By 12. März 2014 Read More →

Gold, Silber, DAX, Dow und Sensex – Trend oder Trendbruch?

Nicht dass die Vorgänge um die Krim „Peanuts“ wären. Das enorme Getöse, dass die Finanzmärkte derzeit beschallt, sollte Sie jedoch veranlassen, einfach nicht mehr hinzuhören und stattdessen einmal selbst hinzuschauen. Die Hausse ist intakt. Und außer Stopps zu beachten gibt es nichts zu tun!

Manchmal muss man lange auf sie warten, in der abgelaufenen Woche aber hatte ich gleich zwei davon. Ich spreche von jenen „Schlüsselerlebnissen“, die für sich genommen, belanglos sind, einem aber doch wieder einmal die Augen öffnen für Vertrautes, das einem sonst vielleicht irgendwann einmal entgleitet.

Schlüsselerlebnis Nummer eins: Wie Sie wissen oder auch nicht, koche ich gerne. Es entspannt, macht jede Menge Spaß und führt so gut wie immer zu positiver Rückmeldung. So auch am Montag. Ich hatte Pizza gemacht. Und zwar so, wie Sie sie in Italien bekommen. Und nicht so wie das, was in den Tiefkühltheken der Supermärkte aus nicht ganz klaren Gründen als Pizza verkauft werden darf und wird.

Da ich auf meiner italienischen Flachspeise sehr gerne Parma- oder Serrano-Schinken, Sardellen, Ruccola und Knoblauch vorfinde, meine Gattin hingegen eher zu Thunfisch, Zwiebeln und frischen Tomaten neigt, habe ich artig gefragt, ob sie diesmal auch ein paar Sardellen haben wolle. Und sie wollte.

Sardellen sind salzig. Sehr salzig. Und Salz macht Durst, wie Sie wissen. Davon bekam meine bessere Hälfte am Nachmittag jede Menge. Und natürlich erklärte sie mir, beim nächsten Mal doch lieber auf die Sardellen verzichten zu wollen.

Was sie nicht wusste: Ich hatte nicht ein einziges Sardellenfilet auf unsere Pizzen gelegt. Aber schon alleine das Wissen um die kleinen Dursttreiber hatte seine Folgen gehabt.

Gestern – zweites Beispiel – lud ich dann vier Multiplex-Sperrholzplatten aus meinem Wagen aus, die ich dort hinter den Rücksitzen platziert und schon einige Tage mit mir herum gefahren hatte. Im Baumarkt meiner Wahl hatte ich zwei der quadratischen Platten auf 96 x 96 und zwei auf 88 x 88 cm schneiden lassen.

Schon beim Einladen war mir aufgefallen, dass ich die beiden größeren Platten nur mit Hängen und Würgen ins Fahrzeug brachte. Beim Ausladen tat ich mir mit diesen Zweien noch schwerer. Als ich die vier Platten dann zur geplanten Weiterverarbeitung auf meiner Terrasse voreinander an die Hauswand gelehnt hatte, stellte ich fest, dass der subgeniale Zuschneider im Baumarkt alle Viere auf 96 x 96 cm gesägt hatte. Auch das ist wieder ein klassisches Beispiel dafür, was Voreingenommenheit bewirken kann.

Woche des Grauens?

Noch zu Beginn der vergangenen Woche hatte es danach ausgesehen, als ob die Finanzmärkte die „Krim-Krise“ rasch hinter sich lasen könnten. Dann aber kam es Schlag auf Schlag. Und geht es nach den Marktkommentaren, sahen wir eine rabenschwarze Woche. Sieht man stattdessen auf den abgebildeten Wochenchart des DAX, lässt sich festhalten: Wüssten wir nicht, dass es eine durchaus risikoreiche internationale Kriese gibt, könnten wir sie am DAX-Chart nun wirklich nicht erkennen. Und zwar weder im Kursverlauf noch beim Volumen. Denn die Umsätze schafften es nur auf Platz vier der Wochenumsätze im bisherigen Jahresverlauf. Hinzu kommt, dass auch das auf Wochenbasis eingestellte Momentum nach wie vor sehr weit oberhalb seiner bei 100 verlaufenden Signalschwelle liegt.

