By 6. Mai 2013 Read More →

Neues Hoch mit Fragezeichen

Natürlich erstaunt es ein wenig, dass die Mehrheit der Anleger tatsächlich der Ansicht zu sein scheint, dass die Zinssenkung der EZB positiv war. Aber Markt ist Markt. Wäre das neue Allzeithoch des DAX makellos, gäbe es Grund zum Feiern. Bleiben Sie lieber auf der Hut. Warum, werden Sie lesen …

 

Es ist erst ein paar Wochen her, da hatte die EZB klargestellt, dass die Politik des ultrabilligen Geldes kein Allheilmittel für die gegenwärtigen Schuldenprobleme und die lahmende Wirtschaftsentwicklung sei. Am vergangenen Donnerstag klang das ganz anders. Wie bereits zuletzt an dieser Stelle festgestellt, sollte sich die EZB vielleicht doch einmal mit der Frage beschäftigen, was eine Leitzinssenkung von 0,25 Prozent denn eigentlich bewirken soll, wenn schon die Absenkung von 4,25 Prozent Ende 2008 bis auf zuletzt 0,75 Prozent das Abrutschen der Eurozone in eine sich offenkundig verschärfende Rezession nicht aufhalten konnte.

Eine Frage, die sich auch die begeistert reagierenden Anleger stellen sollten. Und dazu gleich noch eine weitere: Ist es wirklich bullish, wenn eine Notenbank gar nicht mehr anders kann, als wegen grottenschlechter Wirtschaftsdaten den Geldhahn noch weiter aufzudrehen? Zuviel zu billiges Geld an wackelnde Schuldner hatten die Währungshüter im Sommer 2007 als Ursache der platzenden US-Hypothekenkrise ausgemacht. Heute wiederholen sie selbst den gleichen Fehler – nur dass es nicht mehr um zahlungsunfähige Immobilienkäufer geht, sondern um konkursverdächtige Staatshaushalte, also finanziell um „etwas“ größere Hausnummern.

Wie schlecht es um die Wirtschaft in der Eurozone tatsächlich bestellt ist, belegten dann die einen Tag nach der Notenbanksitzung veröffentlichten Zahlen aus Brüssel, was die EU prompt veranlasste, den in der Klemme steckenden Schuldnerstaaten nun mehr Zeit zur Bewältigung ihrer Probleme einzuräumen. Von einer gemeinsamen Politik der Euroländer kann mittlerweile beim besten Willen nicht mehr gesprochen werden. Und zur Unzeit trat heute dann auch noch der griechische Finanzminister mit der Forderung an die Öffentlichkeit, Deutschland als „Krisengewinnler“ solle seine Zinserträge auf griechische Staatsanleihen mit Athen teilen. Es ist vertrackt. Geht der absurde Spuk so weiter, braucht es zur Auflösung des Währungsverbundes gar keine Euro-Gegner mehr, denn gehen sich „Retter“ und „Gerettete“ irgendwann von ganz allein an die Gurgel.

 

Silberstreif am US-Arbeitsmarkt

Zweite Triebfeder der Kursgewinne der letzten Handelstage waren die „überraschend“ positiven US-Konjunkturdaten, vor allem die Aprilzahlen um Arbeitsmarkt. Eigentlich sollten die Anleger heute wissen, was von Daten des Bureau of Labor Statistics zu halten ist. Und man muss sich fragen, ob die neuen Daten nicht vielleicht den Ausstieg der FED aus ihrer Politik des ultraleichten Geldes einleiten sollen. Denn die tatsächlichen Zahlen zum US-Arbeitsmarkt, wie die von www.shadowstats.com berechnet werden, lassen vom offiziellen Jobwunder leider rein gar nichts erkennen. Im Gegenteil: Gegenüber dem Vormonat hat die Arbeitslosenquote mit jetzt 23,2 Prozent sogar noch einmal leicht zugelegt! Und sonst?

Da wäre zum einen der Immobilienmarkt zu nennen, für den in der abgelaufenen Woche die März-Zahlen veröffentlicht wurden. Die Bauausgaben lagen deutlich unterhalb der Erwartungen. Und bei den Verkäufen neu gebauter Eigenheime bewegen wir uns nach wie vor auf dem Niveau früherer Rezessionstiefs.

Noch mehr zu denken gibt allerdings der Einkaufsmanager-Index von Chicago, der im April erstmals seit Winter 2009 wieder unter seine Signalschwelle bei 50 gefallen ist. Werte über 50 deuten auf Wachstum hin, Werte unter 50 auf eine wirtschaftliche Kontraktion.

Quelle: markt-daten.de

Quelle: markt-daten.de

Für den in der vergangenen Woche neu ausgebrochenen Konjunkturoptimismus gibt es bei näherem Hinsehen also schlichtweg keine Argumente. Im Gegenteil: Auch in den USA hat die Notenpresse die Wirtschaft nicht wieder auf Trab bringen können.

 

DAX: Bullen bitte vortreten

In den letzten Wochen hatte ich voreiligen Bären immer wieder ins Buch geschrieben, dass der DAX ohne flankierende Schützenhilfe von der Wall Street gar nicht in eine nachhaltige Korrektur eintreten könne. Und ein neues Allzeithoch ist zweifellos der beste Beweis für die Richtigkeit dieser Einschätzung.

Zu sicher fühlen sollten sich die Haussiers dennoch nicht. Denn bei genauerem Hinsehen hat das neue Hoch durchaus einige Schönheitsfehler. Nicht nur ass sich die Aktienkurse immer weiter von den „Fundamentals“ entfernt haben. Das allein ist beileibe noch kein Verkaufsgrund, denn für den Abstand zwischen wirtschaftlicher Lage und Börsenbewertung gibt es nun einmal keine allgemeingültigen Regeln. Schwerer wiegt jedoch, dass die Umsätze der letzten beiden Handelstage ganz und gar nicht zur angeblich so super-bullishen Stimmung und schon einmal gar nicht zum Ausbruch auf ein neues Allzeithoch passen wollen.

Sieht man genauer hin, ist diese Umsatzschwäche nicht einmal neu. Denn der im Chart abgebildete Money- Flow-Indikator ist nichts anderes als ein umsatzgewichtetes Momentum. Und hier erkennen Sie aktuell die gleiche, ausgeprägte negative Divergenz, wie wir sie auch beim letzten Anlauf an die 8.000er Marke 2007 gesehen haben – mit dem Unterschied, dass der Money-Flow-Indikator diesmal gar nicht bis in die luftigen Höhen von damals vorrücken konnte.

Augenscheinlich ist also etwas im Busch. Und ganz egal, ob Sie bereits auf der Longseite engagiert sind oder jetzt einsteigen wollen, ganz gleich auch, ob Sie im Index selbst oder in einzelnen Aktien investiert sind – denken Sie daran, Ihre Positionen über einen Stopp abzusichern!

 

 

Viel Erfolg und beste Grüße

Axel Retz

www.private-profits.de

 

 

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

About the Author:

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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