Wo steht der DAX am Freitag?

Mit der Fed-Zinssitzung am Abend könnte endlich wieder mehr Schwung in die Märkte kommen. Aber auch die Hexensabbat am Freitag darf in seiner Wirkung auf die Kurse nicht unterschätzt werden.  

Stunden- und Tagesanalyse:

Während die deutsche Elf im Auftaktspiel am Montag viel Euphorie entfachte, scheint sich der DAX bereits in den Sommerurlaub verabschiedet zu haben. Sicherlich gilt es aktuell einige Besonderheiten zu beachten. Wegen des morgigen Feiertags bleibt das Volumen eher gering, zudem halten sich viele Strategen vor der heutigen Fed-Sitzung und dem Hexensabbat am Freitag lieber zurück. Dennoch ist die Lethargie an den Aktienmärkten durchaus bemerkenswert.  Zuletzt zeigte der S&P 500 vor zwei Monate oder 42 Handelstage eine Bewegung von mehr als einem Prozent. Man muss inzwischen bis in das Jahr 1995 zurückschauen, um eine ähnlich lange Periode zu finden (Link mit Chart).

Yellen muss sich äußern

Ist dies nur die Ruhe vor dem Sturm? Möglicherweise. Eine erste Chance auf mehr Volatilität bietet die heutige Fed-Pressekonferenz. Keine Frage, der Leitzinskorridor bleibt unverändert, auch die Rückführung der monatlichen Anleihekäufe um weitere 10 Mrd. Dollar auf 35 Mrd. Dollar wird keine Marktreaktionen hervorrufen. Relevanter sind die Projektionen für die Jahre 2015 und 2016. Besonders der von den FOMC-Mitgliedern als angemessen erachtete Pfad der Leitzinsanpassungen steht im Fokus. Für Dezember 2015 preisen die Fed-Funds-Futures ein Niveau von 0,75 Prozent ein – dies ist eindeutig weniger als das was vonseiten der Fed kommuniziert wird. Aufgrund der zuletzt robusteren Konjunktur in Verbindung mit einem möglichen Ende der Disinflation besteht durchaus die Möglichkeit, dass Zinserhöhungserwartungen vorgezogen werden. Yellen wird sich irgendwie dazu äußern müssen, dass sich die Inflation bald auf dem Zielwert der Fed befindet. Falkenhafte Töne wie zuletzt von der Bank of England sind zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht zu erwarten.

Positionierungen für Freitag

Bleibt als weiteres Event der Verfall am kommenden Freitag. Während der kleine Verfallstag an jedem dritten Freitag eines jeden Monats eher weniger Beachtung erfährt, bewegt der Hexensabbatt wesentlich stärker die Kurse von DAX & Co. Jeweils vier Mal im Jahr, am dritten Freitag im März, Juni, September und Dezember verfallen an der Eurex, dem Terminmarkt der Deutschen Börse, neben den Optionen auch die Futures.

Kleinanleger sollten besonders darauf achten, wie viele Terminkontrakte zu einem bestimmten Basispreis noch nicht glattgestellt oder ausgeübt wurden. Auf der Oberseite stellen große Call-Positionen bei rund 10.000 Punkten einen Widerstand dar. Die Stillhalter werden versuchen, dass die Calls nicht ins Geld laufen. Sollte der DAX dennoch dynamisch in fünfstellige Kursregionen vorstoßen, müssten entsprechende Absicherungsmaßnahmen eingegangen werden, die den DAX befeuern würden. Dieses sehr bullische Szenario ist aber nur vorstellbar, wenn die Fed auf der heutigen Zinssitzung die Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt.

