By 6. November 2014 Read More →

Facebook, Barrick Gold – wir werden bald richtig Spaß haben!

Wer innen hohl und nur ein kleines Licht hat, gilt in diesen Tagen gerne als Kürbis. Kürbisse können sich dagegen ja nicht wehren. Viel mehr Strahlkraft verbreiten in diesen düsteren Tagen die Notenbanken, vor allem die Japans. Und die Kürbisse unter den Anlegern freut das ungemein. Zumindest erst einmal. In der neuen Woche könnten einige Teelichter verlöschen. 

Liebe Leserinnen und Leser,

in der Zuschrift eines Lesers dieser Woche, der einen meiner Börsenbriefe abonnieren wollte, wurde ich als „Berufspessimist“ bezeichnet, dessen Ansichten der Leser teile. Nun ja: Die Wenigen, die mich persönlich kennen, wissen, dass ich ganz im Gegenteil eher zu denen gehöre, die lieber auf das Positive blicken und vor allem auch versuchen, dieses Positive nach Kräften zu fördern. Was die Lage des Weltfinanzsystems betrifft, sieht es etwas anders aus. „Der Optimist erklärt, dass wir in der besten aller Welten leben, und der Pessimist fürchtet, dass dies wahr ist.“, hat der 1958 verstorbene, amerikanische Schriftsteller James Branch Cabell einmal formuliert. Das würde ich in diesem Falle unterschreiben.

Im Schatten zu bleiben, ist für andere so ganz und gar nicht das Ziel. Aber wenn nach Angabe des Wiesbadener Statistischen Bundesamts in dieser Woche jeder sechste Deutsche in Armut lebt, während der IWF gestern Deutschland erstmals als Land mit der niedrigsten Arbeitslosenquote bezeichnet hat, dann sollte auch den letzten Gutgläubigen klar werden, mit welch abartiger Art von Datenzauber wir es zu tun haben. Nur wer statt eines Kopfes einen ausgehölten Kürbis mit kleinem Licht auf den Schultern trägt, dem muss es versagt bleiben, angesichts solcher Zahlen die Stirn in Falten zu legen. Aber wir wollen ja nicht schwarzsehen. Denn immerhin hat der Großteil der 130 von der EZB dem Stresstest unterzogenen Banken diesen Test bestanden.

Wer es weniger erfreulich mag: Rund jede fünfte Bank ist durchgefallen. Und weitere 30 Banken haben den Test „nur knapp“ gemeistert. Leser H. Becker sandte mir dazu gestern Abend einen köstlichen Beitrag. Danach veröffentlicht der „General-Anzeiger Bonn“ in dieser Woche eine Karikatur zu diesem Thema. In dieser Karikatur war unter der Überschrift „Aufatmen nach dem Stresstest“ ein Paar zu sehen, das aus der Ferne eine Banken-Skyline betrachtet. Der Mann sagt zu seiner Frau: „25 haben den Stresstest nicht bestanden. Alle anderen sind bei einer Krise jederzeit in der Lage, unbegrenzt Steuergelder zu verschlingen, um sich zu retten!“ Chapeau!!

Eine nette Methode der Bereicherung hat derweil die thüringische Skatbank für sich entdeckt. Das Kreditinstitut zahlt auf Tagesgeldkonten über 500.000 Euro einen Negativzins von 0,25 Prozent. An sich selbst natürlich. Die Idee geistert ja schon länger durch die Planungsszenarien von IWF und EZB, jetzt ist sie erstmals auch auf Privatkonten angewandt worden.

Aber die Rechnung, Verbraucher durch eine faktische Nullzinspolitik oder gar Strafzinsen zu vermehrtem Konsum zu veranlassen, scheint nicht aufzugehen. So vermeldete der deutsche Einzelhandel den größten Umsatzeinbruch seit mehr als sieben Jahren – wie üblich zur „Überraschung“ der sgn. Experten.

Und noch ein paar Daten, die aufhorchen lassen: Wie die EZB am Dienstag mitteilte, sind die Kredite an den Privatsektor (Haushalte und Unternehmen) im September zum 29. Mal in Folge gefallen. Und erst jetzt hört man endlich auch aus der EZB die leise Vermutung, dass gar nicht die schwache Kreditvergabe, sondern die schwache Kreditnachfrage das eigentliche Problem darstellen könnte. Das „predige“ ich nun schon seit vielen Monaten. Und dfür gibt es mehrere Gründe.

