By 27. Oktober 2014 Read More →

Das übergeordnete Bild bleibt kritisch

Durch den Ausverkauf der vergangenen Wochen lautet heute natürlich die „Millionen- Frage“, ob der Markt nun bereinigt ist, oder ob nur ein paar Käufer angelockt werden, die bald erneut von den Bären gegrillt werden. Die äußeren Charts erholen sich natürlich nur zögerlich, aber wichtige Indikatoren des inneren Marktes belegen die große Chance des Bullenmarktes.

Liebe Leserinnen und Leser,

im Gegensatz zu meiner vergangenen Meldung hat sich im DAX einiges getan. Genauer gesagt wurde nun endlich auch ein Kaufsignal im Sinne der P & F Technik erzeugt. Ob und wie lange dieses Bestand haben wird, kann natürlich kein ehrlicher Analyst ohne Glaskugel garantieren. Da sich aber wie hier bereits erklärt der innere Markt kurzfristig ganz deutlich verbessert und bereits ein klassisches Kaufsignal gegeben hat, sehe ich die Käufer mindestens kurzfristig im Vorteil. (Langfristig sind die Verkäufer noch im Vorteil, da die bisherige Nachfrage noch nicht ausgereicht hat, um eine neue X-Spalte im übergeordneten NYSE Bullish Percent zu erzeugen). Erst diese wurde anzeigen, dass auch übergeordnet wieder systematisch Kapital in den Markt fließt. Trotzdem deutet das Niveau des Indikators bei 42 % Kaufsignalen der P & F Technik aber darauf, dass wir eher „unten als oben“ sind.

Auch aus Sicht der klassischen Charttechnik betrachtet wird deutlich, dass der DAX nun wieder in seinem vorherigen Seitwärtstrends handelt. Dieser ist seit dem Frühjahr 2013 etabliert und erstreckt sich von etwa 8.500 bis 10.000 Punkten. Die Verletzung dieses Trends in der Vorwoche stellt sich nun offenbar als Fehlsignal heraus, welches nun mit großer Dynamik wieder korrigiert wird. Diejenigen Investoren, die davon ausgegangen sind, dass wir nun eine neuen Abwärtstrend einleiten, müssen ihr Handeln überdenken und Positionen nachkaufen. Dazu kommen noch die Leerverkäufer, die sich ebenfalls eindecken und bei steigenden Kursen ihre Verluste begrenzen. Dies sind die Gründe, warum sich nach Fehlsignalen der Markt meist blitzschnell in die entgegengesetzte Richtung wendet.

Diese Situation habe ich übrigens auch ausgenutzt, um im Premiumbrief und der Vermögensverwaltung Positionen aufzubauen und die Liquidität zu verringern.

Mehrfaches Kaufsignal der P & F Technik

Der P & F Chart, der sich auf das Ergebnis des Kampfes zwischen Angebot und Nachfrage beschränkt, zeigt wie die Fronten der beiden Lager aufeinanderprallen. Deutlich zeigen die beiden dynamischen 0-Spalten, wie schnell die als tragfähig betrachtete Unterstützung bei etwa 8.900 Punkten überrannt wurde. Viel stärker war auf diesem DAX- Niveau der Druck der Verkäufer als im August des Jahres.

Ebenfalls erkennen Sie gut das plötzliche Kaufinteresse bei etwa 8.450 Punkten, welches nun den hartnäckigen neuen Widerstand zwischen 8.850 und 9.000 überwunden hat. Dabei wurde mit dem Überwinden der Marke von 8.950 ein wichtiges Kaufsignal generiert. Dieses erkennen Sie an der aktuellen positiven X- Säule, die die vorhergehenden deutlich überragt. An dieser Stelle ist also heute die Nachfrage der Käufer stärker als während des kurzen Erholungsversuches zu Beginn der Vorwoche. Dieser Nachfrageüberschuss war ausreichend, um ein neues Projektionsziel zu erzeugen, welches auf ein Kursziel weit oberhalb von 9.500 Punkten binnen einiger Wochen deutet.

