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By 22. Dezember 2012 Read More →

Jahr eins nach dem Weltuntergang

Mit Hilfe der von den Notenbanken verteilten Prothesen lief die Weltwirtschaft 2012 zwar keinen neuen Rundenrekord, blieb aber auch nicht auf der Strecke. 2013 werden die Gelder von EZB, FED und BoJ nicht mehr so üppig sprudeln. Aber ich bin optimistisch, dass das Jahr eine sehr gute Performance bringen kann.

 

 

Tja, der Weltuntergang. Die Chinesen hatten es ja gar nicht erst versucht. Theoretisch hätten sie ihn kopieren und dann preiswerter auf den Markt werfen können, in der Praxis ist das gerade mit Weltuntergängen als singulären Ereignissen aber recht schwierig. Die Europäer winkten dankend ab, und so knüpften sich bis zuletzt alle Hoffnungen an unsere „Yes we can“-Freunde, die aber das bisschen Zeit, das neben dem Einkaufsstress noch blieb, dem Fiscal Cliff widmeten.

 

Millionen von Zeitgenossen, die rund um den Globus auf mystischen, von besonders hoher kosmischer Energie bestrahlten Hügeln darauf warteten, von Außerirdischen abgeholt zu werden und all die, die sich in mehr oder weniger komfortablen Überlebenskapseln mit ausgiebiger Bevorratung auf ein hübsches Untergangsevent vorbereitet hatten, trotteten mach dem Glockenschlag Punkt null Uhr wohl enttäuscht zurück ins Dasein, aus dem sie nun doch noch nicht entrückt wurden.

 

Weihnachten hat mit all dem nichts zu tun. Denn hier geht es bekanntermaßen um eine Geburt, nicht um den Tod. Wohl aber fragt sich, wie sich das so genannte christliche Abendland darauf vorbereitet haben mag, wäre am 21.12.2012 eben doch der finale Tag gewesen, der unausweichlich für jeden von uns kommt. Nicht nur Banker vom Schlage eines Lloyd Blankfein, der von sich behauptet, Gottes Werk auf Erden zu verreichten, wären da wohl unter Umständen wohl ein wenig in Erklärungsnot geraten, falls sie ihrem angeblichen Auftraggeber gegenüber gestanden hätten.

 

Nach Angabe von Bloomberg dürften sich allein die gegen europäische Banken verhängten Strafen für das laufende Jahr auf rund 6,1 Milliarden US-Dollar belaufen, was ziemlich genau einem Viertel ihres geschätzten Jahresgewinns entspricht. Womit darüber spekuliert werden darf, wie die Zahlen aussähen, wenn alle justiziablen Vergehen ans Licht gekommen und geahndet worden wären. Aber wie es aussieht, weht neuerdings ein frischer Wind durch die Bankenszene.

 

Die Guten ins Töpfchen …

Als Börsianer nehmen wir zwei gute und zwei schlechte Prozesse mit über die Ziellinie dieses Jahres. Beginnen wir mit den positiven:

 

Im Handelsblatt vom vergangenen Donnerstag veröffentliche IWF-Chefin Christine Lagarde einen Artikel unter dem Namen „Wachsen und Sparen“. Darin hielt sie unten anderen fest: „Wir müssen das System, das die Krise verursacht hat, hinter uns lassen: einen Finanzsektor, in dem manche, wie die alten Griechen sagen würden, mit Hybris und ungezähmter Nemesis agiert haben. Natürlich hat es hier wichtige Fortschritte gegeben. Aber sowohl bei der Umsetzung der vereinbarten Reformen als auch beim Fortschritt in Bereichen wie den Derivaten und dem Schattenbanksystem lässt das Momentum nach. Daher ist das System als Ganzes noch nicht viel sicherer als es zur Zeit des Zusammenbruchs von Lehman Brothers im September 2008 war. Es ist immer noch zu komplex, die Aktivitäten sind immer noch in zu großen Institutionen konzentriert, und das Schreckgespenst des „too big to fail“ lebt weiter. Anhand fortwährender Exzesse und wiederholter Skandale wird sichtbar, dass sich die Finanzkultur nicht wirklich verändert hat.“

 