Der vielleicht wichtigste ist in der hohen Anzahl von Unternehmensinsolvenzen aus dem mittelständischen Bereich zu suchen.  Die zunehmende Konzentration der Wirtschaftskraft auf internationale Großkonzerne, der hohe Sättigungsgrad der Märkte und die Spätfolgen der global zu beobachtenden Kostensenkungsbemühungen, die letztlich auf Realeinkommen und Kaufkraft durchschlagen, lassen sich nicht durch Geldspritzen noch so gewaltigen Kalibers lösen.

Erst recht nicht wirken sie gegen die hohe Arbeitslosenquote, die laut heute von Eurostat veröffentlichten Daten im September in der Eurozone bei 11,5 Prozent verharrte, bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen aber bei 23 Prozent. Und: Der wirtschaftliche Kontraktionsprozess hat ja gerade erst begonnen. Und wenn EZB und vor allem die Bank of Japan ihre Geldschleusen schon jetzt bis zum Anschlag aufdrehen – was werden sie zu tun gedenken, wenn es der Wirtschaft trotz allem nicht besser, sondern schlechter geht? Geldschwemmen, die nicht in der Realwirtschaft ankommen, öffnen nur die Schere zwischen ihr und den explodierenden Aktienkursen. Und wie das ausgeht, das wissen wir.

Bank of Japan: Wasser auf unsere Mühlen

Vor einigen Wochen hatte ich Sie auf die charttechnisch fast schon „sensationelle“ Ausbruchssituation des US-Dollars gegenüber dem japanischen Yen hingewiesen. Und erst am Mittwoch in meiner Kolumne für Börse online unterstrichen, dass Mario Draghi, was geldpolitische Klimmzüge betrifft, einzig seinen japanischen Kollegen Haruhiko Kuroda zu fürchten habe.

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Und gestern hat die Bank of Japan dann erneut ihre monetäre Keule geschwungen. Das Ergebnis sehen Sie im nebenstehenden, aktualisierten Langfristchart: Der Ausbruch verlief ausgesprochen dynamisch, und nach einem Rücksetzer ging es nun erneut steil nach oben. An meiner Perspektive ändert sich nichts. Die nächsten Anlaufpunkte dürften bei 1,20/1,24 liegen.

Der sich abzeichnende, widersprüchliche Notenbankkurs der FED und der BoJ hat uns diesen Trade sozusagen auf dem Tablett serviert. Und ich hoffe, Sie haben den Einstieg gewagt.

Wall Street: Rekordjagd

Gestern erreichte der Dow Jones ein neues Allzeithoch. Und da gestern auch Monats-Ultimo war, habe ich einmal wieder den Langfristchart des DJIA abgebildet. Wie Sie sehen, ist der Index nun aus seinem riesigen charttechnischen „Megaphon“ nach oben ausgebrochen. Formal betrachtet, ist das erst einmal ausgesprochen bullish.

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Weniger überzeugend mutete allerdings die Begründung für diesen Ausbruch an: der Beschluss der BoJ, das Anleihekaufprogramm noch weiter auszubauen. Das mag ja (vielleicht) den Japanern nutzen, nicht jedoch der US-Wirtschaft. Im Gegenteil: Die durch den Anstieg des Dollars gegen den Yen bedingte Wechselkursverschiebung verteuert ja US-Exporte nach Japan. Ich denke, das dürfte den Akteuren an der Wall Street auch bald dämmern.

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Zur Nachfrage nach Börsenkrediten hat die NYSE die September-Zahlen vorgelegt. Im Monatsvergleich gab es so gut wie keine Veränderung, das Hoch vom Juni konnte nach wie vor nicht bezwungen werden. Aber dennoch ist der Chart recht interessant. Den mit dem gestrigen Tag hat der Chart wieder den gleichen Zeitraum durchmessen wie zwischen den letzten beiden markanten Markthochs – auf die dann jeweils ein heftiger Kurssturz folgte. Ich bin kein unbedingter Freund solcher „Zyklen“, aus dem Auge lassen werde ich sie aber deswegen auch nicht.

Silber: Gut gelaufen!

Damit Sie in diesem Newsletter den roten Faden nicht verlieren, nun erneut zu Silber. Anders als Gold, das ja zumindest einen Stabilisierungsversuch unternommen hatte (der jetzt fehlgeschlagen ist), haben die Bullen bei Silber nun augenscheinlich die weiße Fahne gehisst.

Auch diesen Chart kennen Sie ja bereits, falls Sie meinen Newsletter schon etwas länger verfolgen. Der Trendbruch hier ist zwar nicht gar so spektakulär wie bei USD/JPY, aber auch nicht von schlechten Eltern.

