By 26. Mai 2013 Read More →

Noch ist nicht viel geschehen

Mit den jüngsten Kursverlusten scheint sich der Markt endlich die wohl verdiente Pause zu gönnen. Oder gibt es neue Fakten, die auf eine nachhaltige Trendwende deuten?

 

Liebe Leserinnen und Leser,

fast wäre es ja langweilig geworden für uns Anleger. Ich für meinen Teil kann mich jedenfalls kaum  an eine derartig ausgedehnte Serie von positiven Börsentagen in Serie erinnern und will Sie an dieser Stelle daran erinnern, dass man als Börsianer stets vom üblichen und nicht vom außergewöhnlichen ausgehen sollte. Bis ins Jahr 1999 wird man diesbezüglich wohl schon zurückdenken müssen. Am Donnerstag jedenfalls war es dann vorbei mit der Beschaulichkeit und kaum eröffnete der DAX zur Abwechslung zwei Prozent tiefer, lag bereits ein Hauch von Panik in der Luft. Der Blick durch die Schlagzeilen der Massenmedien ließ bei mir den Verdacht aufkommen, etwas unerwartetes oder besonderes müsse sich ereignet haben. Sehr schnell aber wurde mir dann bewußt, dass eigentlich nichts Neues geschehen ist und die salomonische Wortwahl einiger FED-Direktoren bereits vor wenigen Tagen in Medien wie dem US-Magazin „Barron`s“ diskutiert wurde.

Aber was steckte wirklich hinter der scharfen Reaktion der Investoren auf den Schlingerkurs von FED-Chef Bernanke? Sehen wir aktuell nur völlig normale Gewinnmitnahmen oder steckt am Ende doch mehr dahinter? Vordergründig waren die Börsianer verschnupft, dass sich Bernanke zunächst im Kongress für eine Verlängerung der extrem expansiven Geldpolitik aussprach. Kurze Zeit später jedoch, als die Protokolle der vergangenen Notenbanksitzung veröffentlich wurden, ließ sich eine andere Sichtweise erkennen. Demnach könne die FED im Falle einer Erholung der Konjunktur auch rasch eine straffere Geldpolitik beschließen. Insofern ist die Reaktion der Anleger zwar nachvollziehbar, ändert aber nichts an den bis dato bereits diskutierten Optionen über das mögliche Ende der extrem lockeren Zinspolitik.

 

Neue Fakten oder nur Gewinnmitnahmen?

Neues kann ich dem FED-Protokoll nicht entnehmen. Zumal die verschiedenen Ausstiegsszenarien aus der künstlichen Zinsdrückung wirklich nicht erst seit gestern diskutiert werden. Insofern deutet vieles darauf hin, dass wir gestern einfach nur den Beginn einer völlig normalen Korrektur gesehen haben, die von vielen längst erwartet wurde. Der Beginn dieser Konsolidierung, falls es überhaupt zu einer solchen kommt, ist nicht untypisch. Denn die Berichterstattung nach den jüngsten Börsenhochs hat viele spätentschlossene Anleger, die Angst hatten etwas zu verpassen, in die Märkte gezogen. Diese nervösen und zittrigen Anleger sind potentiell auch diejenigen, die bei geringstem Gegenwind als erste ihre Positionen schließen und  Gewinnmitnahmen auslösen. Etwas gefährlich wird die Situation aber erst, wenn auch größerer Anleger im Falle einer Erholung in den kommenden Tagen massiv ihre Risiken begrenzen, Positionen abbauen und Gewinne mitnehmen. Dann bestünde natürlich die Gefahr, dass wir in eine Umverteilungsphase gerieten, in der kontinuierlich die Stücke von den starken an die schwachen Hände umverteilt werden.