Soweit dieses Zitat. Dass Frau Lagarde das mit der „ungezähmten Nemesis“ nicht richtig verstanden hat, tut nichts zur Sache, bemerkenswert sind das recht deutliche Eingeständnis des bisherigen Versagens eines gründlichen Umbaus des Finanzsystems und vor allem der Terminus „Schreckgespenst“ für die too big to fail-Idee. Dieses Kuckucksei hat sich die Politik selbst ins Nest gelegt. Und aus ihm schlüpften der ganze Wildwuchs und die sich jenseits jedes Risikos wähnende Gewissheit, im Zweifelsfall den Steuerzahler zur Ader lassen zu können. Dass die IWF-Chefin diese Idee heute als Schreckgespenst betitelt, lässt hoffen, dass wir künftig mehr Staatsanwälte, Polizei und Steuerfahndung in den europäischen Finanzmetropolen sehen werden. Und dass die Justiz auch vor den oberen Stockwerken nicht mehr Halt machen wird.

 

Zweitens: Die Weltwirtschaft hat das Jahr trotz Banken und politisch dummer Weichenstellungen halbwegs gut über die Runden gebracht. Es sind der „kleine Mann“, der Durchschnittsverbraucher, der Häuslebauer und -renovierer, weite Teile des Mittelstandes und auch die Kleinanleger, die sich vom Grollen der nächsten Rezessionswelle bis jetzt nicht ins Bockshorn haben treiben lassen. Bleibt es dabei, dürfte 2013 trotz der 13 wohl auch ein genießbarer Jahrgang werden.

 

… und die Schlechten ins Kröpfchen

Weniger gute Einflüsse wird die Weltwirtschaft allerdings ebenfalls ins neue Jahr mitnehmen. Zwei davon geben durchaus Anlass zur Sorge:

 

Erstens: Im genannten Artikel des Handelsblatts brachte es IWF-Chefin Lagarde auf den Punkt: „Zuerst müssen wir natürlich die Krise hinter uns lassen. Wie das geht, wissen wir […] Der Schlüssel liegt nun darin, nicht nur in den bekannten Politikbereichen von Diskussionen zu Handlungen zu gelangen, sondern uns gemeinsam und an allen Fronten vorwärts zu bewegen.“ Liegt einem da nicht ein „Amen“ auf den Lippen?

Leider ist zu bezweifeln, dass heute irgendjemand wirklich weiß, wie die Krise zu bewältigen ist. Wachstum und Schuldenabbau gleichzeitig, wie Frau Lagarde in ihrem Artikel fordert, sind in etwa so kompatibel wie Feuer und Wasser. Wofür der IWF auch nichts kann; eine Wirtschaft, die kollabiert, wenn sie einmal nicht wächst, hat ganz grundlegende Konstruktionsfehler, die sich mit einem „Weiter so“ nicht beheben lassen. Und wenn die IWF-Chefin dazu aufruft, sich gemeinsam und an allen Fronten vorwärts zu bewegen, besteht aus mehreren Gründen Anlass zur Skepsis. Ein gemeinsames Handeln verliert immer mehr an Konturen, und wo „vorwärts“ ist, ist in etwa so klar wie ein Aufbruch inmitten der Sahara. Und wenn Europa von immer mehr Bürgern als Steuern fressender Apparat zur zwanghaft anmutenden Normierung, Gleichmacherei, Überwachung und Gängelung verstanden wird, werden die Berlusconis dieser Welt bald wieder Oberwasser bekommen – und dann ist ein Auseinanderbrechen der derzeitigen Rettungsstrategie so gut wie festgeschrieben.

 

Zweitens: Die Notenbanken werden das neue Jahr so beginnen wie sie das alte beenden. Mit dem Nimbus der Währungshüter und der Steuerung von Geldpolitik und Inflation (teilweise auch der Wirtschaft) ausgestattet, faktisch aber nicht nur machtlos, sondern in der Geiselhaft der Banken und der Schuldenpolitik.

