By 1. September 2014 Read More →

Käufer gegen Verkäufer – klare Orientierungsmarken geben die Richtung vor

Die Bilanz für die vergangene Woche sowie für den August fällt positiv aus. Dennoch signalisieren die Charts nach wie vor eine erhöhte Gefahr. Ein kurzfristig positiver Impuls trifft auf eine mittelfristig abwärts gerichtete Bewegung.   

Beginnen wir die Woche mit guten Nachrichten. Am vergangenen Freitag notierte der Index rund ein Prozent im Minus, bis zum Handelsschluss wurde der Rückstand aufgeholt. Auf Wochensicht steht zudem ein Anstieg von 1,4 Prozent in den Büchern, auch die Bilanz für August fällt mit plus 0,67 Prozent positiv aus – wenn auch enttäuschend schwach. Angesichts der zahlreichen Konflikte und zunehmenden Zinserhöhungs-Spekulationen in den USA können die Bullen eigentlich zufrieden sein.

DAX: Stunden- und Tagesanalyse

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Aus charttechnischer Sicht sieht die Lage hingegen nicht ganz so überzeugend aus. In der vergangenen Woche stoppte die Aufwärtswelle exakt an der richtungsweisenden Schwelle um 9600. Über der Hürde hatte der DAX mehr als 61,8 Prozent der Verluste wieder aufgeholt – formal wäre dann die Korrektur beendet gewesen. Mittelfristig muss somit unverändert eine abwärts gerichtete Bewegung diagnostiziert werden, die Erholung seit dem 8. August scheint bisher nur eine Bärenmarktrally zu sein.

Positiv ist dieser negativen Sichtweise die im kurzfristigen Bereich unverändert intakte Aufwärtswelle entgegenzuhalten. Die Grenzen dieser Bewegung sind allerdings eher unscharf, der im Stundenchart eingezeichnete untere Aufwärtstrend verfügt nur über sehr wenige Berührungspunkte. Immerhin drehte der Markt zuletzt mehrfach an der ersten relevanten Haltemarke um 9430 (23,6 Prozent-Korrekturniveau der Aufwärtsbewegung). Solange der DAX nicht unter die 21-Tage-Linie / horizontale Unterstützung um 9270 / 9250 zurückfällt, bleiben die Käufer kurzfristig am Ball.

Unter dem Strich sollte die Korrektur der vergangenen beiden Tage noch nicht überbewertet werden. Der DAX hatte sich dabei so weit von seiner 21-Tage-Linie entfernt, dass er in eine überkaufte Lage geraten ist. Dieser Extremwert wurde nun ein wenig korrigiert, hier ist aber durchaus noch etwas Luft nach unten. Größere Bewegungen sind zumindest heute nicht zu erwarten, in den USA bleiben die Börsen wegen eines Feiertags geschlossen. Vorerst dürfte der Markt daher in der erlaubten Range 9250 bis 9600 bleiben.

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Wochenanalyse:

Wiederholt sich die Geschichte?

Auch im langfristigen Wochenchart sind nun deutliche Bremsspuren zu erkennen. Ähnlich wie auf Tagesbasis gab auch hier der Aufwärtskanal die grundsätzliche Richtung vor. Erstmals seit Sommer 2012 rutsche der DAX wieder deutlich unter die 200-Tage-Linie. Allerdings eroberte der Markt vor zwei Jahren den langfristigen Gleitenden Durchschnitt rechnet schnell wieder zurück, ein ähnliches Szenario ist auch jetzt vorstellbar. Aktuell stabilisiert sich der DAX an der mittelfristig wichtigen Unterstützungsregion um 8900 / 9000. Die Börsenampel bleibt somit auf Orange.

Bereits seit mehreren Wochen warne ich an dieser Stelle vor der negativen Divergenz im MACD. Während der DAX in den vergangenen Monaten höhere Hochs ausbildete, wurden diese nicht mehr durch den trendfolgenden Indikator bestätigt (rote Linie beim MACD). Die kurzfristig überverkaufte Lage im DSS Bressert ist ein erster Hoffnungsschimmer, allerdings kann der Signalgeber durchaus über mehrere Wochen im unteren Extrembereich verlaufen (s. Sommer 2012).

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200. Eine ähnliche Situation liegt auch im amerikanischen Leitindex S&P 500 vor.

Das Hauptaugenmerk gilt aber dem MACD. Der trendfolgende Indikator hat sich in den vergangenen 20 Jahren bereits mehrfach als guter Taktgeber für den langfristigen Verlauf erwiesen. Besonders an den Bewegungshochpunkten in 2000 und 2007 warnte der Signalgeber jeweils frühzeitig vor einer neuen Baisse. Die aktuelle Ausgangslage weist dabei viele Parallelen mit der Situation von vor 14 und sieben Jahren auf. Der MACD steht auf einem ähnlichen Niveau (knapp unter der roten Linie), zudem lieferte der Indikator erstmals seit August 2011 wieder ein Verkaufssignal.  

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Posted in: Deutschland, Indizes

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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