By 17. Februar 2013 Read More →

Zinswende ante portas

 

Trotz in den Markt geschossener Billionen an frischem Geld meldet sich nun die Rezession zurück. Damit aber schwindet das Vertrauen in die Niedrigzinspolitik der Notenbanken. Und wie es aussieht,wartet damit die größte Chance des Jahres genau dort, wo sie fast niemand vermutet: An den völlig überhitzten Rentenmärkten!

Es erinnert an das berühmte Pfeifen im Walde: Während sowohl die politischen Statements zur Verfassung der Wirtschaft und zur Schuldenkrise als auch die Kommentare der Börsenexperten immer optimistischer werden, brennt die Realwirtschaft ein Feuerwerk mieser neuer Zahlen ab:

Ganz anders als von den „Experten“ erwartet, musste die Wirtschaft im Euroraum nach Berechnungen der Luxemburger Statistikbehörde EuroStat im vergangenen Quartal den stärksten Einbruch seit vier Jahren hinnehmen, in Griechenland stieg die Arbeitslosenquote auf 27 Prozent, in Portugal, dem EU und Bundesregierung zuletzt die erfolgreiche Wende attestiert hatten, schrumpfte die Wirtschaft 2012 genau doppelt so stark wie 2011, die Hans Böckler-Stiftung berechnete, das die Löhne in Deutschland real seit 2000 gesunken sind, und US-Präsident Obama stellte genau das in seiner fünften Rede zum „State of the Union“ auch für die USA fest.

Dass die Strategen in Brüssel oder auch Washington irgendwann einmal verstehen werden, dass ihr Ansatz, die „Wettbewerbsfähigkeit“ zu steigern, die Staatshaushalte via Sozialkosten und/oder Rettungsschirme bis zur Zerreißprobe belastet und ihre Fähigkeit zur Bedienung alter Schulden geradezu ausbremst, ist nach allem, was wir bisher gesehen haben, leider nicht realistisch, solange irgendwelche sgn. Fachleute den Zustand der Wirtschaft eher am Stand eines Aktienindex statt an der Kaufkraft der Verbraucher messen zu können glauben.

Dabei zeigen Griechenland und Portugal doch sehr klar, wohin diese Art der „Sanierung“ führt. Ewig kann es jedoch nicht gut gehen, mit der Notenpresse nur die Kurse von Vermögenswerten aufzublasen, während die Konjunktur weiter den Bach heruntergeht. Genau das hat am Rande des diesjährigen Weltwirtschaftsforums in Davos im Januar ausgerechnet die BIZ (Bank für internationalen Zahlungsausgleich) den Teilnehmern in unmissverständlichen Worten zu Gehör gebracht.

Die in Basel ansässige „Notenbank der Notenbanken“ wies darauf hin, dass der Kurs dauerhaft niedriger Zinsen und unablässigen Gelddruckens eine „Crashgefahr“ heraufbeschworen habe, da sich einige Märkte “mitten in einer gigantischen Blasenbildung“ befinden. Besondere Risiken sieht die BIZ derzeit am Anleihemarkt, wo sich Anleger (wieder einmal) mit größter Begeisterung mit Schrottanleihen eingedeckt hätten. Womit bewiesen wäre, dass in den Gehirnregionen vieler Anleger, wo nach medizinischer Auffassung das Gedächtnis beheimatet ist, ein Erinnerungsvakuum Besorgnis erregenden Ausmaßes und bei den Banken, die den neuen Kreditmüll in neue Finanzprodukte verpacken, ein noch größeres moralisches Vakuum besteht.

An einem gewissen Punkt, so folgert die BIZ, „werde es eine Rückkehr zur Normalität geben.“ Anders ausgedrückt, gehen die Baseler Banker davon aus, dass es durchaus zu einer Neuauflage des Desasters von 2008 kommen könne.

Zinsen – die Wende naht

Der Zeitpunkt der Warnung der BIZ scheint gut gewählt zu sein. Denn wenn die Weltwirtschaft trotz des historisch beispiellosen Liquiditätsexzesses der Notenbanken und eines inflationsbereinigt fast rund um den Globus bei oder sogar unter Null liegenden Leitzinses ein Abgleiten der Wirtschaft in eine neue Rezession nicht verhindern kann, gleichzeitig aber erneut gefährliche spekulative Blasen erzeugt, ist das Risiko für die Finanzmärkte unübersehbar, zumal neue Turbulenzen die Wirtschaft heute in einer weitaus instabileren Verfassung träfen als 2007/2008.

Was den deutschen Rentenmarkt betrifft, rechnen die Anleger ja nach wie vor mit einer Andauer des Niedrigstzinsniveaus bis zum Sankt Nimmerleinstag. Oder sogar noch weiteren Kursgewinnen. Objektiv betrachtet bewegen sie sich damit heute natürlich auf extrem dünnem Eis. Denn dass das Zinssenkungspotential so gut wie ausgereizt ist, bedeutet im Umkehrschluss, dass auch der Spielraum für Kursgewinne bei Anleihen so gut wie ausgeschöpft ist. Aber vielleicht erschließt sich dieser simple Zusammenhang vielen Anlegern erstaunlicherweise einfach gar nicht. Wenn das so sein sollte, haben sie vermutlich auch nicht einmal einen Hauch der Ahnung davon, was aus ihren „sicheren Anlagen“ in festverzinslichen Anleihen werden wird, wenn dort der Wind einmal dreht.

