By 29. Oktober 2015 Read More →

Spekulationen auf Kredit: Platzt hier die große Blase?

Notenbanken: Das Schöne am Wahnsinn ist dass er, um einmal einige der gängigen Worthülsen zu bemühen, für die Betroffenen „alternativlos ist“, „keine Obergrenze kennt“ und „nicht kontigentierbar“ ist. Das gilt auch für die Notenbanken. Die Geister, die sie aus der Flasche ließen, können sie nicht nur nicht mehr einfangen, sie müssen sogar ständig neue Flaschen öffnen.

 

Die EZB und die chinesische Zentralbank haben das in der abgelaufen Woche getan, indem sie noch mehr Geld zur „Stützung der Wirtschaft“ ankündigten bzw. den Leitzins senkten.

Einen Arzt, der mit einer medikamentösen Therapie keinerlei Erfolg hat und sie daraufhin sukzessive so lange erhöht, bis der Patient an den Nebenwirkungen verstirbt, darf sich nach einem anderen Betätigungsfeld umsehen. Ein Notenbanker, der das Gleiche tut und en passant nebenbei das Credo vertritt, dass eine Währung genau nur dann stabil ist, wenn sie pro Jahr zwei Prozent an Wert verliert, wird hingegen gefeiert, wie der dieswöchige Hype an den europäischen Aktienmärkten belegt – den ich so nicht erwartet hatte.

Die perspektivisch wichtigere Entwicklung liegt jedoch nicht in der mittlerweile tatsächlich alternativlosen Politik des weiteren Gelddruckens, ohne die der unausweichliche Kollaps früher käme, sondern in anderen Bereichen. Beispielsweise in der sinkenden Bereitschaft Chinas, seine Rolle als weltweit größter Gläubiger der USA aufrechtzuerhalten. Das, was Sie im Chart der Devisenreserven Chinas oben sehen, darf getrost als massiver Affront Pekings gegen die USA verstanden werden. Und als Warnung. Denn wenn Peking wollte, könnte es den US-Staatshaushalt mittlerweile al Gusto in sich zusammenfallen lassen.

retz_2910

Russland und China, man muss es zugeben, bieten der sich kurz vor ihrer Vollendung wähnenden Neuen Weltordnung (NWO) militärisch und ökonomisch Einhalt. Vielleicht erklärt das, warum nun alle Bemühungen laufen, Europa noch rasch anderweitig zu beschäftigen, bevor auch dieser Kontinent zur sich bildenden Allianz zwischen Russland und China aufschließen könnte.

In meinem „Offenen Brief“ vom 11. September, der mittlerweile geschätzt weit über eine Million mal gelesen worden sein dürfte, habe ich auf die von den Bestseller-Autoren George Friedman und Thomas P. M. Barnett skizzierte „Planung“ für Europa hingewiesen, die sonderbarerweise von der Kanzlerin nolens oder doch volens 1: 1 umgesetzt wird. Wenn Sie den Brief noch nicht kennen, schreiben Sie mir an axel-retz@t-online.de. Und wenn Sie eine mittlerweile auf Leserwünsche hin fertiggestellte, englischsprachige Version wünschen, bitte ebenfalls. Der US-Botschaft in Berlin wird sie in Kürze zugehen.

Neben dem bis jetzt (!) ja noch moderaten Abbau der Dollarreserven durch China hat die amerikanische Wirtschaft aber noch ganz andere Probleme. Die Gründung der AIIB und der NDB BRICS, die beide die Vormachtstellung des US-Dollars, des IWF und der Weltbank unterminieren, ist es vor allem die Vermögensverteilung in den USA, die Anlass zur Sorge gibt:

