Startschuss zum Crash von 30 Prozent – oder doch nicht?

Der DAX hat am Dienstag den jüngsten Aufwärtskanal nach unten hin verlassen und damit ein Schwächesignal geliefert. Auch an der Wall Street kämpft der S&P 500 mit einer hohen Hürde – und droht erneut zu scheitern. Untergangspropheten waren vor einem erneuten Absturz. Wenig überraschend.  

So sicher wie das Amen in der Kirche sind die regelmäßigen Warnungen der Schwarzseher. Kaum verzeichnet der Aktienmarkt eine Verlustserie von wenigen Tagen, mehren sich wieder die Hinweise vor einem Crash an den Aktienmärkten. In dieser Woche meldete sich Marc Faber zu Wort. Der ungekrönte König der Untergangspropheten sieht in seinem Newsletter „Boom, Gloom & Doom Report“ einen Crash von mindestens 30 Prozent. Demnach steht uns nicht eine Korrektur, sondern eine neuer Bärenmarkt bevor. Jeder am Markt glaubt offenbar, dass die Zentralbanken zur Not bereitstehen und mit ihrer Politik des billigen Geldes eine größere Korrektur verhindern, so Faber. Dieses Argument ist durchaus berechtigt. Schaut man sich die Volatilität der vergangenen Jahre an, kann ein markanter Rückgang der Nervosität festgestellt werden. Bereinigende Rücksetzer hat es schon lange nicht mehr gegeben. Inzwischen steigt der S&P 500 seit 25 Monaten ohne eine Verlustserie von mindestens zehn Prozent. Nach Berechnungen der Helaba kam es in den Bullenmärkten seit 1928 überwiegend nach neun Monaten zu einer entsprechenden Korrektur. Damit steigt natürlich die Wahrscheinlichkeit für einen Erfolg der Bären. Doch noch gilt ganz klar die Ansage: The trend is your friend.

Richtig ist auch, dass der Aktienmarkt inzwischen nicht mehr günstig ist. Auf die Bewertungen im langfristigen Kontext war ich gestern eingegangen (Link). Als Begründung für seine neuerlichen Untergangswarnungen verweist Marc Faber mal wieder auf Barack Obama, den er als „very poor Predident“ bezeichnet. Bereits bei seiner Wiederwahl warnte er vor den Folgen des unbegrenzten Anstiegs der Schulden in den USA. Immerhin sind die privaten Haushalte und die Unternehmen mit rund 41,8 Billionen Dollar in den Miesen. Klettern die Zinsen nur um einen Prozentpunkt, drohen dem privaten Sektor zusätzliche Zinsbelastungen von 418 Mrd. Dollar. Das sind 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, die USA würden in eine Rezession stürzen. Weitere Trigger für einen Crash sieht Faber in den geopolitischen Gefahren und einem steigenden Ölpreis. Beide Faktoren wären in den Kursen noch nicht eingepreist. Fazit: Nüchtern betrachtet keine wirklichen Neuigkeiten.

Stunden- und Tagesanalyse:

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Halten wir uns lieber an die Fakten, und die liefern wie immer die Charts. Auch am Dienstag mussten die Käufer einen Rücksetzer einstecken, wobei man die Verluste nicht Sie sich nicht von den Crash-Propheten verunsichern.

Fakt ist, dass der DAX den seit April bestehenden Aufwärtskanal auf der Unterseite verlassen hat. Nicht mehr, und auch nicht weniger. Aufgrund des recht steilen Winkels war es ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis die Range einer nachlassenden Kaufkraft zum Opfer fällt. Frische Allzeithochs sind vorerst unwahrscheinlicher geworden. Neue Kaufsignale sendet der Markt erst, wenn der Deckel bei 10.050 gelüftet wird. Bis dahin sollten die Bullen sich eher in Zurückhaltung üben und auf günstige Einstiegsgelegenheiten achten.