Und dieser Zeitpunkt könnte näher sein als die meisten Anleger wahr haben wollen. Sicherlich: Von seinem erst im Dezember erreichten Allzeithoch ist der Bund-Future, das deutsche Zinsbarometer, bis jetzt nur minimal zurückgekommen. Und der langfristige Aufwärtstrend ist charttechnisch weiterhin zweifelsfrei intakt. Soweit die gute Nachricht.

Hinter den Kulissen braut sich allerdings etwas zusammen. Was und wie weit das bereits gediehen ist, erkennen Sie am abgebildeten Chart des Bund- Future, in dem Sie auch den vor elf Jahren für meinem „Kapitalschutz-Brief“ entwickelten Trendindikator sehen. Mit all dem, was Sie in den Medien finden, hat dieser Indikator rein gar nichts gemein. Statt dessen misst er, ganz vereinfacht ausgedrückt, was am Markt wirklich passiert. Und wenn Sie den Chart einmal betrachten und sich ansehen, wo das (durch den blauen Pfeil gekennzeichnete) letzte Kaufsignal zustande kam, dürfte auch klar werden, was dieser Indikator wirklich kann: Er spürt die großen Wendepunkte am Rentenmarkt auf! Sehen Sie hin: Das am 6. Mai 2011 bei unter 120 generierte Kaufsignal steht nun erkennbar vor der Wende. Niemand hätte damals auf einen steigenden Bund-Future wetten wollen. Und so gut wie niemand möchte heute auf einen fallenden Bund-Future (=steigende Zinsen) wetten. Aber wenn der Indikator das signalisiert, werde ich genau das tun. Warum, in aller Kürze:

1. Hätten die Notenbanken nicht ihren (nach Einschätzung einiger US-Republikaner „verbrecherischen“) Kurs des Zins

-Dumpings gefahren und damit die Disziplinierungsmechanismen der Kreditmärkte unterminiert, stünde der Leitzins der FED oder der EZB heute bei zehn Prozent oder höher. Kreditausfallrisiken bedingen nun einmal höhere Risikoaufschläge (=höhere Zinsen). Die künstlich am Boden gehaltenen Zinsen lassen sich jedoch nur solange durchsetzen, wie die Anleger in die Stabilität der Bondmärkte vertrauen.

2. Zypern. Die Bundesregierung sträubt sich (noch) zu Recht gegen die 17,5 Mrd. Euro teure Hilfe für den Inselstaat, den  Banken (wie die des Vatikans) unter Verdacht stehen, ihr Geschäftsmodell im Wesentlichen in der Geldwäsche zwielichtiger Kapitalzuflüsse zu suchen. Jörg Asmussen, unter Peer Steinbrück Finanzstaatssekretär und von Finanzminister Schäuble auf den Stuhl eines Direktoriumsmitglieds der EZB protegiert, spricht sich jedoch für die Zahlung von EU-Geldern an Zypern aus.

„Der Mann, der Krise kann“ (FAZ), war als Aufsichtsrat für die IKB-Bank tätig und einer der größten Befürworter des Kaufs genau der Wertpapiere, die die Bank in Schieflage brachten, was den Steuerzahler über 10 Mrd. Euro kostete.

Nicht alle deutschen Steuerzahler, Herr Asmussen, möchten nun auch noch die Schieflagen russischer Geldwäsche mit finanzieren. Ich auch nicht, auch wenn Sie Zypern erklärtermaßen für „sytemrelevant“ halten. Ein Land, das eine unabhängige Untersuchung des Treibens seiner Banken kategorisch ablehnt, sollte nicht durch die steuerfinanzierte Beihilfe zur Geldwäsche über Wasser gehalten werden.

Und die EZB sollte sich hüten, diesen Weg zu gehen. Wird den Anlegern klar, für was ihr Geld hier ausgegeben werden soll, ist auch das letzte Fünkchen Vertrauen in die Finanzmärkte dahin. Und auch das Vertrauen in die Politik. Dann, das ist so gut wie sicher, werden die Rentenmärkte reagieren!

3. Die durch die Notenbanken aufgepumpte, den Marktmechanismus aushebelnde Politik hat ihren kritischen Schwellenwert erreicht, den Punkt, an dem die Menschen ihr Vertrauen ins endlose Gelddrucken zu verlieren drohen. Die Warnung ausgerechnet der BIZ spricht Bände. Und sie steht ja nicht allein, denn auch in der amerikanischen Notenbank nimmt die Zahl derjenigen zu, die eine Abkehr vom Liquiditätsexzess fordern, der das Finanzsystem m. E. langfristig nicht stabilisiert, sondern zur gefährlichen „Luftnummer“ macht.

