By 31. Juli 2015 Read More →

Spannende Divergenzen in wichtigen Sektoren

Kurzfristig gewinnen die Bullen systematisch an Boden zurück und es bilden sich im wichtigen Transportsektor positive Divergenzen. Möglicherweise wird der Sommer weniger turbulent als von vielen erwartet und die Tiefs der vergangenen Wochen waren vielleicht übertrieben.

Liebe Anlegerinnen und Anleger,

nun liegt also mit der Sitzung der US-Notenbank FED das vermeintlich wichtigste Ereignis der Handelswoche hinter uns – und die Stimmung der Akteure an den wichtigsten Börsen fühlt sich unverändert an. Das beliebte Rätselraten, ob die FED nun wirklich im September die Zinsen anhebt oder eben auch nicht, geht in eine neue Runde. Die Wortwahl während der Pressekonferenz der FED blieb praktisch unverändert (im Vergleich zur vorigen Sitzung) und der Notenbank bleibt nur die Wahl zwischen den beiden ungeliebten Alternativen, die Konjunktur abzuwürgen oder eine anziehende Inflation zu riskieren. Davon einmal abgesehen besteht natürlich auch kein Interesse daran, eine Blase an den Gütermärkten aufzupumpen.

Obwohl die Situation für die Notenbanken unangenehm ist, könnte sich daraus für uns Anleger die große Chance ableiten, dass wir uns, falls sich die Wirtschaft weiter moderat erholt, auch in den kommenden Monaten in einem für Aktien fast idealen Umfeld bewegen. Verdächtig und gefährlich für den Aufwärtstrend ist dabei nur, dass zu viele Analysten und Investoren diese oder eine sehr ähnliche Meinung vertreten – und bekanntlich die Mehrheit an der Börse nur selten richtig liegt.

Auch in der gegenwärtigen Situation könnte es sich daher lohnen, sehr genau darauf zu achten, ob die Erwartungen der Anleger zu den Nachrichten passen, die derzeit auf die Märkte einprasseln. Denn immerhin sind in den heutigen Kursen alle bekannten relevanten Nachrichten enthalten. Nur überraschende neue Nachrichten sind in der Lage, die Erwartungen der Investoren grundsätzlich zu ändern. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass während der Griechenlandkrise kaum jemand auf die Situation in China blickte, obwohl eine dortige etwaige Finanzkrise viel größere Auswirkungen auf die globale Wirtschaft hätte als das wirtschaftlich eher unbedeutende Griechenland.

Denn falls China wirklich in eine Finanzkrise schlittern sollte (wovon ich überhaupt nicht ausgehe) und sich das Wachstum noch weiter abkühlt, bekommt die deutsche Exportindustrie mindestens einen Husten. Die Revision der Absatzzahlen von VW ist dafür das erste Anzeichen. Immerhin erwirtschaftet VW 60 % seines Gewinnes nach Steuern in China. Kein Wunder, dass sich die Anleger schon seit Wochen um das chinesische Wachstum sorgen.

Insofern ist es auch kein Zufall, dass der US- Transportsektor, auf dessen Schwäche ich hier mehrfach hingewiesen habe, sich stark divergent zu den übergeordneten US-Indizes entwickelt hat. Immerhin ist der Transport von Rohstoffen, Halbzeugen und fertigen Waren eine der wirtschaftlichen Entwicklung vorauseilende Tätigkeit. Auch diesmal wäre es hilfreich gewesen, die Warnung der schwachen Transportaktien in den vergangenen Wochen nicht zu überhören.

