By 14. Oktober 2013 Read More →

Der letzte Strohhalm

Themen des Tages:  Keine Einigung in den USA +++  Ratingagenturen bleiben ruhig +++ Obama und die „Wunderwaffe“+++ RWE und E.ON gefragt

 

Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos – so lässt sich die aktuelle Ausgangslage für die kommenden Tage zusammenfassen. Auch am Wochenende gab es wieder zahlreiche Gespräche in Washington, doch eine Einigung ist weiterhin nicht in Sicht. Bisher dominiert die Hoffnung, dass sich die politischen Entscheidungsträger in letzter Minute einigen werden und eine drohende Zahlungsunfähigkeit der USA abgewendet wird. Stichtag ist der kommende Donnerstag. Sollte auch dann noch keine Lösung auf dem Tisch liegen, wird es kritisch. Zwar bewies das US-Finanzministerium bereits in der Vergangenheit mehrfach, dass es über genügend kreative Buchhaltungstricks verfügt, um den Schuldendienst sicherzustellen. Spätestens zum Monatswechsel ist die Staatskasse aber leer. Ganz abgesehen davon, dass ein solches Experiment an den Finanzmärkten zu deutlichen negativen Reaktionen führen würde.

Ein komplettes Scheitern der Verhandlungen ist nach wie vor sehr unwahrscheinlich. Und genau diese Sichtweise wird auch noch an den Märkten gespielt. Ende der vergangenen Woche dominierte eine deutliche „risk on“-Bewegung, der Aktienmarkt zeigte sich auf breiter Basis sehr stark ( DAX auf Wochensicht +1,2 Prozent, spanische IBEX aber + 3,3 Prozent und italienische FTSE MIB +3,2 Prozent) während der Yen zur Schwäche neigte. Lediglich bei den kurzlaufenden US-Anleihen lässt sich ein kräftiger Anstieg bei den Renditen und somit eine allgemeine Zurückhaltung feststellen (inverse Zinsstrukturkurve: LINK). Die Rating-Agenturen spielen das politische Chaos brav mit und versichern nahezu täglich, dass die Einstufung der USA auch nach wie vor gerechtfertigt ist. Nüchtern betrachtet ist dies eigentlich schon ein handfester Skandal. Kein anderes Parlament auf der Welt könnte es sich leisten, über Wochen darüber zu diskutieren, ob es seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen soll oder nicht, ohne das Rating zu gefährden.

Bleibt eine Einigung zwischen Demokraten und Republikanern aus, ist dennoch nicht mit einem Zahlungsausfall zu rechnen. Im Abschnitt 4 des 14. Zusatzartikels der US-Verfassung ist festgelegt, dass „die Rechtsgültigkeit der gesetzlich genehmigten Staatsschulden der Vereinigten Staaten … nicht infrage gestellt werden darf“. Juristisch ist die Sache nicht ganz eindeutig, nach Meinung der meisten Experten könnte sich US-Präsident Barack Obama aber im Notfall auf diesen Zusatzartikel berufen und die Schuldenobergrenze auch alleine anheben. Obama lehnt bisher diesen letzten Strohhalm ab und will sich nicht darauf berufen. Nachvollziehbar, denn er will den Druck auf die republikanischen Führer hoch halten. Im Notfall wird er diese Option aber ziehen, auch wenn dies lange Rechtsstreitigkeiten und einen deutlichen Vertrauensverlust nach sich ziehen würde. Klar ist aber auch, dass ein Staatsbankrott wesentlich schlimmere Folgen hätte.

 

 

 

Zum heutigen Handelstag

Der Wochenauftakt wird datenseitig und auch marktseitig ruhig erwartet, zumal in den USA Feiertag ist (Columbus Day) und der Handel sehr dünn ausfallen dürfte. Während die Vorgaben von der Wall Street recht erfreulich ausfallen, entwickelten sich die Märkte in Asien eher durchwachsen. Die Börsen in Japan und Hong Kong bleiben wegen eines Feiertags geschlossen, in China legte der Shnaghai Com. leicht zu. Neue Makrozahlen aus China stimmen eher nachdenklich. Vor allem der deutliche Anstieg der Konsumentenpreisinflation engt den Spielraum der Regierung für weitere Unterstützungsmaßnahmen für die Wirtschaft weiter ein. Zudem blieb das Exportwachstum deutlich unter den Erwartungen.

Der DAX startet rund 0,4 Prozent tiefer in den Handel. Versorger sind gefragt, nachdem bekannt wurde, dass  E.ON und RWE die anstehenden Koalitionsverhandlungen nutzen, um die milliardenschwere Brennelementesteuer für Atomkraftwerke zu kippen. Zu E.ON habe ich kürzlich eine umfangreiche Chartanalyse veröffentlicht: LINK. Institutionelle Investoren wie die Strategen bei der Allianz trauen Aktien offenbar noch viel Potenzial zu. Die Aktienquote wurde zuletzt ein wenig erhöht, rund sechs Prozent der Kapitalanlagen von mehr als 500 Mrd. Euro sind derzeit in Dividendenwerten investiert. An der Börse sieht der Versicherungsriese keine Gefahr einer Blasenbildung, vorsichtig sei man hingegen bei Immobilien und Anleihen. Mit ganz anderen Schlagzeilen steht zu Wochenbeginn mal wieder die Commerzbank in den Schlagzeilen. Seit Wochen schwelt ein Streit über die Verkleinerung des Vorstands von neun auf sieben Mitglieder. Heute soll eine Entscheidung fallen, es wird mit einer Kampfabstimmung im Aufsichtsrat gerechnet.

 


Zur Verfügung gestellt von: Forexpros dem Aktien Portal

 

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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