Wo steht der DAX am kommenden Freitag?

Themen des Tages: mögliche Fed-Termine für einen Kurswechsel +++ Open Interest als Signalgeber +++ US-Daten zum Wochenausklang+++

 

 

Zum Abschluss dieser doch recht turbulenten Börsenwoche riskieren wir schonmal einen Blick auf die kommenden Tage. Denn die nächste Woche hat zwei Höhepunkte zu bieten, die durchaus das Potenzial haben, die Richtung für die Märkte auf der mittelfristigen Ebene vorzugeben. Zur Wochenmitte richtet sich der Fokus auf die US-Notenbank. Experten erwarten auf der FOMC-Sitzung zwar keine grundlegenden Anpassungen und somit vorerst eine Fortsetzung des Anleihenaufkaufprogramms QE3 von aktuell 85 Mrd. Dollar pro Monat. Spannend werden aber die Ausführungen im Statement. Die jüngsten wirtschaftlichen Daten deuten eigentlich noch nicht auf eine nachhaltige Erholung der US-Wirtschaft. Dennoch dürfte die Fed versuchen, die Märkte auf einen Reduzierung vorzubereiten. Vorstellbar ist daher eine Formulierung, dass im Fall einer konjunkturellen Belebung (am Arbeitsmarkt) in der zweiten Jahreshälfte eine Adjustierung von QE3 wahrscheinlicher wird. Allerdings dürfte Fed-Chef Ben Bernanke eine Anpassung bevorzugt auf einem FOMC-Meeting mit anschließender Pressekonferenz vornehmen, um auf Nachfragen einzugehen und die dann sicherlich hohe Nervosität an den Märkten zu dämpfen. In der kommenden Woche findet bereits eine Pressekonferenz statt, dass wirtschaftliche Umfeld ist aber noch nicht stabil genug für einen Kurswechsel. Auf der nächsten Sitzung Ende Juli wird nur das Statement verkündet, spannender wird es dann erst wieder am 18. September mit anschließender Pk. Die letzte Möglichkeit bietet sich der Fed am 18. Dezember.

Quelle: FOMC

Quelle: FOMC

 

Nicht ganz so richtungsweisend aber kurzfristig ebenso spannend ist der große Verfall an den Terminmärkten am kommenden Freitag, auch Hexensabbat genannt. Die Positionierungen der “professionelle Marktteilnehmer” über Futures und Optionen geben oft wertvolle Hinweise, in welche Richtung sich der Markt entwickeln wird bzw. auf welchem Kursniveau die Kontrakte abgerechnet werden.

Denn mit Hilfe von Futures und Optionen sichern die Akteure nicht nur ihre Wertpapierbestände ab, sondern spekulieren auch auf eine bestimmte Marktentwicklung. Bei der Preisfeststellung am Ende der Laufzeit von Optionen, dem sogenannten „Settlement“ stellt sich heraus, ob die Marktakteure richtig gelegen haben. Im Gegensatz zum DAX-Future (FDAX) existieren beim ODAX verschiedene Basispreise, zu denen die Optionen ausgeübt werden können. Wichtig ist bei den Optionen die Berechnung der Differenz: Bei Kaufoptionen (Calls) aus DAX-Kurs minus Basispreis der Option, bei Puts Basispreis abzüglich DAX-Stand. Ist das Ergebnis positiv, hat die Option einen inneren Wert und der Inhaber lag mit seiner Spekulation richtig. Liegt hingegen bei einem Call der Basispreis über dem DAX-Kurs bzw. bei einem Put der Basispreis unter dem DAX-Kurs, verfällt die Option wertlos. In diesem Fall hat nur der Stillhalter, also der Verkäufer einer Option, in Form der Optionsprämie ein gutes Geschäft gemacht. Da Stillhaltergeschäfte überwiegend von institutionellen Investoren wie Banken, Pensionskassen und Versicherungsträgern durchgeführt werden, ist es sehr interessant, wie sich die „schweren Jungs“ positioniert haben.

 

Open Interest gibt Aufschluss

Die Plattform der Eurex gibt Aufschluss über das Open Interest zu verschiedenen DAX-Niveaus. Das Open Interest gibt an, wie viele Terminkontrakte zu einem bestimmten Basispreis noch nicht glattgestellt oder ausgeübt wurden.

Quelle: Eurex

Quelle: Eurex

 

Im Chart sehen die Verteilung des Open Interest aufgeteilt in Put- und Call-Optionen. Oberhalb von 8000 Punkten nimmt die Anzahl der Call-Kontrakte deutlich zu. Aus Sicht der Stillhalter gilt es zu verhindern, dass die Positionen nicht zu weit ins Geld laufen und somit an Wert gewinnen. Auf der Unterseite liegen vor allem um 7500 und 7800 größere Put-Positionen. Auch hier haben die Strategen kein Interesse, dass der DAX wesentlich tiefer fällt. Noch deutlicher fallen aber die großen Positionen an der 8000er-Marke auf.

 

Quelle: Eurex

Quelle: Eurex

 

Etwas klarer wird die Verteilung in der oberen Grafik: Exakt an der 8000er-Marke liegen die meisten Calls und Puts. Es wäre daher nicht überraschend, wenn versucht wird, den DAX in der Nähe der runden Schwelle zu halten. Zeigt der Markt aber doch eine Trendbeschleunigung, dürfte spätestens bei 8600 Schluss sein. Nach unten  hin wird mit Sicherheit das 7800er-Niveau verteidigt.

 

Zum heutigen Handelstag:

Der DAX zeigt sich wie erwartet erholt und steht rund 0,8 Prozent fester im Markt bei 8160 Punkten. Kleines Schmankerl aus technischer Sicht: Zu Handelsbeginn gab es erneut eine Aufwärtslücke – exakt in der Spanne, die gestern nicht mehr geschlossen wurde. Am Nachmittag könnte es noch etwas volatiler werden, denn aus den USA werden einige wichtige Daten erwartet. Bereits gestern reagierte der Markt deutlich auf – besser als erwartete – Zahlen. Die Erzeugerpreise erlauben eine bessere Einordnung hinsichtlich der Inflation in den USA, im Anschluss dürften die Daten zur Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung Rückschlüsse auf die wirtschaftliche Lage geben.

 

Schönes Wochenende

Franz-Georg Wenner

 

 


Zur Verfügung gestellt von: Forexpros dem Aktien Portal

 

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

1 Comment on "Wo steht der DAX am kommenden Freitag?"

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  1. Guten Tag,

    zu der Frage möchte heute ich eine kleine Ergänzung beisteuern. Die heutige Auswertung meiner Umfrage zum DAX am Ende der Woche hat zu einem eindeutigen Ergebnis geführt.

    Deutlich mehr als die Hälfte der befragten Marktteilnehmer geht von tieferen Kursen aus.

    Viele Grüße

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