Silber – die fundamentale und charttechnische Analyse – Teil II

 Im ersten Teil der Silber-Analyse wurde das Inflationsumfeld skizziert, was für Silber und andere Edelmetalle grundsätzlich belastend ist. Aber es gibt noch weitere Einflussfaktoren, die es zu beachten gilt. Welche Produkte lohnen sich für den Einstieg?

 

Den ersten Teil finden Sie HIER.

 

Konjunktur läuft nicht rund

Bleibt als letzter Kurstreiber für Silber die industrielle Nachfrage. Auch wenn Investoren in den vergangenen Jahren Silber verstärkt als Anlageobjekt entdeckten, steht die Industrie für deutlich mehr als 50 Prozent der Gesamtnachfrage. Die konjunkturelle Entwicklung beeinflusst somit erheblich den Silberpreis. Aber auch hier sind die Aussichten eher mau. In den USA sackte der ISM-Index unter die Expansionsschwelle von 50 Punkten und auch das Pendant aus China deutet auf einen stotternden Wirtschaftsmotor. Europa befindet sich nach offizieller Lesart in der Rezession. Bereits seit mehr als einem Jahr schrumpft die Wirtschaft in der Eurozone und auch im ersten Quartal 2013 ging es weiter gen Süden. Aber es gibt auch einen Silberstreif am Horizont. In den südeuropäischen Staaten ist zumindest eine Stabilisierung auf dem Arbeitsmarkt zu erkennen. Sollten in Rom wieder stabile politische Verhältnisse herrschen und Frankreich die längst überfälligen Reformen anpacken, könnte zumindest etwas Rückenwind für Silber aufkommen. Zuletzt zeigten auch die besser als erwarteten Einkaufsmanagerindizes im verarbeitenden Gewerbe für Europa in die richtige Richtung. Lobenswert ist vor allem, dass die Stimmung in den südlichen Ländern wie Spanien und Griechenland aktuell teilweise auf dem höchsten Stand seit zwei Jahren liegt.

 

 

Gold ist vergleichsweise teuer

Dennoch: Bei nüchterner Betrachtung aller Einflussfaktoren kann es eigentlich nur weiter abwärts gehen. Aber: Eine der bekanntesten Börsenregeln lautet: Der Markt geht immer den Weg des größten Schmerzes. Und der ist nach Verlusten von rund 55 Prozent seit dem Rekordhoch eher nicht nach unten gerichtet. Keiner wollte den DAX im Frühjahr 2003 bei 2500 oder sechs Jahre später bei 3800 Punkten kaufen. Ähnlich düster wie damals ist derzeit auch die Stimmung bei Silber. Außerdem haben die Silber-Bullen noch einen kleinen Trumpf in der Hand. Zuletzt entwickelte sich Silber deutlich schwächer als der große Bruder. Die Gold/Silber-Ratio legt bereits seit mehreren Monaten zu und steht aktuell bei 63. Silber ist damit so günstig im Verhältnis zu Gold wie seit Ende 2010 nicht mehr. Zur Einordnung: Die durchschnittliche Ratio der vergangenen Jahrzehnte liegt knapp über 50.

 

Gute Unterstützung in Sicht

Blicken wir auf den Kursverlauf. Im Gegensatz zu Gold rutschte Silber Mitte Mai unter das April- und damit auch Jahrestief. Doch wer auf einen Ausverkauf spekulierte, wurde bitter enttäuscht. Lassen wir den bisher weiterhin rätselhaften Intraday-Einbruch vom 20. Mai außen vor, kristallisierte sich zuletzt knapp über 22 Dollar eine starke Unterstützung aus. Seit rund einem halben Monat pendelte der Preis in einer äußerst engen Spanne zwischen 22 bis 23 Dollar. Erfahrungsgemäß werden enge Seitwärtsbewegungen mit einer impulsiven Kursreaktion aufgelöst, die umso kräftiger ausfallen kann, je länger die Notierungen auf der Stelle dümpeln und je enger die Spanne ist. Ein ähnliches Kursverhalten zeigte Silber bereits zwischen Ende Februar und Ende März – was danach passierte wissen wir. Nach dem Rücksetzer am Freitag scheint sich Silber für einen Ausbruch auf der Unterseite zu entscheiden. Angesichts der intakten mittel- bis langfristigen Abwärtstrends wenig überraschend. Ähnlich wie bei Gold sollte das Risiko dank der massiven Unterstützung zwischen 19,50 bis 20 Dollar aber begrenzt sein. Richtung Norden liegt für die Feinunze eine wichtige Hürde am Hoch der Gegenbewegung von Ende April bei 25 Dollar. Kurse darüber würden ein kleines Kaufsignal aktivieren und weiteres Potenzial bis 26 und darüber knapp 30 Dollar eröffnen.

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

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Passende Produkte

Bei der Auswahl des richtigen Produktes spielt der Anlagehorizont eine entscheidende Rolle. Wer sich mit Silber-Barren im Haus unwohl fühlt oder die Gebühren einer Verwahrung im Safe sparen möchte, sollte bei einem mittel- bis langfristigen Anlagehorizont über Silber-ETCs oder Zertifikate nachdenken. Wichtig: Im Unterschied zu Direktanlagen unterliegen die börsengehandelten Papiere unabhängig von der Haltedauer der Abgeltungssteuer von 25 Prozent. Im Bereich der ETCs können Anleger mit dem db Physical Silber – WKN A1E0HS – auf ein Comeback im zweiten Halbjahr setzen und sukzessive Positionen aufbauen. Wer lieber etwa spekulativer unterwegs sein möchte, greift zu Hebelpapieren. Von Knock-Outs sollten Anleger bei Silber eher die Finger lassen, denn kurze aber scharfe Rücksetzer wie zuletzt Mitte Mai sind keine Seltenheit und würden die Gefahr eines Totalverlustes deutlich erhöhen. Sinnvoller erscheinen daher für Optimisten Call-Papiere, wie der bis Anfang Juni 2014 laufende Schein mit der WKN CZ3LM0 und einem Basispreis von 25 Dollar. Aktuell kostet das Papier 1,40 Euro und würde bis zur Fälligkeit auf rund 3,90 Euro steigen, wenn Silber bei 30 Dollar steht. Natürlich kann der Optionsschein bei einer zwischenzeitlichen Erholung auch wesentlich früher und mit etwas mehr Zeitwert verkauft werden.

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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