By 16. März 2015 Read More →

US-Börsen sind weniger riskant als der DAX

Obwohl ein neues Hochs grundsätzlich ein bedeutendes Kaufsignal in der Charttechnik ist, wird die Skepsis in den Medien immer stärker, was uns als Investoren natürlich gut gelegen kommt. Denn immerhin stirbt eine Hausse in der Euphorie, von der bislang wenig zu spüren ist.

Liebe Leserinnen und Leser,

hoffentlich konnten Sie in den vergangenen Tagen gleichzeitig die Sonne und die steigenden Kurse genießen. Damit wären wir auch schon bei der Millionen Euro- Frage, die heute natürlich lautet: kann das Wetter und das Börsenklima überhaupt noch besser werden? Vielleicht haben Sie in den vergangenen beiden Wochen gemerkt, dass ich etwas vorsichtig geworden bin und wenig Neigung verspüre, den steigenden Kursen nachzujagen. Ebenso wenig macht es aber Sinn, komplett vom Gas zu gehen oder gar den breiten Markt von der Put-Seite her anzufassen.

Was mir nicht gefällt, ist die große Entfernung des DAX von der 200- und der 50-Tage- Linie. Hier erkennen Sie, dass der Markt objektiv ungewöhnlich überhitzt ist. Dies alleine ist noch kein Verkaufssignal, ich empfehle aber an der Börse auf den Normalfall und nicht auf die extremen Situationen zu setzen.

Wie Sie am Chart etwas weiter unten gut erkennen, hat sich der DAX in den letzten beiden Jahren (und auch vorher) selten mehr als 15 % von der 200 Tage Linie entfernt. Und außerdem wurden diese Phasen immer recht schnell wieder korrigiert – frei nach dem Motto: was hoch steigt, kann auch tief fallen.

Natürlich kann ein Index auch seitwärts korrigieren, ebenfalls wird die 200- Tage- Linie schon bald in einem steileren Winkel als jetzt ansteigen.
Bitte beachten Sie, dass ich mich hier nicht den von einigen „Experten und Gurus“ veröffentlichten Crash- Szenarien anschließen will. Ich will Sie lediglich dafür sensibilisieren, was normal und was nicht normal ist.

In diesem Zusammenhang sollten Sie aber auch bedenken, dass die gegenwärtige Notenbankpolitik nicht „normal“ ist. Wegen der quasi nicht mehr vorhandenen Zinsen bekommen nämlich Dividenden eine viel größere relative Bedeutung im Vergleich zu Unternehmens- und Staatsanleihen als früher üblich.
Dieses Phänomen haben wir ja auch schon am Immobilienmarkt erlebt. Aber deswegen wird es trotzdem bei Aktien immer wieder stärkere Schwankungen geben, die uns mit hoher Sicherheit auch in diesem Jahr erneut treffen werden. Dies ist aber nicht negativ, sondern bereinigt den Markt sogar und lockt neue Investoren an.


Deshalb halte ich es im Rahmen meiner Anlageberatung und in der Vermögensverwaltung für sehr wichtig, dass meine Kunden stets in offensiven und gleichzeitig auch marktneutralen und gegenläufigen Positionen investiert sind. Denn vorher kann Ihnen leider kein ehrlicher Mensch sicher sagen, wann Sie eine Absicherung benötigen und wann eher nicht.

Die US-Indizes zeichnen ein anderes Bild

Während der DAX von einem Rekord zum anderen jagt, zeigen sich die US Indizes in diesem Jahr eher „schwach auf der Brust“. In den vergangenen Tagen wurde sogar die gesamte Rendite des Jahres 2015 wieder ausradiert. Ende vergangener Woche hingegen haben sich an den wichtigsten US Märkten inmitten einer breiten Unterstützungszone sehr positive Chartmuster gezeigt.

Auch der schnelle Indikator des inneren Marktes, der Ihnen die Relation der Aktien zeigt, die oberhalb ihrer 50 Tage Linie handeln, ist deutlich angesprungen.


18 % der an der NYSE gehandelten Aktien haben alleine diese Unterstützung zurückerobert. Dies ist ein wichtiges Zeichen für die Käufer und zeigt Ihnen, dass die US- Börse zyklisch betrachtet in einem viel früheren Stadium und daher meiner Meinung nach aktuell weniger riskant als die europäischen Märkte ist. Hier sehen Sie, dass die US -Börse keinesfalls überhitzt ist, sondern sich seit Wochen in einem neutralen Marktzustand bewegt.

Dies impliziert aber auch, dass Angebot und Nachfrage recht gut ausgeglichen. Kurz bis mittelfristig ist nicht zu entscheiden, ob die offensive oder die defensive Mannschaft den Ball erhält. Daher ist eine Fortsetzung des übergeordneten Aufwärtstrends genauso wahrscheinlich wie ein Seitwärtstrend. Übergeordnet und gemessen am wichtigsten Risikoindikator des inneren Marktes, dem NYSE Bullish Percent, bleiben hingegen die Bullen klar im Vorteil.

Ihr Klaus Buhl

 

Posted in: Gastbeiträge

About the Author:

Klaus Buhl ist seit über 15 Jahren als Portfoliomanager und Analyst tätig und betreibt u.a. das Portal www.libra-invest.de. Dort erhalten Sie praktische Hinweise über die sinnvolle Kombination von marktneutralen bzw. vermögensverwaltenden Strategien in Abhängigkeit vom jeweiligen Börsenzyklus. Ein kostenloser Newsletter informiert regelmäßig über neue Entwicklungen. „Ich verspreche Ihnen keinen schnellen Reichtum, aber konstante Performance und regelmäßige Erträge in jeder Marktphase. Aber vor allem: Keine Verluste mehr!”

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