Die wichtigen Transportaktien deuten auf eine Wende

Obwohl die wichtigsten US-Indizes trotz der Erholung der vergangenen Tage noch keine entscheidende Verbesserung zeigen, ergibt sich vollkommen konträr dazu erneut eine interessante Konstellation im wichtigen Transportsektor. Ähnlich wie im vergangenen Winter, diesmal nur mit umgekehrten Vorzeichen, scheint sich eine Wende bei den Transportaktien abzuzeichnen. Da auch wichtige zyklische und objektive Kriterien darauf hindeuten, dass die breite US- Börse stark überverkauft ist, könnte sich hier mindestens eine interessante Gelegenheit für die kurzfristigen Akteure anbieten – vielleicht aber auch mehr.

Zunächst einmal zeigt der folgende Chart der Transportaktien, dass übergeordnet die Verkäufer nach wie vor im Vorteil sind, da die wichtige 200- Tage- Linie leicht nach unten geneigt ist und von der 50- Tage- Linie unterschritten wurde.

Der mittelfristige Trend auf Basis von Wochen bis wenigen Monaten zeigt also eher nach unten. Aber trotzdem scheint im Zusammenhang mit der Vorlage der Halbjahreszahlen wichtiger Indexmitglieder ein Umdenken einzusetzen. Anscheinend wurden hier noch größere Bremsspuren infolge des geringeren Transportvolumens von Kohle und Rohstoffen erwartet. Vielleicht setzen frühe Anleger bereits auf ein wichtiges zyklisches Tief bei den Rohstoffpreisen- und Mengen und auf eine steigende Auslastung des Transportwesens.

Möglicherweise erkennen die hart gesottenen Anleger die Chance auf einen günstigen Einstieg oder die Verstärkung von Positionen. Jedenfalls deuten die beiden sehr dynamischen und positiven weißen Kerzen im Chart auf ein Umdenken der Anleger, welches den gesamten Markt positiv beeinflussen könnte. Interessant ist auch, dass der Index mittlerweile wieder oberhalb der 50- Tage- Linie notiert, entgegen deren Verlauf viele große Anleger nur ungern handeln. Ebenfalls schlägt sich der Stimmungswandel bereits in der Markttechnik wider, was die wichtigen Kaufsignale im MACD und RSI zeigen.

Nun kommt es für uns Anleger darauf an, die Entwicklung des wichtigen Transportsektors aufmerksam zu beobachten um zu erkennen, ob hier eine wichtige Weichenstellung in Richtung einer deutlichen Erholung des breiten Marktes und der anderem Sektoren gelegt wird.

Der innere Markt bleibt übergeordnet skeptisch

Daher verfolge ich hier auch des Öfteren die wichtigen Risikoindikatoren des inneren Marktes. Aktienmärkte tendieren dazu, zwischen extremen Zuständen hin und her zu pendeln. Während einer freundlichen Marktphase steigen etwa 85 % aller gehandelten Aktien – und umgekehrt in einer Baisse.

Entsprechend zeigt Ihnen der folgende Indikator, ob Sie eher defensiv oder offensiv aufgestellt sein sollten. Oder auch ganz einfach, ob der Markt von der Nachfrage oder dem Angebot gelenkt wird.

Seit einigen Wochen sind übergeordnet ganz eindeutig die Verkäufer am Ball. Nachdem zu Beginn des Jahres noch etwa 75 % der an der NYSE gehandelten Aktien auf einem Kaufsignal der P & F Technik notierten, hat sich diese Anzahl seither kontinuierlich verringert. Die Marktbreite hat sich verschlechtert und heute handeln nur noch 48 % der Aktien auf einem Kaufsignal.

Systematisch wird Kapital abgezogen, große Anleger kehren dem Markt den Rücken zu und immer mehr Aktien verlieren eine ihrer wichtigsten Unterstützungen.

Neue Engagements, z.B. im oben angesprochenen interessanten Transportsektor sind also in diesem Sinne zunächst antizyklisch. Grundsätzlich sollte man eher diszipliniert eine Bodenbildung abwarten und diese nicht voreilig antizipieren. Langfristig ist es erfolgreicher abzuwarten, bis wieder systematisch Geld in den Markt fließt.

