By 19. August 2014 Read More →

US-Aktienmarkt weist den DAX in die Schranken

Nach dem freundlichen Wochenauftakt können die Käufer wieder ein wenig durchatmen. Eine zweite Verkaufswelle wurde bisher vermieden, stattdessen zeigt der DAX Anzeichen einer Stabilisierung. Kaufsignale liegen aber noch nicht vor, die Ausgangslage bleibt sehr fragil.

Die amerikanischen Aktienmärkte zeigen sich auch weiterhin in einer deutlich besseres Verfassung als der DAX. Besonders der richtungsweisende S&P 500 befindet sich erneut auf der Überholspur, nach den gestrigen Gewinnen könnte bereits in der zweiten Wochenhälfte das Rekordhoch fallen. Die 2000er-Marke ist dann nur noch reine Formsache, darüber dürfte die Luft aber eher dünn werden. Als guter Signalgeber erweist sich  wieder einmal die Quote der Aktien, die über ihrem 20-Tage-Durchschnitt notieren. Folgende Grafik fängt die Historie gut ein. Vor wenigen Tagen notierten nur noch knapp 20 Prozent der Werte im S&P 500 über ihrem kurzfristigen Durchschnitt, ein perfekter Einstiegszeitpunkt. Mittelfristig ist wieder mit einem Anlauf bis an die obere Extremzone bei rund 85 Prozent zu rechnen, hier steigt dann die Gefahr von umfangreicheren Gewinnmitnahmen.

sundpabstand20_1908

DAX: Stunden- und Tagesanalyse

Für den deutschen Aktienmarkt bleiben hingegen die Perspektiven nach wie vor durchwachsen. Die Krise in der Ukraine hat einen wesentlich größeren (negativen) Einfluss auf die Kurse als jenseits des Atlantiks. Eine Bodenbildung ist nach wie vor möglich, es fehlt aber ein klares Kaufsignal. Auch der gestrige Tag war nur auf den ersten Blick erfreulich. Allerdings profitierten nur mutige Anleger, die am späten Freitag-Nachmittag eingestiegen sind. Der DAX eröffnete am Montag mit einer deutlichen Aufwärtslücke und lief für den Rest des Tages seitwärts. Anschlusskäufe blieben aus, insgesamt war der Handel eher lustlos. Entsprechend dünn fiel auch das Volumen mit nur 2,3 Mrd. Euro auf Xetra aus.

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Die vorbörslichen Indikationen deuten auf eine festere Eröffnung, der DAX wird bei 9280 erwartet. Damit bieten sich den Käufern nach wie vor gute Chancen, dass Vorwochenhoch und somit den nächsten Wiederstand um 9320 zu überwinden. Im Erfolgsfall setzt sich in den kommenden Tagen der im Stundenchart eingezeichnete Aufwärtskanal durch und führt den DAX bis an die 200-Tage-Linie bei derzeit 9500. Vorgelagert gilt es noch die Hürde um 9350 zu nehmen, hier liegt der Schnittpunkt aus einer inneren Abwärtstrendlinie sowie dem 21-Tage-Durchschnitt. In der zweiten Juli-Hälfte wurde der DAX an der kurzfristigen Signallinie wiederholt verkauft.

Gelingt hingegen nicht der Sprung über 9320, bleibt die Prognose seitwärts. Im Idealfall wird das gestrige Tagestief um 9200 nicht mehr in Anspruch genommen. Fällt der DAX weiter zurück, bietet der Freitag-Umkehrpunkt bei 9060 / 9050 eine letzte Chance, größeren Schaden zu verhindern. Erst wenn auch dieses Niveau unterboten wird, rückt erneut das Jahrestief um 8910 auf den Prüfstand.

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Wochenanalyse:

Wiederholt sich die Geschichte?

Auch im langfristigen Wochenchart sind nun deutliche Bremsspuren zu erkennen. Ähnlich wie auf Tagesbasis gab auch hier der Aufwärtskanal die grundsätzliche Richtung vor. Erstmals seit Sommer 2012 rutsche der DAX wieder deutlich unter die 200-Tage-Linie. Allerdings eroberte der Markt vor zwei Jahren den langfristigen Gleitenden Durchschnitt rechnet schnell wieder zurück, ein ähnliches Szenario ist auch jetzt vorstellbar. Aktuell stabilisiert sich der DAX an der mittelfristig wichtigen Unterstützungsregion um 8900 / 9000. Die Börsenampel bleibt somit auf Orange.

Bereits seit mehreren Wochen warne ich an dieser Stelle vor der negativen Divergenz im MACD. Während der DAX in den vergangenen Monaten höhere Hochs ausbildete, wurden diese nicht mehr durch den trendfolgenden Indikator bestätigt (rote Linie beim MACD). Die kurzfristig überverkaufte Lage im DSS Bressert ist ein erster Hoffnungsschimmer, allerdings kann der Signalgeber durchaus über mehrere Wochen im unteren Extrembereich verlaufen (s. Sommer 2012).

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200. Eine ähnliche Situation liegt auch im amerikanischen Leitindex S&P 500 vor.

Das Hauptaugenmerk gilt aber dem MACD. Der trendfolgende Indikator hat sich in den vergangenen 20 Jahren bereits mehrfach als guter Taktgeber für den langfristigen Verlauf erwiesen. Besonders an den Bewegungshochpunkten in 2000 und 2007 warnte der Signalgeber jeweils frühzeitig vor einer neuen Baisse. Die aktuelle Ausgangslage weist dabei viele Parallelen mit der Situation von vor 14 und sieben Jahren auf. Der MACD steht auf einem ähnlichen Niveau (knapp unter der roten Linie), zudem lieferte der Indikator erstmals seit August 2011 wieder ein Verkaufssignal.  

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Posted in: Deutschland, Indizes

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

Comments are closed.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch die weitere Nutzung der Seite www.chartanalysen-online.de stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.