By 30. April 2013 Read More →

Warnsignale vom Devisenmarkt

Themen des Tages: Deutsche Bank sammelt knapp 3 Mrd. Euro ein +++ Ausblick auf die Bilanz der Commerzbank +++ Fresenius kann nicht überzeugen +++ Zu viel Euphorie am Aktienmarkt?

 

 

Gute Stimmung auf dem Parkett und dazu noch eine verkürzte Handelswoche und – sind wir mal zuversichtlich – zwei deutsche Vereine im Champions League-Finale – was will man mehr? Zumindest die Deutsche Bank meldete noch einen weiteren Wunsch an: frisches Geld. Während die Zahlen für das erste Quartal unter dem Strich positiv überraschten (Überschuss stieg um 20 Prozent gegenüber Q1 2012), hatten die meisten Experten mit der ebenfalls angekündigten Kapitalerhöhung nicht gerechnet. In einem beschleunigten Verfahren sollen bei institutionellen Investoren 2,8 Mrd. Euro eingesammelt werden. Dazu werden 90 Millionen Aktien aus dem genehmigten Kapital unter Ausschluss der Bezugsrechte ausgegeben. Der Preis für die neuen Papiere liegt im Bereich 32 / 32,90 Euro, wobei die Bücher nach Aussagen von Händlern bereits geschlossen sind.  Zudem sollen innerhalb von einem Jahr nachrangige Kapitalinstrumente über 2 Mrd. Euro verkauft werden. Ziel der Übung ist die Erhöhung der Eigenkapitalquote. Aktuell liegt der Wert bei 8,8 Prozent, wegen der besonderen Systemrelevanz der Deutschen Bank muss das Finnazhaus aber eine extra hohe Quote vorweisen – Stichwort Basel III. Analysten spendeten nach der Ankündigung Beifall. Kian Abouhossein von JPMorgan stufte die Papiere auf „Overweight“ hoch und auch die meisten Anleger trauen der Aktie wohl künftig mehr zu. Kurz nach Handelsbeginn geht es bereits um gut 5 Prozent auf 34,85 Euro nach oben.

Wir dürfen gespannt sein, welche Neuigkeiten die Commerzbank bei der Vorlage ihres Q1-Zwischenberichts am 7. Mai präsentieren wird. Kapitalerhöhungen sind die Aktionäre inzwischen gewohnt. Seit August 2008 musste die Nummer zwei in Deutschland bereits neun Mal um mehr Geld bitten. Die auf der jüngsten Hauptversammlung beschlossene Kapitalmaßnahme eingerechnet hat das Management der Bank bisher rund 19 Mrd. Euro an frischen Mitteln eingesammelt. Zum Vergleich: Die Markaptitalisierung liegt aktuell nur bei rund sechs Mrd. Euro. Auch das Exposure der Bank in den Peripherieländern wird sicher ein Thema bleiben. Im Geschäftsbericht 2012 lag das ausgewiesene Engagement in Spanien bei 2,6 Mrd. Euro, in Italien ist man mit 8,8 Mrd. Euro dabei.

Ingesamt muss man aber klar sagen, dass die hiesen Finanzhäuser ihre Investitionen im Ausland in den vergangenen Jahren deutlich heruntergefahren haben. Daten der Deutschen Bundesbank zufolge haben Deutschlands Banken weltweit seit Anfang 2002 noch nie so wenig Kredit im Ausland vergeben wie aktuell. Dabei gilt es  zu beachten, dass die Rückzug weltweit stattfindet und nicht nur auf den Euro-Raum begrenzt ist.

 

Quelle: Deutsche Bundesbank

 

 

Zum heutigen Tag: Beim Blick auf den DAX dominiert klar die Farbe Grün. Lediglich Fresenius und FMC fallen mit deutlicheren Abschlägen auf. Defensive Werte sind in starken Börsenphasen nicht so gefragt, möchte man meinen. Allerdings waren auch die am Morgen gemeldeten Zahlen nicht berauschend.  Fresenius meldete zwar einen Gewinnanstieg um zwölf Prozent, die Erwartungen lagen aber leicht höher. Dennoch wurde die Prognose bestätigt. FMC erlitt aufgrund eines Sondereffekts einen Gewinnrückgang, die Umätze konnten um sieben Prozent zulegen.

Abseits der Unternehmensmeldungen bleiben die beiden Notenbanksitzungen am Mittwoch (Fed) und Donnerstag (EZB) im Fokus. Ein Grund für die starke Performance der Aktienmärkte in Europa ist die Hoffnung auf eine Zinssenkung. Vor allem nach den zuletzt schlechten Konjunkturdaten scheinen inzwischen immer mehr Strategen davon auszugehen, dass Draghi erstmals seit Mitte 2012 wieder an der Zinsschraube drehen wird. An den Devisenmärkten wird dieses Szenario aber nicht so richtig gespielt – eine klare Warnung an die Aktienmarkt-Bullen. Eigentlich müsste der Euro gegenüber dem Dollar zur Schwäche neigen, weil der Zinsvorteil bei einer Zinssenkung fast nicht mehr gegeben wäre und damit auch die Attraktivität der Gemeinschaftswährung. Wer hat also Recht? Die erfahrungemäß gut informierten Investoren an den Devisenmärkten oder die Anleger am Aktienmarkt?

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

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Zur Verfügung gestellt von: Forexpros dem Aktien Portal

 

Posted in: Marktanalysen

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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