Trotz des heutigen Luftholens der Kurse könnte das beschriebene Kaufsignal eine wichtige Vorentscheidung gewesen sein.

Bitte bedenken Sie, dass größere Kursbewegungen meist nicht geradlinig verlaufen. Auch wenn nun eine Konsolidierung bis in den Bereich von 8.900 Punkten oder knapp darunter wahrscheinlich ist, bin ich mir trotzdem recht sicher, dass wir in wenigen Wochen von unten an die fallende Widerstandslinie gerade anklopfen werden. Diese verläuft heute bei etwa 9.550 Punkten. Dort wird dann die Entscheidung fallen, ob wir früher Kurse oberhalb von 10.000 Punkten sehen als es sich heute die Masse der Anleger vorstellen kann.

Die Marktinterna

Da wir aber alle wissen, dass man gute Investments in unsicheren Zeiten macht und nicht dann, wenn alle Hurra schreien und Aktien angeblich „alternativlos“ sind, werfen wir einen Blick auf die Marktinterna. Denn mit großer Zuverlässigkeit ändert zuerst der innere und dann erst der äußere Markt seine Richtung. Meiner Meinung nach lenkt der innere Markt ganz eindeutig den äußeren – und nicht umgekehrt. Vor allem der zuverlässige kurzfristige Indikator des inneren Marktes ist mir wichtig, da man hier zuerst das Umdenken der „starken Hände“ ganz systematisch erkennt:

Immer mehr Aktien erobern die 50- Tage- Linie zurück….

Deutlich erkennen Sie, wie sehr der wichtige US Aktienmarkt in der vergangenen Woche überverkauft war. Wir befanden uns auf einem Niveau, welches seit über zwei Jahren nicht mehr erreicht wurde, aber praktisch immer eine gute Gelegenheit für Trader darstellt.

Die vergangenen Tage (in der Grafik ganz rechts) zeigen aber, dass starke Hände wieder mindestens kurzfristig in den Markt zurückkehren und auf eine deutliche Gegenbewegung setzen. Natürlich passiert dies immer dann, wenn die Medien sehr negativ sind und sich Investitionen schlecht anfühlen.

Die Idee dahinter ist die folgende: Märkte pendeln stets zwischen ihren extremen Zonen, halten sich aber bevorzugt in der Nähe ihres normalen Zustands auf. Je deutlicher ein Markt überverkauft ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass bald eine Gegenbewegung beginnt. Die aktuelle X- Spalte im rechten Bereich zeigt Ihnen, dass die Anzahl der Aktien systematisch zulegt, die ihre wichtigste Unterstützung zurückerobert – nämlich die 50 Tage Linie. Aus welchen Gründen dies passiert, können wir heute nicht abschätzen. Aus technischer Sicht sollten wir einfach festhalten, dass immer mehr Titel den gesamten Markt stützen, da sie oberhalb der wichtigen Unterstützung handeln.

 …aber übergeordnet bleibt es kritisch

Kurzfristig sieht das Bild positiv aus, aber übergeordnet ist im Sinne des inneren Marktes noch keine Entscheidung gefallen, da der wichtigste Risikoindikator nach wie vor auf das Bärenlager zeigt. Trotz der kurzfristigen Erholung hat die Nachfrage der starken Hände nicht ausgereicht, um den gesamten Markt aus seinem Risikozustand zu befreien. Diesen wiederum erkennen Sie an der aktuellen 0-Spalte im rechten Bereich, die Ihnen zeigt, dass systematisch Kapital abgezogen wird.

Die folgende Grafik zeigt Ihnen die Relation der Kaufsignale nach P % F  Technik zur Gesamtheit aller an der US Börse NYSE gehandelten Aktien. Hier ist noch keine Erholung zu erkennen, es hat sich noch keine positive x-Achse gebildet. Dies würde erst passieren, wenn sich die Anzahl der Kaufsignale auf mindestens 46 Prozent erhöhen würde. Diese Stelle habe ich mit einem roten Pfeil markiert.