 

Transportsektor reagiert nervös

Obwohl bisher nicht besonders viel passiert ist, kann man die Nervosität im Bullenlager spüren. Deutlich macht sich die Angst breit, dass die FED die Hausse im wahrsten Sinne des Wortes ersticken könnte. Immerhin besteht kaum Zweifel daran, dass nach den fulminanten Kurssteigerungen der jüngeren Vergangenheit die Schere zwischen den Unternehmensgewinnen und den eingepreisten Erwartungen sehr hoch ist. Da aber die Gewinne und die Geschäftsaussichten der Firmen (und eben nicht die schiere Liquidität) der wichtigste Kurstreiber sind, lohnt heute mal wieder ein Blick auf den Transportsektor, der bekanntlich sehr empfindlich auf Veränderungen in der konjunkturellen Erwartung reagiert.

Wie der wenig aufgeregte Transportsektor zeigt, haben die Bullen kurzfristig das Zepter aus der Hand gelegt – aber noch längst nicht die Schlacht verloren. Bisher erkennen Sie nur eine harmlose Korrektur in Form der 0-Spalte, aber noch lange kein Verkaufssignal. Dieses würde erst bei 5.900 Punkten – also in komfortabler Entfernung – ausgelöst werden. Bis dahin wäre das positive Szenario aus dieser Perspektive nicht in Gefahr, auch wenn es aktuell andere gute Gründe gibt, seine Stopps relativ eng zu setzen. Bis zur Generierung eines Verkaufssignals bleibt das positive übergeordnete Projektionsziel von 7.800 Punkten erhalten.

 

Nebenwerte noch ungefährdet

Ein ähnliches Bild zeigen die Nebenwerte, für die ich als „Proxy“ heute wieder den bedeutenden US Russel-Index zeige. Nach der ungewöhnlich dynamischen X-Spalte atmen die Bullen etwas aus, sind aber noch längst nicht in ernster Bedrängnis.

Der innere Markt

Hier sehen Sie den meiner Meinung nach besten kurzfristigen Risikoindikator auf Basis von einigen Tagen bis Wochen. Wie Sie erkennen, hat sich die Anzahl der Aktien oberhalb ihrer 50 Tage-Linie so stark reduziert, dass sich eine negative 0-Spalte oben rechts im Chart gebildet hat, die diese Eintrübung grafisch manifestiert.

Da sich die 0-Spalte tief in der oberen extremen Zone gebildet hat, muss also auch von einer kurzfristig recht hohen Fallhöhe ausgegangen werden. Falls sich die Korrektur ausweiten sollte, würden wir in Anlehnung an dieses zyklische Muster also erst an ihrem Beginn stehen und hätten noch eine gewisse Wegstrecke nach unten zurückzulegen, bis sich der Markt wieder in seiner Mitte eingependelt hätte.

Die konkreten Handelsanweisungen und Möglichkeiten, wie Sie sich nun in den Märkten bewegen ohne dabei zu große Risiken einzugehen,  entnehmen Sie bitte meinem neuen Premium-Dienst.

Zur Erinnerung:

Abgebildet sehen Sie den wichtigsten kurzfristigen und objektiven Risiko-Indikator des inneren Marktes. Hier wird gezeigt, wieviel  Prozent der Titel an der NYSE oberhalb ihrer 50-Tage-Linie handeln. Damit wird grundsätzlich die Marktbreite verdeutlicht und überprüft, ob viele oder nur wenige hochkapitalisierte Titel eine Bewegung mittragen. Oberhalb von 70 % beginnt die obere extreme Zone, die einen überhitzten Marktzustand konstatiert.

Vergleichen Sie das Pendeln der Märkte und Risikozustände doch einfach mal mit dem Bau eines Turmes aus Holzklötzen. Die ersten Etagen Ihres Turms lassen sich wunderbar stapeln. Doch dann wird es immer schwieriger, der Turm beginnt zu schwanken und irgendwann fällt er unweigerlich in  sich zusammen. Genauso verhält es sich mit Trends an den Märkten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Trend erhalten bleibt, ist größer als ein Trendwechsel. Doch eines Tages nehmen die frühen Investoren ihre Gewinne mit und der Trend kippt, obwohl man dafür keine sinnvollen Gründe erkennen kann. Der hier gezeigte 50-Tage-Indikator ist also nichts weiter als ein Instrument, dass Ihnen aus einer völlig anderen Perspektive zeigt, wo Sie heute mit Ihren Positionen in den Märkten stehen.

