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By 28. Januar 2014 Read More →

Häufig tritt das auf, was nicht unmittelbar erwartet wird

Wer die vergangenen Jahre Revue passieren lässt, wird feststellen, dass die
Bewegung an den Aktienmärkten seit Jahresbeginn fast eine Kopie dessen, was sich im Januar 2010 abspielte. Wie geht es weiter? 

Die 29.  Kapitalanlegertagung in Zürich war von einer vergleichsweise gelassenen
Stimmung geprägt. Die Tagung fand am 21. und 22. Januar statt, also vor dem
jüngsten Abverkauf an den Märkten. Dank der Anwesenheit der Ökonomen Barry
Eichengreen und Hans-Werner Sinn bildete die Euro-Politik einen Schwerpunkt der
Debatte. Eichengreen betonte die Gefahr eines Abrutschens der Euro-Zone in die
Deflation. Auffallend positiv wurden die Aussichten für die USA dargestellt.
Eine Wachstumsschätzung von +3% erschien Barry Eichengreen zu konservativ.
Hans-Werner Sinn betonte, keinen Masterplan für die Lösung der Probleme in
Europa präsentieren zu können. Sein Motto lautete: Von jedem etwas und dann
muss es die Zeitschiene richten. Als wichtigsten Punkt nannte er die Abhaltung
einer Schuldenkonferenz. Auch temporäre Austritte einzelner Peripherieländer
und Budgetbeschränkungen sollten gemäß Hans-Werner Sinn Teil der Lösung sein.
Feste Wechselkurse sollten flexiblen Kursen weichen.

In nahezu  jedem zweiten Referat wurde betont, dass der Aufbau der Staatsverschuldung in
der Welt weiter voranschreitet. Keinem Industrieland würde es in den kommenden
Jahren gelingen, den Anteil der Staatsverschuldung in Prozent vom BIP zu
verringern. Die Folge sei, dass die Zentralbanken die Renditen weiterhin
drücken würden, um die Refinanzierung der Staatsverschuldung gewährleisten zu
können. Die US-Zentralbank sei unter Janet Yellen bestrebt, den monatlichen
Ankauf von US-Staatsanleihen komplett zurückzufahren. Es gäbe hier innerhalb
der Fed einen breiten Konsensus.

Gold wurde von den meisten Referenten vergleichsweise positiv gesehen. Man traut dem
Edelmetall eine Bärenmarktrallye zu. Die Unterstützung bei 1.000 Dollar wurde
als solide beschrieben. Euphorie für Gold kam während der Tagung nicht auf.
Aktien wurden positiv gesehen, wobei eine Korrektur ab dem Frühjahr (Felix
Zulauf) bzw. Sommer (Michael Riesner) erwartet wird. Felix Zulauf geht von
einer 20-Pozent-Korrektur aus. Michael Riesner sieht die Aktienmärkte am
Jahresende in etwa dort, wo sie begonnen haben (grob gesagt Anstieg bis zur
Jahresmitte und dann Fall bis zum Jahresende). Viele andere Referenten sahen
den Aktienmarkt am Jahresende höher als Ende 2013.

Den Emerging Markets wird – wie Gold und Rohstoffen – ein Bounce zugetraut. Als
großer Stolperstein für die Weltwirtschaft könnte sich in diesem Jahr China
erweisen (möglicherweise später im Jahr), so Felix Zulauf. Zulauf sieht die
Renditen Spaniens und Italiens „unten angekommen“. Vom aktuellen Niveau aus
dürfen sie zu steigen beginnen. Insgesamt aber wurde den Renditen nur ein
geringes Anstiegspotential zugebilligt.

Der Euro/Dollar genießt insgesamt wenig Vertrauen. Die Prognosen reichen von 1,20
oder tiefer (Zulauf) bis ca. 1,35 (Riesner) am Jahresende. Ein Ausbruch nach
oben wird gedanklich nicht verfolgt.

Interessanter Gleichlauf

Häufig tritt das auf, was nicht unmittelbar erwartet wird. Am Donnerstag kam es an
allen Aktienmarkt-Ecken und -Enden zu Rissen, am Freitag brach das Eis. Der DAX
verlor an beiden Tagen insgesamt 3,5%, der Dow Jones Index büßte 3% ein. Die
Bewegung ist fast eine Kopie dessen, was sich im Januar 2010 abspielte. Damals
kam es – wie aktuell – in der Woche nach dem Verfallstag zu einem massiven
Abverkauf.

rethfeld_2801_1

In Zwischenwahljahren ist ein solcher Jahresbeginn durchaus üblich. Im Januar
eines Zwischenwahljahres passieren gern dann Unfälle, wenn die Märkte zuvor
längere Zeit nach oben liefen. Trotz des ähnlichen Beginns wird das Börsenjahr
2014 einen anderen Verlauf als im Jahr 2010 nehmen. Es ist so gut wie
ausgeschlossen, dass historisch eng beieinander liegende Jahre ähnlich
verlaufen.

In unserem Jahresausblick nannten wir die Jahre 1984 und 1994 als mögliche
Vorbilder für den Verlauf des Jahres 2014. Nachfolgend zeigen wir die
aktualisierten Verläufe.

rethfeld_2801_2

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Die Korrekturen betrugen 17% (1984) bzw. 10% (1994). In Zwischenwahljahren sind
Korrekturen zwischen 10 und 20 Prozent mit einer recht hohen Wahrscheinlichkeit
belegt. Das
aktuelle Allzeithoch im Dow Jones Index stammt vom 31.12.2013.

Wichtige Hochpunkte zum Jahreswechsel kommen zu Beginn von Zwischenwahljahren gern
einmal vor. Das war nicht nur 1984 und 1994 so. Als berühmtestes Beispiel gilt
das Schlusstand-Allzeithoch im Nikkei-Index am 29.12.1989 (siehe Pfeil
folgender Chart). Die 39.000-Punkte-Marke liegt auch 24 Jahre später in weiter Ferne.

rethfeld_2801_4

Fazit: Im Bezug auf die Aktienmärkte wurde in Zürich fast unisono eine positive erste Jahreshälfte für die Aktienmärkte erwartet.
Dass eine solche Erwartung gerade in Zwischenwahljahren schief gehen kann,
haben wir weiter oben und sowie in unserem Ende Dezember veröffentlichten
Jahresausblick dargestellt. Erwerben Sie unseren Jahresausblick (mehr als 100
Seiten, mehr als 100 Charts) unter www.wellenreiter-invest.de.

Robert Rethfeld
Wellenreiter-Invest

P.S. Ein kostenloses 14tägiges Schnupperabonnement erhalten Sie unter www.wellenreiter-invest.de

About the Author:

Robert Rethfeld betreibt die Internetseite Wellenreiter-Invest. Kernprodukt ist ein handelstäglich erscheinender Börsenbrief. Auch ein kostenloses 14-tägiges Schnupperabonnement ist möglich. Die Aufmerksamkeit gilt Langfristentwicklungen, Zyklen und saisonalen Mustern sowie der Verschiebungen des smarten Geldes. Zusätzlich werden die Positionierungen der kommerziellen Händler und Großspekulanten analysiert („CoT-Daten“). Rethfeld ist TV-Interviewpartner und Mitglied der Vereinigung technischer Analysten (VTAD). Er lebt im Vordertaunus, wo er sich als Vorsitzender einer Freien Wählergemeinschaft kommunalpolitisch engagiert.

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