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Zwei Vorlaufindikatoren, ein Signal

Themen des Tages:  Analyse des inneren US-Marktes +++ Rekorde, Rekorde…  +++ Krisen ohne Ende

 

Als guter Indikator für die Risikoneigung der US-Investoren gilt die Performance der amerikanischen Nebenwerte im Russell 2000. Der Kursverlauf des Small Cap-Index ist im Chart im oberen Bereich als rote Linie dargestellt, während die blaue Linie für die Schwergewichte des Russell 1000 steht. Grundsätzlich neigen Anleger nur dann in Nebenwerte verstärkt zu investieren, wenn die Aussichten für die Konjunktur und die Aktienmärkte freundlich eingeschätzt werden. Denn Nebenwerte weisen wegen ihrer meist nicht ganz so breiten Aufstellung aber auch der vergleichsweise geringeren Liquidität ein höheres Risiko auf.

 

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

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Nachdem der Russell 2000 im Frühjahr mehrfach scheiterte, über die psychologisch wichtige 1000er-Marke zu klettern, erfolgte vor wenigen Tagen der Ausbruch auf ein neues Rekordhoch. Grundsätzlich ein gutes Zeichen für eine intakte US-Wirtschaft, zumal die Blue Chips erst knapp vor ihrem Jahreshoch stehen. Die Nebenwerte fallen bereits seit einigen Wochen mit einer Outperformance gegenüber den Schwergewichten auf. Auch hier lohnt sich ein Blick auf den Chart, genauer gesagt das Ratio von Russell 2000 zu Russell 1000, dargestellt durch die blaue Linie in der Mitte. Entwickeln sich die Nebenwerte besser, steigt die Linie (mehr Risiko), fällt der Quotient, halten sich die Blue Chips besser. Nach einer kleinen Schwächephase Ende März zeigen die Small Caps seit Anfang April eine klare Outperformance. Der Stimmungsindikator liegt aktuell im oberen Bereich der Range und deutet fast schon auf zu viel Sorglosigkeit. Aber noch eine zweite Schlussfolgerung kann aus der relativen Stärke der US-Nebenwerte abgeleitet werden. Im Vergleich zu den Weltkonzernen im Russell 1000 erzielen die eher kleineren Unternehmen des Russell 2000 den Löwenanteil ihrer Erlöse auf dem Heimatmarkt. Greifen nun Investoren verstärkt bei den Small Caps zu, kann dies ein Signal dafür sein, dass die Strategen die Aussichten für die US-Wirtschaft etwas besser einschätzen als die konjunkturelle Lage auf den Exportmärkten.

Ähnliche und damit bullische Signale sendet auch das Verhältnis der zyklischen zu den nicht-zyklischen Konsumwerten. Auch hier ist die Argumentation ähnlich: Schätzen Investoren die weite Entwicklung positiv ein, sollten Aktien von Unternehmen, deren Erlöse im hohen Maße von der Wirtschaftsentwicklung abhängig sind (Maschinenbau, Auto, Airlines) besser laufen als nicht-Zykliker bzw. defensive Werte (Nahrungsmittelhersteller).

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

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Zum Chart: Die grüne Linie dürfte Ihnen bekannt vorkommen, es handelt sich um den S&P 500 seit Anfang 2010. Blau abgetragen ist das Ratio aus Zyklischen US-Werten im Vergleich zu den defensiven Vertretern. Die Korrelation ist nicht zu übersehen: Steigt das Ratio, legt auch der breite Aktienmarkt zu. Im Jahr 2012 zeigten die Zykliker eine nicht ganz so dominante Outperformance, dennoch weist die Entwicklung klar aufwärts. Seit Ende Juni kommt richtig Dynamik auf: Das Ratio legte kräftig zu und steht nun ebenfalls deutlich über den Hochs der vergangenen Jahre. Anders formuliert: Das Ratio bestätigte erneut seine gute Vorlauffunktion und deutete bereits frühzeitig auf das Ende der Korrektur am breiten Aktienmarkt.

 

 

Zum heutigen Handelstag

‚Eine sehr expansive Geldpolitik für absehbare Zeit ist das, was die US-Wirtschaft braucht‘, hatte Bernanke am Mittwoch gesagt. Nachdem bereits die europäischen Aktienmärkte haussierten, ging es auch an der Wall Street deutlich aufwärts. Der Dow Jones rückte um 1,1 Prozent vor, für den S&P 500 ging es um 1,4 Prozent aufwärts. Beide Indizes schlossen damit auf Rekordhoch. Auch die Marktbreite überzeugt: Rund 3100 Papiere an der Wall Street legten zu, dem standen nur 817 Verlierer gegenüber. Das Verhältnis der Aktien, die über ihrem kurzfristigen 20-Tages-Durchschnitt notieren, legte gegenüber dem Vortag noch einmal deutlich von 78 auf 85 Prozent zu. Hier besteht kurzfristig bereits die Gefahr eine Überhitzung, denn das Barometer steht auf dem höchsten Niveau seit Anfang Januar. Konjunkturdaten scheinen hingegen die Akteure nicht mehr zu interessieren. Völlig berauscht von der Aussicht auf weiterhin billiges Zentralbankgeld wurde der deutliche Preisrückgang bei den importierten Gütern (Gefahr einer importierten Deflation) mit Gleichgültigkeit quittiert.

Vielleicht beschäftigen sich die Anleger aber heute zumindest mit frischen Unternehmenszahlen. Denn mit den Bilanzen der beiden Finanzriesen JP Morgan Chase und Wells Fargo stehen zwei Höhepunkte der gerade erst gestarteten US-Berichtssaison auf der Agenda.

In Europa bleibt hingegen weiterhin die Schuldenkrise der Mittelmeerstaaten im Blickpunkt. Kanzlerin Merkel schließt einen Schuldenschnitt für Griechenland nach wie vor kategorisch aus. Zumindest bis zur Bundestagswahl, würde ich sagen. Portugal sieht sich ebenfalls mit den Vorgaben der Troika überfordert und drängt auf eine Verschiebung der Überprüfungen. Lissabon wünscht sich die nächste Inspektion erst Ende August oder Anfang September und nicht wie bisher geplant bereits am 15. Juli. Die EZB wird sich freuen, denn langsam dämmert wohl auch den Notenbankern, dass die Euro-Zone mit zu wenig handlungsfähigen Institutionen ausgestattet ist. EZB-Chefvolkswirt Peter Praet warnte im Handelsblatt sogar bereits vor einer „möglichen Überlastung“ der Zentralbank.

 

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und viel Erfolg mit Ihren Positionen.

 

 


Zur Verfügung gestellt von: Forexpros dem Aktien Portal

 

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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