Infineon, RWE und E.ON an der Spitze, Deutsche Bank belegt den letzten Platz

In der ersten Halbzeit lieferte der DAX bisher eine eher dürftige Vorstellung ab. Wesentlich spannender ist der Blick auf die Einzelwerte, einige Überraschungen tummeln sich weit oben in der Gewinnerliste. Insgesamt untermauern die Signale des inneren Marktes die Tendenz beim DAX.      

Marktüberblick

Rund drei Prozent legte der DAX in den ersten sechs Monaten zu, unter dem Strich eine eher durchwachsene Bilanz. Die starken Ergebnisse der Vorjahre sollten natürlich nicht als Referenz genommen werden, schließlich kletterte der deutsche Aktienmarkt seit seiner Gründung im Durchschnitt pro Jahr um gut acht Prozent. Im Vergleich zu anderen Indizes fällt der DAX im bisherigen Börsenjahr 2014 aber zurück. Die gestrige Performance-Übersicht zeigte deutlich die schwächere Entwicklung gegenüber TecDAX und SDAX.

Auch unter den Einzelwerten fällt eine enorme Spannbreite zwischen Gewinnern und Verlierern auf. Deutsche Bank und Adidas sackten im laufenden Jahr bisher um gut 20 Prozent ab, SAP steht auf Platz 28 mit minus zehn Prozent. Hingegen legten mit HeidelbergCement, E.ON, Infineon, RWE und ThyssenKrupp bereits fünf Werte prozentual zweistellig zu. Besonders die Versorger dürfte vor wenigen Monaten wohl kaum ein Stratege auf dem Einkaufszettel gehabt haben. Unter den richtungsweisenden Schwergewichten verbuchte lediglich BASF nennenswerte Gewinne.

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Ein ähnliches Bild liefert auch die zweite Grafik, in der die Anzahl der DAX-Aktien über ihrer 21-, 100- und 200-Tage-Linie dargestellt wird. 13 Werte behaupten ihren kurzfristigen Gleitenden Durchschnitt. FMC, RWE und E.ON weisen derzeit die größte positive Differenz auf. Je längerfristig der Mittelwert ausgewählt ist, desto positiver das Gesamtbild. Wenig überraschend, denn auch der DAX weist im Tages- und Wochenverlauf unverändert intakte Aufwärtstrends auf. Infineon, RWE und E.ON liegen mit zehn bis 16 Prozent am deutlichsten über ihrer 200-Tage-Linie, während die Deutsche Bank bereits gut 23 Prozent unter dem Durchschnitt notiert.

Stunden- und Tagesanalyse:

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Spät, aber nicht zu spät übernahmen am Dienstag noch die Käufer das Zepter und hievten den DAX in den letzten Minuten des Tages bis an den nächsten Widerstand um 9900. Allerdings wäre diese Entwicklung ohne Schützenhilfe durch die US-Konjunkturdaten und die US-Indizes wohl nicht gelungen. Für den heutigen Tag bleibt die Ausgangslage daher unverändert. Bis zum frühen Nachmittag dürften die Kurse keine wichtigen Marken überwinden, zumindest nicht nachhaltig. Fehlausbrüche sind jederzeit möglich, gerade mit Blick auf die erhöhten geopolitischen Risiken. Ob es überhaupt noch zu größeren Bewegungen kommen wird, muss bezweifelt werden. Der „Super-Donnerstag“ mit der EZB-Sitzung, den US-Arbeitsmarktdaten und Konjunkturzahlen aus China steht unmittelbar bevor. Erst zu Beginn der kommenden Woche dürfte sich ein klarerer Trend ausbilden, zumal die Wall Street am Freitag wegen eines Feiertags geschlossen bleibt.

Zumindest solange der DAX oberhalb von 9885 handelt bleiben die Chancen auf weiter steigende Kurse erhalten. Mögliche Ziele liegen im Bereich der 21-Tage-Linie bei rund 9920 sowie um 9930 (Umsatzhäufung). Ob der Markt auch noch die nächste horizontale Zone um 9975 erreichen wird, ist pure Spekulation und kann nicht vorhergesagt werden.

Kurzfristig negativ wären Kurse unter 9835 einzuordnen. Eine solche Entwicklung dürfte von den Bären genutzt werden, weitere Abgaben bis 9800 und später 9750 wären zu erwarten.

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Wochenanalyse:

MACD mit gefährlicher Divergenz

Mittel- bis langfristig betrachtet ist die Aufwärtsbewegung trotz der seit gut sieben Monaten laufenden Konsolidierung weiterhin als intakt zu bezeichnen. Seit Sommer 2011 läuft der Index in einem Kanal Richtung Norden, dessen Extremzonen mehrfach bestätigt wurden und somit über eine gewisse Relevanz verfügen. Während zum Jahreswechsel verstärkt die Oberseite im Fokus stand, führte die jüngste Konsolidierung zu widerholten Tests der unteren Aufwärtstrendlinie. Bisher nutzten die Käufer jeden Rücksetzer zum Einstieg, ein Kursverhalten, das wir auch im vergangenen Jahr mehrfach gesehen haben. Lediglich die Tatsache, dass der DAX bereits länger nicht mehr die obere Trendlinie angelaufen hat, kann als Schwächesignal ausgelegt werden.

Aus technischer Sicht stellt die 10.000er-Schwelle nur eine unbedeutende Kursmarke dar. Inzwischen scheint der psychologische Effekt aber den DAX zumindest zu einer Atempause zu zwingen. Potenzial auf der Oberseite wäre durchaus noch vorhanden, mittelfristig lässt der Kanal Platz bis 10.800.

Auf der Südseite ist der DAX gut abgesichert. Neben der erwähnten, zuletzt mehrfach bestätigten Aufwärtstrendlinie bei derzeit rund 9600 sorgen auch die 200-Tage-Linie bei 9350 und die breite horizontale Unterstützungszone um 8900 / 9000 für Sicherheit. Eine größere Umkehrformation und somit Schwächesignal in der mittel- bis langfristigen Zeitebene wird erst mit Kursen von unter 8900 aktiviert.

Warnsignal kommen von der Markttechnik. Der DSS Bressert ist in seine obere Extremzone vorgestoßen und kippt allmählich in den neutralen Bereich. Der MACD bildete sogar gegenüber seinem Hochpunkt zum Jahreswechsel eine tiefere Umkehr aus, obwohl der DAX neue Hochs erreichte. Diese negative Divergenz muss genau verfolgt werden und könnte ein Hinweis auf eine größere Korrekturbewegung sein.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie vor allem den trendfolgenden MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Allmählich erreicht der Signalgeber die Niveaus aus dem Jahr 2000 und 2007 (rote Linie).

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About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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