Auf der Unterseite haben die Strategen in den vergangenen Wochen einige Absicherungen eingezogen. Bei 9800 liegen größere Put- und Call-Bestände. Bis zur Abrechnung am Freitag könnte der DAX diesen Bereich durchaus anlaufen, da dann sowohl die Calls als auch die Puts wertlos verfallen würden. In der Summe noch größere Bestände liegen bei 9600 und 9500 Zählern, wobei auch hier ähnlich wie bei 9800 ein Überhang der Put-Positionen vorliegt. Kurse unter 9500 sind zum Wochenschluss somit als sehr unwahrscheinlich einzustufen. Nicht ganz auszuschließen ist ein Rücksetzer bis 9600. Auf diesem Niveau würden mehr Positionen wertlos verfallen als bei 9800 Punkten. Allerdings dürfte die Region nur bei neuen Hiobsmeldungen von der Fed oder aus dem Nahen Osten erreicht werden.

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Der DAX bleibt vorerst einem Konsolidierungsmodus treu. Unterhalb der 10.000er-Marke scheint sich kurzfristig eine Seitwärtsbewegung etabliert zu haben, die entweder in Richtung des übergeordneten Aufwärtstrends aufgelöst wird oder nur der Beginn einer größeren Umkehrbewegung darstellt. Exemplarisch für die erhöhte Unsicherheit steht die am Dienstag ausgebildete Kerze mit langen oberen und unteren Schatten. Diese Patt-Situation zwischen Bullen und Bären dürfte sich aber bald auflösen und neue Signale freisetzen.

Vorerst bleiben die relevanten Marken auf der Unterseite der jüngsten Range unverändert. Als stabilisierend wirkt nach wie vor die steigende 21-Tage-Linie, wobei der Gleitende Durchschnitt nicht punktgenau zu beachten ist. Sollte das gestrige Tagestief bei 9861 unterboten werden, dürften die Bären die 9830 / 9840er-Region anlaufen. Darunter kommt es zu einem Test des Ausbruchsniveau um 9700 / 9800. Auf der Oberseite müsste der DAX 9970 überwinden, um erneut in Reichweite des Rekordhochs um 10.030 zu gelangen.

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Wochenanalyse:

Aufwärtskanal bleibt trotz Konsolidierung intakt

Seit der letzten richtigen Korrektur im Sommer 2011 läuft der Deutsche Aktienmarkt in einem stabilen Aufwärtskanal, dessen obere und untere Extrembereiche in den vergangenen Monaten und Jahren mehrfach bestätigt wurden. Während zum Jahreswechsel verstärkt die Oberseite im Fokus stand, führte die jüngste Konsolidierung zu widerholten Tests der unteren Aufwärtstrendlinie. Bisher nutzten die Käufer jeden Rücksetzer zum Einstieg, ein Kursverhalten, das wir auch im vergangenen Jahr mehrfach gesehen haben.

Die rund sechs Monate anhaltende Seitwärtsbewegung verlief somit noch innerhalb des intakten Aufwärtstrends. Mit den jüngst ausgebildeten frischen Rekordhochs scheint die Schiebezone in Trendrichtung nach oben hin aufgelöst zu werden. Dabei stellt die 10.000er-Schwelle nur eine unbedeutende Kursmarke dar. Mittelfristig lässt der Kanal durchaus Luft bis über 10.650.

Auf der Südseite ist der DAX gut abgesichert. Neben der erwähnten, zuletzt mehrfach bestätigten Aufwärtstrendlinie bei derzeit 9500 sorgen auch die 200-Tage-Linie bei 9260 und die breite horizontale Unterstützungszone um 8950 / 9000 für Sicherheit. Eine größere Umkehrformation und somit Schwächesignal in der mittel- bis langfristigen Zeitebene wird erst mit Kursen von unter 8950 aktiviert.

Von Seiten der Markttechnik liegen derzeit keine einheitlichen Signale vor. Positiv zu interpretieren ist der MACD. Nach der Konsolidierung baute der trendfolgende Indikator seinen leicht überhitzten Zustand ab und lieferte kürzlich ein Einstiegssignal. Dem steht die überhitzte Situation im DSS Bressert gegenüber.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie vor allem den trendfolgenden MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Allmählich erreicht der Signalgeber die Niveaus aus dem Jahr 2000 und 2007 (rote Linie).

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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