 

Der Dax atmet kräftig aus

Ganz abgesehen von den oben angesprochenen Irritationen um das FED-Protokoll bzw. einfach nur wegen der zyklischen Schwäche, gesellten sich zur Abwechslung mal wieder die altbekannten Sorgen um die Zukunft des Euros. Konkret entfachte der Chef der Eurogruppe wieder alte Überlegungen, für Griechenland einen weiteren Schuldenschnitt vorzunehmen.

Da im Sinne der P & F Technik noch nicht viel geschehen ist, zeige ich Ihnen heute den Kerzenchart des DAX. Hier haben sich Formationen und potentielle Signale gebildet, die man aufmerksam beobachten sollte. Zum einen wurde das Überschießen der Kurse bei 8.500 deutlich abgelehnt  und man erkennt gut den dortigen Angebotsüberhang. Am Folgetag bildete sich ein oberes „Hämmerchen“, welches häufig gegen Ende eines positiven Trends zu beobachten ist. Jedenfalls war die Reaktion der Bullen auf den Angriff der Bären nur sehr verhalten und nun vergrößert sich die Gefahr, dass der DAX demnächst die Gegend knapp oberhalb von 8.150 Punkten testen wird.  Ein Ausrufezeichen setzt auch die Markttechnik in Form des abknickenden MACD und RSI. Vor allem der „Haken“ im RSI oberhalb von 70 verdient Ihre Aufmerksamkeit.

Fazit: Bisher sieht es danach aus, als ob die Märkte einfach kräftig ausatmen würden. Völlig normal und wohlverdient also. Sehr gut beobachten aber würde ich die Region zwischen 8.050 und 8.100 Punkten, wo wichtige Unterstützungen der P & F Technik liegen. Unterhalb davon wäre sogar die Marke von 8.000 in Gefahr.

In unserer Vermögensverwaltung, die im Wesentlichen nach dem Regelwerk des „Inneren Marktes“ geführt wird, haben wir Gewinne mitgenommen und Liquidität aufgebaut um handlungsfähig zu bleiben. Wer weiß, vielleicht ergeben sich in den nächsten Tagen ja doch noch gute Einstiegsmöglichkeiten. Ich wäre diesbezüglich nicht abgeneigt, tippe aber wegen der hohen Liquidität nur auf geringe Rückschläge. Bitte führen Sie sich in diesem Zusammenhang aber vor Augen, dass man mit etwas Fingerspitzengefühl zwar die grobe Trendrichtung der Indizes vorhersagen kann – aber keinesfalls die genauen Rücksetzer und kürzeren Turbulenzen innerhalb von übergeordneten Trends. Dafür wäre unbedingt eine Glaskugel erforderlich.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein erholsames und hoffentlich nicht zu feuchtes Wochenende.

Bitte beachten Sie auch meinen informativen Newsletter.

 

Ihr Klaus Buhl

 

 

 

Klaus Buhl ist seit über 15 Jahren als Portfoliomanager und Analyst tätig und betreibt u.a. das Portal www.libra-invest.de. Dort erhalten Sie praktische Hinweise über die sinnvolle Kombination von marktneutralen bzw. vermögensverwaltenden Strategien in Abhängigkeit vom jeweiligen Börsenzyklus. Ein kostenloser Newsletter informiert regelmäßig über neue Entwicklungen. „Ich verspreche Ihnen keinen schnellen Reichtum, aber konstante Performance und regelmäßige Erträge in jeder Marktphase. Aber vor allem: Keine Verluste mehr!”

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Klaus Buhl ist seit über 15 Jahren als Portfoliomanager und Analyst tätig und betreibt u.a. das Portal www.libra-invest.de. Dort erhalten Sie praktische Hinweise über die sinnvolle Kombination von marktneutralen bzw. vermögensverwaltenden Strategien in Abhängigkeit vom jeweiligen Börsenzyklus. Ein kostenloser Newsletter informiert regelmäßig über neue Entwicklungen. „Ich verspreche Ihnen keinen schnellen Reichtum, aber konstante Performance und regelmäßige Erträge in jeder Marktphase. Aber vor allem: Keine Verluste mehr!”

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