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Trügt der Chart nicht, hat Silber nun Luft bis in den „einstelligen“ Bereich. D. h.: Wer meiner damaligen Empfehlung zum Put-Kauf noch nicht gefolgt ist, kann das auch heute noch tun. Solange die Mehrheit der Anleger tatsächlich an der Überzeugung festhält, dass die Notenbanken dieser Welt noch irgendetwas im Griff haben, wird es keine Flucht in die Edelmetalle geben.

Schon einmal gar nicht, falls sich die Teuerungsraten der größten Volkswirtschaften weiter in Richtung Deflation bewegen sollten. Silber wird einmal sehr, sehr interessant werden, da bin ich mir sicher. Aber ob das bei neun oder bei sechs US$/oz. der Fall sein wird, das muss einfach abgewartet werden. Ist es soweit, werden wir unsere Käufe tätigen. Physisch natürlich, beispielsweise in wunderschönen 1 oz. American Eagle-Münzen!

Barrick Gold: Und aus die Maus

Was mich an Barrick Gold schon immer am meisten verwundert hat, ist die Anzahl der „Jünger“ dieser Aktie. Und noch mehr erstaunt hat mich, dass es seit Monaten, auch in der auslaufenden Woche, immer wieder Kaufempfehlungen für den Titel gab.

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Aus charttechnischer Perspektive betrachtet, ist Barrick nun genau das Gegenteil. Wenn eine langjährige, massive waagerechte Unterstützung nach unten durchbrochen wird, dann bedeutet das, dass all die, die das Glück hatten, hier einmal bei 13, 14 oder 15 US$ eingestiegen sind, nun in die Verlustzone rutschen. Und das dürfte eine Menge an Stop loss-Orders auslösen, womit sich der Abwärtsdruck dann noch verstärkt. Der Chart ist daher fast schon so etwas wie eine Aufforderung zum Put-Einstieg. An Derivaten gibt es hier für jeden etwas. Aber egal, ob Sie es auf die „harte Tour“ oder lieber etwas konservativer angehen wollen: Vergessen Sie nie, sofort nach dem Einstieg einen Stopp zu setzen. Aktien steigen oder fallen nicht, nur weil Axel Retz das meint!

Facebook: Pinzette

Facebook hatte ich ja erst in den vergangenen Wochen zweimal angesprochen. Und die Aktie scheint meiner Einschätzung jetzt noch ein wenig näher gerückt zu sein. Was Sie im abgebildeten Wochen-Candlestick- Chart sehen, das ist eine „Pinzette“. Die Hochs der beiden vergangenen Wochen lagen praktisch gleichauf, während die Kurse in der ersten Woche stiegen, dann aber fielen.

Nach der Theorie dieser ältesten Chartmethode der Welt stellt das ein Verkaufssignal dar. Hinzu kommt, dass das dieswöchige Minus gegen einen insgesamt festen NASDAQ 100 zustande kam, was Facebook im Ranking der relativen Stärke der 100 Titel dieses Index nun auf Platz 95 hat abstürzen lassen.

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Wie immer, besteht auch hier aber kein Grund für übereilten Aktionismus. Die „Pinzette“ ist so etwas wie der Begrüßungs-Cocktail für die Bären. Zum üppigen Gelage wird es aber vermutlich erst kommen, wenn die Aktie auf Schlusskursbasis unter 73 US$ zurückfällt. Nahe 70 US$ gibt es dann noch eine Unterstützung. Geht auch sie den Weg alles Irdischen, stellt sich das nächste Kursziel auf 55 US$. Einfach ein Trade, an dem ich an Ihrer Stelle dranbleiben würde. Egal, wann wir zum Zuge kommen. Facebook wird uns noch sehr viel Spaß bereiten!

ZUSAMMENFASSUNG:

Der Stresstest der Banken wies von 130 Kandidaten 25 gestrauchelte und 30 fast gestrauchelte aus. Was aber ab gestern niemanden mehr interessierte, da die Bank of Japan mit ihrer Ankündigung, den Wahnsinn auf die Spitze treiben zu wollen, für eine flächendeckende Euphorie sorgte. Uns muss das nicht jucken. USD/JPY und Silber entwickeln sich prächtig, Facebook scheint dem Einstieg immer näher zu rücken und bei Barrick Gold haben wir einen wirklich tollen Chart vor Augen. Die Probleme der Weltwirtschaft (zu geringes „Wachstum“, anziehende Verarmung selbst in den sgn. reichen Ländern) sind ein ganz anderes Thema, dessen Ausgang wir auch noch zu meistern bekommen haben werden. Die Nachfrage nach Börsenkrediten in den USA (aber nicht nur sie) lässt mich eine ausgesprochen interessante Börsenwoche erwarten. Achten Sie auf die genannten Einstiegsmarken! Es wird schön !!

Viel Erfolg und beste Grüße

Axel Retz

About the Author:

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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