberhalb der wichtigen 200-Tage-Linie, was sicherlich mit der Schwäche der Öl- und Rohstoffwerte zu tun hat – sich im Falle einer üblichen Rotation der Sektoren aber auch wieder ändern kann.

Entsprechend diesem Indikator bleiben die Bullen eindeutig am Ball und es gibt keinen Grund, überhastet gut gelaufene Positionen aufzulösen.

DAX atmet nur leicht aus

Der gelassene P & F Chart zeigt Ihnen gut die aktuelle Konsolidierung im DAX, die aber bisher sehr harmlos verläuft und eher an ein Ausatmen erinnert. Positiv im Sinne der Bullen ist vor allem, dass die positive Unterstützungsgerade eindeutig intakt ist und in den vergangenen Tagen noch nicht einmal ein kurzfristiges Verkaufssignal ausgelöst wurde. Etwas bedenklich ist aber die große Entfernung des aktuellen Kurses von dieser Gerade, die auf eine gewisse Überhitzung  deutet. Denn man muss wissen, dass die Kurse die Eigenschaft haben, immer wieder und von Zeit zu Zeit diese Gerade zu testen.

Wichtig wäre es nun für die Bullen, die Region von 11.650 zu verteidigen, hier würde nämlich ein Verkaufssignal ausgelöst. Dies alleine wäre noch nicht gravierend, da sich das Verkaufssignal oberhalb der positiven Unterstützungsgeraden ereignen würde. Eine weitere gute Unterstützung erkennt man bei 11.450 Punkten. Wahrscheinlich liegen auch hier einige Stopp-Kurse.

Fazit: bisher erleben wir ein gesundes Ausatmen der Kurse. Aber natürlich schadet es nicht, im Zusammenhang mit der anlaufenden Berichtssaison die eigenen Stoppkurse zu beachten.

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Ihr Klaus Buhl

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Posted in: Gastbeiträge

About the Author:

Klaus Buhl ist seit über 15 Jahren als Portfoliomanager und Analyst tätig und betreibt u.a. das Portal www.libra-invest.de. Dort erhalten Sie praktische Hinweise über die sinnvolle Kombination von marktneutralen bzw. vermögensverwaltenden Strategien in Abhängigkeit vom jeweiligen Börsenzyklus. Ein kostenloser Newsletter informiert regelmäßig über neue Entwicklungen. „Ich verspreche Ihnen keinen schnellen Reichtum, aber konstante Performance und regelmäßige Erträge in jeder Marktphase. Aber vor allem: Keine Verluste mehr!”

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