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Wie reagiert die Börse auf den US-Arbeitsmarktbericht?

Themen des Tages:  EZB orientiert sich an der FED +++ wann fällt die US-Arbeitslosenquote auf sieben Prozent? +++ Analyse der jüngsten Kursreaktionen

 

Schau an, auch die EZB traut sich nun, neue Wege einzuschlagen. Die relevanten Zinsen sollen für einen längeren Zeitraum „auf dem aktuellen Stand oder einem niedrigeren Niveau“ bleiben. Erstmals liefern die Notenbanker damit – wie bereits zuvor auch die amerikanischen Kollegen der Fed – eine Orientierungshilfe – oder neudeutsch forward guidance – für den weiteren geldpolitischen Kurs. Vor diesem Hintergrund überrascht es wenig, dass die Märkte euphorisch reagierten. Denn Ungewissheit ist der größte Feind des Investors. Nach dem gestrigen Tag ist klar, dass wir in den nächsten zwölf Monaten keine Zinserhöhung bei der EZB sehen werden. Vielmehr wies Draghi sogar darauf hin, dass die konjunkturellen Abwärtsrisiken in den kommenden Monaten eine weitere Leitzinssenkung nötig machen könnten. Einflussfaktoren sind die künftigen Wirtschaftsdaten, der Inflationsausblick, insbesondere die Geldmengen- und Kreditentwicklung. An den Märkten fiel die Reaktion deutlich aus: Der Euro kam kräftig unter Druck, die Anleihen der Peripherie-Länder erholten sich und der Aktienmarkt feierte nachträglich den 25. Geburtstag des DAX.

 

 

Zum heutigen Handelstag

Heute werden die Karten neu gemischt, denn mit dem US-Arbeitsmarktbericht steht der wichtigste Konjunkturindikator auf der Agenda. Nachdem zuletzt Fed-Chef Ben Bernanke eine leichte Verbesserung der Wirtschaft konstatierte und bemerkte, dass noch in diesem Jahr eine Reduzierung der monatlichen Anleihekäufe im Volumen von 85 Mrd. Euro möglich sei, steht nun die Frage zur Bestimmung des perfekten Zeitpunktes für eine solchen Schritt im Mittelpunkt. Ein wesentliches Kriterium ist die Entwicklung der Arbeitslosenquote. Bernanke zufolge dürfte das Programm auslaufen, wenn die Quote bei rund sieben Prozent liegt. Für Mai wurden 7,6 Prozent gemeldet. Nach Berechnungen der HSBC werden bei einer unveränderten Partizipationsrate in den kommenden Monaten im Durchschnitt rund 170.000 neue Stellen benötigt, um zur Jahresmitte 2014 die ausgegebene Quote von sieben Prozent zu erreichen. In den vergangenen Monaten nahm die Dynamik der Erholung ein wenig ab, der Durchschnitt der neu geschaffenen Stellen liegt bei rund 194.000. Mit Blick auf die eher schwache Entwicklung des US-BIP zum Jahresauftakt rechnen die Strategen erst im Dezember mit einer ersten Reduzierung des Kaufprogramms.

In den vergangenen Tagen fielen die Daten zur Beschäftigungssituation überwiegend besser aus als erwartet. Vor allem der ADP-Bericht sowie die Beschäftigungskomponente des ISM-Dienstleistungssektors überraschten positiv. Für heute liegen die Prognosen bei einem Stellenzuwachs von 155.00 bis 165.000 sowie einer Arbeitslosenquote von 7,5 Prozent.

Aber wie wird der Markt auf besser oder schlechter als erwartete Daten reagieren? Werden die Prognosen übertroffen, wäre dies ein deutliches Signal für eine robustere US-Konjunktur. Zugleich steigt aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed ihr Kaufprogramm früher zurückfahren wird. Hier stellt sich die Frage, ob die Aktienmarktrally auch bei nachlassenden Interventionen der Fed fortgesetzt wird. Die Marktreaktionen nach dem Ende von QE1 und QE2 lassen eher eine empfindliche Korrektur erwarten (HIER finden Sie die Analyse).

Schauen wir uns zur besseren Beurteilung der aktuellen Stimmungslage die Reaktion auf die jüngsten Zahlen an. Im oberen Chart-Bild sehen Sie den S&P 500, darunter den S&P 500 Future, um auch die Kursreaktionen außerhalb der offiziellen Handelszeiten zu erkennen.

Das erste rote Rechteck zeigt die Entwicklung auf den ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe am vergangenen Montag. Mit 50,9 Punkten lag das Barometer zwar über den Erwartungen, dafür enttäuschte die Beschäftigungskomponente mit 48,7. Der Markt reagierte erst positiv und drehte dann Richtung Süden. Die Kursreaktion auf die erfreulichen ADP-Daten fiel positiv aus (grünes Rechteck im Future). Der ISM-Index für den Dienstleistungssektor am Mittwoch war ein Spiegelbild vom Wochenauftakt. Während der Gesamtindex enttäuschte, überraschte der kräftige Anstieg bei der Beschäftigung. Der S&P gab zunächst nach und zeigte später eine klare Erholung.

 

sundp

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Fazit: Besser als erwartete Daten werden aktuell eher mit Kursaufschlägen an den Aktienmärkten gefeiert – dies war bis vor wenigen Wochen noch ganz anders. Offenbar erleben wir gerade an den Börsen einen allmählichen (!) Übergang aus der Abhängigkeit von der Liquiditätsversorgung durch die Notenbanken hin zu einer Abhängigkeit von realwirtschaftlichen Faktoren. Langfristig sicherlich begrüßenswert.

 

 


Zur Verfügung gestellt von: Forexpros dem Aktien Portal

 

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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