Mein Fazit hier: Die Rentenmärkte stehen definitiv nahe vor der Wende. Dreht dieser weltgrößte Markt, weil er Notenbanken und Politik das Vertrauen entzieht, wird an den Finanzmärkten eine neue Ära eingeläutet. Die Uhr dafür steht, Sie sehen es an meinem Indikator, auf kurz vor Zwölf! Und wenn beide Zeiger oben stehen, bekommen wir im Euro-Bund eine Chance, für die auch ich heute ausnahmsweise einmal das Wort „historisch“ bemühen möchte.

Edelmetalle: Neue Chance für beide Seiten!

Wie gestern bekannt wurde, soll sich Großinvestor George Soros von rund der Hälfte seiner Goldengagements getrennt haben. Bei allem, was der Mann sagt, ist eine gewisse Vorsicht anzuraten. Auf meine Frage hin, wohin sich der US-Dollar entwickeln werde, antwortete er mir in einem 1995 geführten Interview einmal „Ich weiß es nicht. Und wenn ich es wüsste, würde ich es Ihnen nicht sagen.“ Wenn Soros also freimütig etwas sagt, steht noch lange nicht fest, ob das, was er sagt, auch das ist, was er meint und welche Ziele er wirklich verfolgt.

Dennoch: Der phantastische Boom der Edelmetalle hat Kratzer bekommen. Mehr als das sogar. Als Ursache hierfür ist zum einen anzunehmen, dass viele Marktteilnehmer der irrigen Auffassung sind, der Zenit der Finanzkrise sei bereits überschritten, womit es auch keiner Absicherung mehr bedürfe. Ebenso scheint sich aber die m. E. richtige Einschätzung durchzusetzen, dass die Wirtschaft der meisten wichtigen Industrieund Schwellenländer in Richtung Deflation unterwegs ist, vermutlich sogar in Richtung einer deflationären Abwärtsspirale (sinkende Preise, sinkende Nachfrage, nachgebende Löhne, steigende Arbeitslosigkeit). Die traditionellen Waffen, die den Notenbanken zur Bekämpfung einer solchen Entwicklung zur Verfügung steht, nämlich Zinssenkungen, haben die Währungshüter jedoch schon längst verbraucht.

Inflationiert hat das Notenbankgeld nicht die Verbraucherpreise, sondern die Vermögenswerte. Mehren sich die Hinweise auf eine neue bzw. verstärkte Rezession, dürften der Preisdruck in der Realwirtschaft noch stärker werden, da die Einkommensentwicklung den Verbrauchern immer weniger Spielraum gibt und die neue weltweite „Wettbewerbsverbesserungsmanie“ die Preise und die Löhne (und damit die potentiell konjunkturstimulierende Kaufkraft) zusätzlich unter Druck setzen wird.

Für Gold bedeutet das ein erhöhtes Abwärtsrisiko, das sich auch auf technischer Seite bereits abzeichnet. Denn während der Kapitalschutz-Brief- Trendindikator, den ich Ihnen ja oben schon beim Euro Bund-Future vorgestellt hatte, auf Eurobasis für Gold bereits im Dezember das erste Abwärtssignal seit September 2008 gegeben hat, scheint ein solches Signal nun auch auf Dollarbasis in der Luft zu liegen. Noch oszilliert der Indikator hier auf Wochenbasis um seine Entscheidungslinie, was sich jedoch sehr rasch und auch dramatisch ändern kann.

Noch spannender stellt sich derzeit die Lage beim Silber dar. Das „Gold des kleinen Mannes“ ist auf Dollarbasis am Freitag unter den bei 30,65 US$ verlaufenden 200 Tage-GD gefallen und steht damit nun wieder unmittelbar vor dem Test der seit Herbst 2008 etablierten, bis jetzt sechsmal erfolgreich getesteten charttechnischen Aufwärtstrendlinie. Und auch hier bewegt sich der Kapitalschutz-Brief-Trendindikator jetzt in direkter Tuchfühlung zu seiner Entscheidungslinie. Bedenkt man, dass das Hoch beim Silber aus April 2011 bei 48,70 US-Dollar lag und der Unzenpreis heute Mühe hat, die 30-Dollarmarke zu verteidigen, wird klar, dass die Edelmetallanleger mittlerweile wohl selbst nicht mehr an das von ihnen immer wieder an die Wand gemalte Szenario einer Hyperinflation glauben.

Ich meine: Wer Edelmetalle zu Absicherungszwecken gekauft hat, sollte sich nicht um den Preis kümmern. Wer hingegen mit Edelmetallen tradet und das vielleicht auch mit gehebelten Derivaten, der sollte in den kommenden Tagen und Wochen Gold und Silber nicht mehr aus den Augen lassen. Denn kommt es hier zu den in Reichweite liegenden neuen Verkaufssignalen, wird die Korrektur mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit alles andere als ein Spaziergang. Phantastische Chancen also für Spekulanten! Getoppt werden dürften diese Chancen nur noch vom dem, was sich gerade am Rentenmarkt abzuzeichnen beginnt.

Viel Erfolg und beste Grüße

Axel Retz

 

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

Posted in: Marktanalysen

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Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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