Die reichsten 0,1 Prozent der Bevölkerung verfügten 2014 über fast genau so viel Vermögen wie die untersten 90 Prozent. 2015 dürften sich die Kurven so gut wie sicher sogar überschneiden. Für eine Volkswirtschaft, deren BIP zu rund 80 Prozent vom Binnenkonsum abhängt, ist das eine ausgesprochen gefährliche Entwicklung. Einfach, weil sich niemand aus der Gruppe der 0,1 Prozent Superreichen 900 Kühlschränke, 900 Kleinwagen oder 900 Rasenmäher oder Uhren etc. kaufen wird. Die Entwicklung des realen Jahreseinkommens der „untersten 90 Prozent“ der Bevölkerung sieht so aus: 2014 lag es bei 33.068 US-Dollar pro Jahr und damit fast 900 US-Dollar unter dem Stand von 1968. Fast fünf Jahrzehnte Stagnation der Einkommen bei 90 Prozent der Bevölkerung aber lassen nun einmal einfach kein „Wachstum“ zu, es sei denn, die potentiellen Käufer finanzieren ihren Konsum über Kredit, was sich aber über kurz oder lang von selbst erledigt.

Margin Debt: Bearishes Omen

Einer der zuverlässigsten Indikatoren für die Wall Street ist und bleibt die Nachfrage nach Wertpapierkrediten durch institutionelle Anleger. Wie gut die oberen und unteren Wendepunkte der Bereitschaft, auf Pump zu spekulieren, mit den großen Wendepunkten der Wall Street korrelieren, das verdeutlicht der nebenstehende Chart.

retz_2910_1

Die aktuelle Aufwärtsbewegung an der Wall Street dürfte daher auf sehr brüchigem Fundament stehen. Und je mehr Notenbanken durch die Forcierung der ultralockeren Geldpolitik Auftrieb verleihen, um so schwieriger wir die Lage für US-Exporte.

DAX: Massiver Widerstand nahe 11.000

Hierzulande gibt man sich derweil der Hoffnung hin, dass genau das, was bis jetzt einfach nicht funktio-nieren wollte, diesmal gelingen wird.

Weder bei der angeblich beabsichtigten Ankurbelung der Wirtschaft noch bei der Kreditvergabe an Unter-nehmen geschweige denn bei der Re-Inflationierung in Richtung der Zwei-Prozentmarke hat die EZB bis jetzt nennenswerte Erfolge zu verzeichnen – eher ist das Gegenteil der Fall.

retz_2910_2

Die Kursgewinne des DAX konnten sich durchaus sehen lassen, passen allerdings nicht zu den rückläufigen Auftragseingängen, dem negativen ZEW-Index und der sich ungebremst fortsetzenden Konjunkturabschwächung in China und den USA. Charttechnisch betrachtet, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Aufwärtsbewegung nahe/knapp über 11.000 Punkten totläuft. Denn dort trifft der Index sowohl auf den 200 Tage-GD als auch auf die vom Allzeithoch ausgehende Abwärtstrendlinie. Zeigen sich nahe 11.000 technische Signale einer Abwärtswende, werden die völlig überrumpelten Bären (zu denen auch ich mich zähle) die nächste Chance zum Einstieg nach unten bekommen!

EUR/AUD: Ein schöner Anlauf

Der wieder sinkende Rogers Commodity-Index und der nachgebende Ölpreis unterstreichen, dass die Rohstoffmärkte mittlerweile das einzige Marktsegment sind, das der Lage der Weltwirtschaft noch adäquat Rechnung trägt.

Umso sicherer bin ich mir, dass EUR/AUD bald meine hochgesteckten Erwartungen an einen Ausbruch nach oben erfüllen wird, zumal die Charttechnik sehr bullish ist.

retz_2910_3

Denn die nach dem gescheiterten Ausbruchsversuch nach oben eingeleitete Abwärtskorrektur verläuft innerhalb einer perfekten charttechnischen „Flagge“. Und diese Formation ist – ebenso wie der „Wimpel“ mit das Zuverlässigste, was die Werkzeugkiste der technischen Analyse zu bieten hat. EUR/AUD und Rohöl bleiben meine Favoriten. Einmal für einen Call, einmal für einen Put. Umsetzen werde ich diese Positionen zuerst in Secretz (www.secretz-online.de).

Viel Erfolg und beste Grüße!

Axel Retz

 

 

 

 

About the Author:

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

Comments are closed.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch die weitere Nutzung der Seite www.chartanalysen-online.de stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.