Je weiter der DAX nun korrigiert, desto attraktiver die Möglichkeiten. Wichtig ist nur, dass aus technischer Sicht nicht zu viel Porzellan zerschlagen wird, relevante Chartmarken sollten sich also bewähren. Im Idealfall fällt der DAX bis an die Unterkante des Aufwärtskanals und somit die 200-Tage-Linie im Bereich  um 9400. Hier eröffnet sich dann wieder eine gute Kaufchance. Aber selbst ein Rücksetzer bis an die 8900er/9000er-Marke (Jahrestief) wäre noch akzeptabel. Eine Korrektur von rund 10 Prozent ausgehend vom Rekordhoch ist vollkommen normal und wirft ein paar zittrige Hände aus dem Markt. Aus Fibonacci-Sicht entspräche dies einer Korrektur bis an das 23,6 Prozent-Niveau der übergeordneten Aufwärtsbewegung – quasi ein Mindestkorrekturziel. Erst wenn die Kurse noch weiter zurückfallen sollte, ist der bullische Impuls kritisch zu hinterfragen.

Kurzfristig bietet sich dem DAX bereits bei 9700 / 9800 eine Gelegenheit zur Stabilisierung. Hier liegt das Ausbruchsniveau der vergangenen Monaten. Setzt eine zügige Erholung ein, lauern die nächsten Hürden um 9900 und 10.000.

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Wochenanalyse:

MACD mit gefährlicher Divergenz

Mittel- bis langfristig betrachtet ist die Rally trotz der seit gut sieben Monaten laufenden Konsolidierung weiterhin als intakt zu bezeichnen. Richtungsweisend ist ein seit Sommer 2012 bestehender Aufwärtskanal, dessen Extremzonen mehrfach bestätigt wurden und somit über eine gewisse Relevanz verfügen. Während zum Jahreswechsel verstärkt die Oberseite im Fokus stand, führte die jüngste Konsolidierung zu widerholten Tests der unteren Aufwärtstrendlinie. Bisher nutzten die Käufer jeden Rücksetzer zum Einstieg, ein Kursverhalten, das wir auch im vergangenen Jahr mehrfach gesehen haben. Lediglich die Tatsache, dass der DAX bereits länger nicht mehr die obere Trendlinie angelaufen hat, kann als Schwächesignal ausgelegt werden.

Aus technischer Sicht stellt die 10.000er-Schwelle nur eine unbedeutende Kursmarke dar. Inzwischen scheint der psychologische Effekt aber den DAX zumindest zu einer Atempause zu zwingen. Potenzial auf der Oberseite wäre durchaus noch vorhanden, mittelfristig lässt der Kanal Platz bis 10.850.

Auf der Südseite ist der DAX gut abgesichert. Neben der erwähnten, zuletzt mehrfach bestätigten Aufwärtstrendlinie bei derzeit rund 9500 sorgen auch die 200-Tage-Linie bei 9385 und die breite horizontale Unterstützungszone um 8900 / 9000 für Sicherheit. Eine größere Umkehrformation und somit Schwächesignal in der mittel- bis langfristigen Zeitebene wird erst mit Kursen von unter 8900 aktiviert.

Warnsignal kommen von der Markttechnik. Der DSS Bressert ist in seine obere Extremzone vorgestoßen und kippt allmählich in den neutralen Bereich. Der MACD bildete sogar gegenüber seinem Hochpunkt zum Jahreswechsel eine tiefere Umkehr aus, obwohl der DAX neue Hochs erreichte. Diese negative Divergenz muss genau verfolgt werden und könnte ein Hinweis auf eine größere Korrekturbewegung sein.

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie vor allem den trendfolgenden MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Allmählich erreicht der Signalgeber die Niveaus aus dem Jahr 2000 und 2007 (rote Linie).

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

Comments are closed.

Werbung
Werbung banner ad
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch die weitere Nutzung der Seite www.chartanalysen-online.de stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.