 

Zuletzt komplettierte die Bank of Japan den weltweiten Reigen der immer schneller aufeinander folgenden Anleihekaufprogramme. Ist es das, was Frau Lagarde darunter versteht, dass „wir wissen, wie wir die Krise hinter uns lassen“? Oder ist es der auf null gesetzte Leitzins, an den man bloß nicht mehr rühren darf, ohne das gesamte Schulden-Mikado ins Wanken zu bringen? Oder sind es die dem unter der Flagge der Wettbewerbsfähigkeit segelnden Lohnkürzungen, die selbst im Musterland BRD mittlerweile fast jeden vierten Arbeitnehmer zum Niedriglohnempfänger gemacht haben, der folgerichtig gar nicht mehr zum Wachstum beitragen kann? Oder sind es Steuererhöhungen und geschickt kaschierte Steuern wie bei der Energiewende?

 

Notenbanken, die gar keine andere Wahl mehr haben, als ihre Leitzinsen auf Gedeih und Verderb am Boden zu halten und die dazu gezwungen sind, mit immer größeren Mengen virtuellen Kapitals zur Aufrechterhaltung der „too big to fail“-Banken Gewehr bei Fuß zu stehen, sind nicht einmal mehr ein Zerrbild ihrer selbst. Sie sind das Aushängeschild einer Politik, die sich von „Bankstern“ den Schneid zu entschlossenem Ausmisten hat abkaufen lassen. Und fragwürdige Beiträge in verschiedenen Blogs, die ich diese Woche las (zur Deutschen Bank „Betrug aus Leidenschaft“ und „Hängt sie höher“) lassen befürchten, dass sich hier irgendwann einmal eine Entwicklung Bahn brechen könnte, die niemand wollen sollte.

 

Turtle-Strategie: Auch dritter Testlauf erfolgreich

Vor vier Wochen hatten wir ihn begonnen, unseren dritten und letzten Testlauf zur Überprüfung der Strategie der legendären Turtle-Trader. In den achtziger Jahren hatte Richard Dennis damit bewiesen, dass es auch für bis dahin völlig unerfahrene Börsenneulinge möglich ist, dem Markt hervorragende Gewinne abzutrotzen, vorausgesetzt, die Testpersonen halten sich strikt an das ihnen vermittelte Regelwerk, das einen rein technischen Handelsansatz darstellt. Richard Dennis und sein Kollege William Eckardt wurden durch ihr Turtle-Trading alle finanziellen Sorgen los.

 

Die Frage, ob der Ansatz auch in den heutigen, unter permanentem Manipulationsverdacht stehenden Börsen, die zum Großteil computergesteuert gehandelt werden, noch funktioniert, können wir nach dem dritten, ebenfalls positiv verlaufenen vierwöchigen Test mit einem klaren Ja beantworten. Hier die Auswertung:

 

 

Long Kurs vom 23.11. Einstieg über Kauf bei Kommentar Kurs vom 21.12. G/V (%)
AEX 331,50 338,28 341,52 344,12 0,76
CAC40 3328,80 3581,58 3598,13 3661,40 1,76
DAX 7309,13 7452,00 7469,54 7636,23 2,23
EUR/USD 129,75 1,31 1,3184 1,3187 0
Blackstone   Corp. 14,95 15,81 kein Einstieg
Deutsche Post 15,80 16,03 16,04 16,62 3,62

 

Short Kurs vom 23.11 Einstieg unter Kauf bei Kommentar Kurs vom 21.12. G/V (%)
Aluminium 1928,75 1873,00 kein Einstieg
BSE Sensex 18506,57 18349,00 kein Einstieg
Kupfer 7675,75 7540,25 kein Einstieg
HeidelbergCement 39,57 38,41  – kein Einstieg
Thyssen-Krupp 16,79 15,96 15,84 ausgestoppt -2,03
MorphoSys 25,72 24,46 kein Einstieg

 

Die im neuen Test erzielten Gewinne sind zwar nicht berauschend, dafür macht der Ansatz aber auch keine „Fehler“, d. h. er steigt nur selten in Fehltrades ein – und wenn, werden diese Schieflagen rasch wieder durch eine konsequente Stopp-Strategie ausgebremst. Für Anleger, die die Zeit aufbringen, sich mit diesem prinzipiell einfachen, aber etwas Betreuungsaufwand erfordernden System auseinander zu setzen, dürfte das „Turteln“ also auch heute noch Erfolg versprechend sein. Es geht aber auch noch einfacher.