Obwohl hier die US- Börse betrachtet wird, ist die Aussagekraft des Indikators wegen der weltweiten Leitfunktion der US- Börse auch für die europäischen und die internationalen Börsenplätzen sehr hoch.

Nur kurz zu Erinnerung:

Der NYSE BPI wird berechnet, indem alle an der New Yorker Börse gelisteten Aktien ausgewertet und gezählt werden, wieviele von ihnen sich auf einem Point & Figure Kaufsignal befinden. Diese Anzahl wird durch die Gesamtzahl der an der NYSE gelisteten Aktien dividiert und auf 100 Prozent bezogen.

Wenn nun eine größere Anzahl an Aktien von einem P & F Kaufsignal in ein P & Verkaufssignal wechseln, so lässt sich daraus folgern, dass in einem gewissen Umfang Kapital in den Markt fließt. Und natürlich umgekehrt.

Damit bleibt noch die Frage, ab wann ein derartiger Mittelzufluss oder Kapitalabzug relevant ist. Denn man möchte sich ja als Anleger nicht bei jeder kleinen Kursbewegung erneut die Frage stellen, wie nun vorzugehen ist oder ob sich ein neuer Trend etabliert. Historisch bewährt hat sich hier die Schwelle von 3 Boxen. Wenn also der Index über 3 Boxen steigt oder fällt, findet ein Wechsel in eine neue X- oder O-Spalte statt. Deswegen stehen in einer Spalte auch entweder nur X oder 0. Entweder sind die Bullen oder die Bären eindeutig im Vorteil in einer bestimmten Marktphase und entsprechend sollten Sie agieren.

Fazit:

Der oben gezeigte NYSE Bullish Percent Indikator ist keine Glaskugel sondern ein Risikoindikator, der Ihnen zeigt, ob Sie eher defensiv oder offensiv agieren sollten. Seit einigen Tagen handeln wir in der für uns Anleger ungünstigsten Ausprägung des Indikators, die als bestätigter Bärenmarkt bezeichnet wird. Die aktuelle negative 0-Spalte im rechten Bereich hat die vorhergehende unterschritten.

Es wird also weiterhin Kapital abgezogen, obwohl wir langfristig betrachtet noch längst nicht in der unteren überverkauften Zone angekommen sind. Es gibt aber auch einen „Hoffnungsschimmer“ für uns Anleger, da der Indikator unmittelbar auf einer aufsteigenden Unterstützungsgerade notiert und von hier aus Schwung für eine Gegenbewegung finden könnte.

Daher soll dieser Beitrag keine Crash-Warnung und keine Prognose sein, sondern Ihnen „nur“ das aktuelle Marktgeschehen aus einer völlig anderen Perspektive zeigen. Vor allem soll Ihnen der Indikator dabei helfen, diejenigen Marktphasen herauszufiltern, in denen Sie „Mr.Market“ möglichst viele Punkte abnehmen können. Und natürlich auch diejenigen, in denen Sie noch vorsichtiger als üblich sein sollten.

Die weiteren Hintergründe der Philosophie des inneren Marktes können Sie hier in meinem Gratis-E-Book erfahren.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit ihren Positionen und sommerliche Grüße aus dem Rheinland,

Ihr Klaus Buhl

Posted in: Gastbeiträge

About the Author:

Klaus Buhl ist seit über 15 Jahren als Portfoliomanager und Analyst tätig und betreibt u.a. das Portal www.libra-invest.de. Dort erhalten Sie praktische Hinweise über die sinnvolle Kombination von marktneutralen bzw. vermögensverwaltenden Strategien in Abhängigkeit vom jeweiligen Börsenzyklus. Ein kostenloser Newsletter informiert regelmäßig über neue Entwicklungen. „Ich verspreche Ihnen keinen schnellen Reichtum, aber konstante Performance und regelmäßige Erträge in jeder Marktphase. Aber vor allem: Keine Verluste mehr!”

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