Yellen lässt die Vola einbrechen – was macht der DAX?

Mit dem erneuten Sprung in fünfstellige Kursregionen bleiben die Aussichten weiterhin gut. Allerdings lässt die lethargische Seitwärtsbewegung am Donnerstag Zweifel aufkommen, ob tatsächlich Anschlusskäufe einsetzen. Die kommende Woche dürfte Klarheit bringen.  

Stunden- und Tagesanalyse:

Nach den stärkeren US-Inflationsdaten zu Beginn der Woche hatten nicht gerade wenige Anleger etwas Sorgen, dass die Fed restriktivere Töne anschlagen könnte – ähnlich wie bereits zuvor die Bank of England. Doch Fed-Chefin Janet Yellen hat ihren Ruf als gelpolitische Taube mal wieder bestätigt. Die Zinsen in den USA bleiben auch weiterhin niedrig, und zwar wohl länger als bisher erwartet. Denn erneut musste die amerikanische Notenbank eingestehen, bei den Wachstumsprognosen zu optimistisch zu sein. Somit dürften auch nach dem Ende der vollständigen Rückführung der monatlichen Anleihekäufe (QE-Programm) die Zinsen bei Null bleiben. Mit der Aussicht auf weiterhin billiges Geld legten die Aktienmärkte zu, der DAX steht nun wieder über der 10.000, auch Gold und Silber zeigten eine beeindruckende Erholung.

Der US-Leitindex S&P 500 kletterte auf ein frisches Rekordniveau, im Gegenzug sackte die Vola ab. Offenbar werden die Risiken in der Ukraine und dem Irak als wenig besorgniserregend eingestuft, der VIX-Index rauschte mit 10,6 Prozent auf ein neues Mehrjahrestief. Ein Anstieg der Vola wird über kurz oder lang einsetzen, daran gibt es keinen Zweifel. Absicherungen über Put-Optionsscheine sind nach wie vor sehr günstig zu haben. Wann allerdings die Stimmung kippen wird, kann nicht vorhergesagt werden. Bis zum Quartalsende (Monatsende) könnten einige Fondsmanager noch Positionen aufstocken (Window-Dressing) und so für Auftrieb sorgen.

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Auch für den DAX bleiben die Aussichten zunächst aufwärts gerichtet. Allerdings täuscht die gestrige Bilanz von Plus 0,74 Prozent ein wenig darüber hinweg, dass zumindest Intraday-Trader keine Chance hatten, am Kurszuwachs zu partizipieren. Die Tagesspanne lag bei lediglich 30 Punkten. Am heutigen Hexensabbat ist die Gefahr von Fehlausbrüchen als erhöht einzustufen, Anleger sollten am Brückentag die Börse eher von der Seitenlinie aus verfolgen. Erst mit Beginn der kommenden Woche dürfte sich wieder ein klarer und nachhaltiger Impuls ausbilden.

Oberhalb von 10.033 müssen sich neue Widerstände erst noch ausbilden. Neben runden Kursmarken wie 10.100 liefert nur noch der Abstand zu Gleitenden Durchschnitten eine hilfreiche Orientierung (aktualisierter Chart). Richtung Süden liegen schwache Unterstützungen um 9990 und 9970. Bereits bei 9950 läuft die zuletzt stabilisierend wirkende 21-Tage-Linie.

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Wochenanalyse:

Aufwärtskanal bleibt trotz Konsolidierung intakt

Seit der letzten richtigen Korrektur im Sommer 2011 läuft der Deutsche Aktienmarkt in einem stabilen Aufwärtskanal, dessen obere und untere Extrembereiche in den vergangenen Monaten und Jahren mehrfach bestätigt wurden. Während zum Jahreswechsel verstärkt die Oberseite im Fokus stand, führte die jüngste Konsolidierung zu widerholten Tests der unteren Aufwärtstrendlinie. Bisher nutzten die Käufer jeden Rücksetzer zum Einstieg, ein Kursverhalten, das wir auch im vergangenen Jahr mehrfach gesehen haben.

Die rund sechs Monate anhaltende Seitwärtsbewegung verlief somit noch innerhalb des intakten Aufwärtstrends. Mit den jüngst ausgebildeten frischen Rekordhochs scheint die Schiebezone in Trendrichtung nach oben hin aufgelöst zu werden. Dabei stellt die 10.000er-Schwelle nur eine unbedeutende Kursmarke dar. Mittelfristig lässt der Kanal durchaus Luft bis über 10.650.

Auf der Südseite ist der DAX gut abgesichert. Neben der erwähnten, zuletzt mehrfach bestätigten Aufwärtstrendlinie bei derzeit 9500 sorgen auch die 200-Tage-Linie bei 9260 und die breite horizontale Unterstützungszone um 8950 / 9000 für Sicherheit. Eine größere Umkehrformation und somit Schwächesignal in der mittel- bis langfristigen Zeitebene wird erst mit Kursen von unter 8950 aktiviert.

Von Seiten der Markttechnik liegen derzeit keine einheitlichen Signale vor. Positiv zu interpretieren ist der MACD. Nach der Konsolidierung baute der trendfolgende Indikator seinen leicht überhitzten Zustand ab und lieferte kürzlich ein Einstiegssignal. Dem steht die überhitzte Situation im DSS Bressert gegenüber.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie vor allem den trendfolgenden MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Allmählich erreicht der Signalgeber die Niveaus aus dem Jahr 2000 und 2007 (rote Linie).

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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