Auch dieser Indikator ist mit der heutigen Ausprägung von 42 % schon nahe des überverkauften Bereichs, hat aber noch genügend Luft bis zu seiner extremen Zone, die er immer wieder ansteuert. Die Erholung der vergangenen Tage war noch nicht ausreichend, um eine positive X-Achse zu erzeugen. Erst diese würde den systematischen und längerfristigen Vorteil der Käufer signalisieren.

Kurze Erklärung:

Der NYSE BPI zeigt Ihnen die Relation der an der New Yorker Börse gelisteten Aktien, die auf einem Point & Figure Kaufsignal handeln. Wenn nun eine größere Anzahl an Aktien von einem Point & Figure Verkaufssignal auf ein Kaufsignal wechselt, so lässt sich daraus folgern, dass in einem gewissen Umfang Kapital in den Markt fließt.  Und natürlich umgekehrt.

Damit bleibt noch die Frage, ab wann ein derartiger Mittelzufluss oder Kapitalabzug relevant ist. Denn man möchte sich ja als Anleger nicht bei jeder kleinen Kursbewegung erneut die Frage stellen, wie nun vorzugehen ist und ob sich ein neuer wichtiger Trend etablieren könnte. Historisch bewährt hat sich hier die Schwelle von 3 Boxen. Wenn also der Index über 3 Boxen steigt oder fällt, findet ein Wechsel in eine neue X- oder O-Spalte statt. Deswegen stehen in einer Spalte auch entweder nur X oder 0. Entweder sind die Bullen oder die Bären eindeutig im Vorteil in einer bestimmten Marktphase und entsprechend sollten Sie agieren.

US-Banksektor testet wichtige Unterstützung

Einer der wichtigsten Sektoren, um die Tragfähigkeit der Kurserholung zu beurteilen, ist der Bankensektor. Ohne die wichtigen US-Banken ist eine dauerhafte Erholung der Konjunktur und des gesamten Aktienmarktes nicht möglich.

Gut erkennen Sie an diesem Chart des US Bankensektors, dass dieser nach wie vor in einem Aufwärtstrend handelt. Trotz des Rückschlags der vergangenen Wochen handeln wir noch komfortabel oberhalb der positiven Unterstützungsgeraden.

Deshalb ist das kürzlich gebildete Verkaufssignal auch weniger gravierend als ein gleiches Signal unterhalb der Trendgeraden.

Trotzdem sollte die plötzliche Wucht der Verkäufe sorgfältig beachtet und nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Wie gesagt, zu wichtig ist dieser Schlüsselsektor für den gesamten Aktienmarkt. Immerhin wurde bei 70 Punkten ein Verkaufssignal gebildet. Dieses ist auch heute noch, trotz der positiven X-Achse, aktiv und deutet auf ein Kursziel des Bankensektors von etwa 60. Dort verläuft auch die Unterstützungsgerade, die auch in positiven Trendmärkten immer wieder getestet wird.

Ich empfehle Ihnen, in den kommenden Tagen diesen Sektor sorgfältig im Blick zu behalten. Auch wegen des europäischen Banken- Stresstests, der am Wochenende veröffentlicht wurde.

Nun wünsche ich Ihnen viel Erfolg mit Ihren Anlagen.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Klaus Buhl

Posted in: Gastbeiträge

About the Author:

Klaus Buhl ist seit über 15 Jahren als Portfoliomanager und Analyst tätig und betreibt u.a. das Portal www.libra-invest.de. Dort erhalten Sie praktische Hinweise über die sinnvolle Kombination von marktneutralen bzw. vermögensverwaltenden Strategien in Abhängigkeit vom jeweiligen Börsenzyklus. Ein kostenloser Newsletter informiert regelmäßig über neue Entwicklungen. „Ich verspreche Ihnen keinen schnellen Reichtum, aber konstante Performance und regelmäßige Erträge in jeder Marktphase. Aber vor allem: Keine Verluste mehr!”

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