 

Technik, die begeistert

Unter diesem Slogan fuhr Opel lange Zeit. Unternehmerisch betrachtet, allerdings nicht in die Gewinnzone, was Mutter GM nun zu drastischen Maßnahmen greifen ließ. Einen „Vorsprung durch Technik“, wie Audi wirbt, können Sie sich aber auch an der Börse sichern. Ich will Ihnen dazu heute einmal eine Tabelle vorstellen, in der die 30 Aktien des DAX mit ganz einfachen charttechnischen Mitteln und einem ebenfalls rein technisch aufgebauten Indikator gelistet sind.

 

Signal am zu Kurs 21.12. neues Signal
adidas aufwärts 3. Jul. 12 58,10 67,30
Allianz aufwärts 2. Aug. 12 78,62 105,35
BASF aufwärts 19. Nov. 12 64,35 71,17
Bayer aufwärts 11. Jun. 12 50,06 72,95
Beiersdorf aufwärts 19. Dez. 11 42,20 61,64
BMW aufwärts 11. Okt. 12 60,84 72,70
Commerzbank aufwärts 19. Dez. 12 1,51 1,44
Continental aufwärts 29. Jun. 12 65,62 87,58
Daimler aufwärts 3.12.12. 38,05 41,34
Deutsche Bank aufwärts 6. Sep. 12 29,79 32,99
Deutsche   Börse aufwärts 21. Dez. 12 46,52 46,52 +
Deutsche Post aufwärts 20. Nov. 02 15,28 16,61
Deutsche   Telekom abwärts 23. Okt. 12 8,83 8,64
E.ON abwärts 25. Okt. 12 17,55 14,01
Fresenius   Med. Care abwärts 31. Okt. 12 54,19 52,21
Fresenius Vz. aufwärts 3. Dez. 12 89,40 87,80
HeidelbergCement aufwärts 3. Dez. 12 42,15 45,82
Henkel aufwärts 8. Jun. 12 51,92 62,17
Infineon aufwärts 16. Nov. 12 5,37 6,19
K+S abwärts 11. Okt. 12 38,03 35,30
Lanxess aufwärts 15. Jul. 12 52,87 67,59
Linde aufwärts 22. Nov. 12 129,11 132,65
Lufthansa aufwärts 7. Sep. 12 10,13 14,46
Merck aufwärts 27. Jun. 12 77,62 100,90
Münchener   Rück aufwärts 14. Jun. 12 102,85 137,55
RWE abwärts 8. Nov. 12 33,47 31,24
SAP aufwärts 17. Jul. 12 49,09 60,34
Siemens aufwärts 7. Aug. 12 73,35 82,47
Thyssen-Krupp aufwärts 14. Dez. 12 17,72 18,00
Volkswagen aufwärts 5. Sep. 12 135,25 171,00

 

Hinter dem Namen der Aktien sehen Sie die Richtung des letzten entstandenen Kauf- oder Verkaufssignals, in der nächsten Spalte das dazu gehörende Datum und dann den Kurs zum Zeitpunkt des Entstehens des Signals. Die nächste Spalte gibt den Schlusskurs vom Freitag wieder. Grün hinterlegt sind alle DAX-Titel, bei der diese Strategie einen Gewinn gebracht hat, orange die Werte, bei denen (bis jetzt) ein Minus aufgelaufen ist.

 

Die Trefferquote, denke ich, kann sich sehen lassen. Und wenn Sie für 2013 noch auf der Suche nach einem Vorsatz sind, den Sie auch wirklich umsetzen können und der Ihnen viel Freude bereiten wird, dann lege ich Ihnen ans Herz, sich einmal mit der technischen Analyse zu beschäftigen. Denn so gewappnet, sollten Sie dem neuen Jahr mit Optimismus entgegen sehen, egal ob die Kurse nun durch die Decke gehen oder wieder einmal im Boden versinken!

 

Hiermit zum Wort zum Fest: Allen Lesern wünsche ich (falls Sie etwas damit anfangen können) ein gesegnetes Weihnachtsfest. Allen anderen frohe und friedvolle Weihnachtstage und ein gesundes und erfolgreiches Neues Jahr!

 

Viel Erfolg und beste Grüße

 

Axel Retz

www.private-profits.de

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

 

Posted in: Gastbeiträge

About the Author:

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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