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Alles in allem zeigt der Chart einen DAX, der im Frühjahr 2009 eine imposante Hausse gestartet und diese dann ab 2011 und erneut ab 2012 noch einmal beschleunigt hat, um heute immer noch solide über der jüngsten und steilsten der Aufwärtstrendlinien zu liegen. Was also soll das ganze Geschrei?

Erst recht stellt sich diese Frage, wenn wir einmal nach Übersee und auf die Wall Street blicken. Der DAX hat sich noch nie wirklich vom Dow Jones „abkoppeln“ können. Einerseits ist das durchaus ein Armutszeugnis, andererseits auch so etwas Ähnliches wie eine Garantie: Solange die Trends an der Wall Street intakt bleiben, wird es auch hier nicht wirklich ungemütlich werden.

Und wie Sie sehen, ist in New York auch in der vergangenen Woche nichts angebrannt. Natürlich wird diese Hausse einmal enden. Und einiges spricht dafür, dass es dann keineswegs bei einer „sanften“ Korrektur bleiben wird. Aber so weit sind wir erkennbar noch nicht.

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Und was sagen die Technologie-Aktien, denen gemeinhin so etwas wie eine Vorreiterfunktion zugesprochen wird? Nun, auf Wochenschlusskursbasis ging der Nasdaq 100 kürzlich auf dem höchsten Stand der vergangenen 13 Jahre aus dem Handel. Ist das bearish?

Um den derzeit durch die Börsenberichterstattung wabernden Pessimismus völlig zu entkräften, hier der aktuelle Stand der Nachfrage nach Krediten zum Aktienkauf. Wie Sie sehen, kam es auch in der abgelaufenen Woche zu einem neuen Rekordhoch. Von einer Wende am Aktienmarkt können und müssen wir erst ausgehen, wenn es hier zur nächsten Abwärtszacke kommt. Vergessen wir auch eines nicht:

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Das von ausländischen Anlegern in der vergangenen Woche aus dem RTX (minus 8,2 Prozent) und anderen Ostbörsen abgezogene Kapital muss ja wieder irgendwo hin. Und es fließt dorthin, wo die Aufwärtstrends entweder noch intakt sind oder sich sogar neue Kaufsignale zeigen. Aus gutem Grund hatte ich Ihnen daher in der letzten Woche den indischen Aktienindex BSE Sensex ans Herz gelegt. Indien ist der letzte „Aufrechte“ der vier BRIC-Staaten. Und in dieser Woche gelang hier auch der Ausbruch nach oben.

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Das Überwinden der beiden fast punktgenau auf einer Höhe liegenden Bestmarken aus 2008 und 2010 ist aus charttechnischem Blickwinkel ein starkes Argument, zumal sich die jetzt durchbrochene Widerstandslinie sehr gut als künftige Stoppmarke verwenden lässt.

Wer hier ein paar Eisen ins Feuer legen möchte, kann das mangels verfügbarer Derivate (außer Optionen und Futures) mit einem Mix aus Bajaj Auto, Larsen & Toubro, Reliance Industries, Tata Motors und Wipro tun.

Edelmetalle: Aufpassen!

Dass die meisten neuen Wirtschaftsdaten heute mit dem schmückenden Beiwort „überraschend“ daher kommen, hatte ich hier ja bereits wiederholt thematisiert. Das liegt einfach daran, dass die meisten Volkswirte dahin schauen, wohin zu schauen ihnen einmal beigebracht wurde. Statt dahin, wo die Musik spielt.

Neuestes Beispiel: Die heute veröffentlichten Zahlen zu den Exporten Chinas im Februar waren von den von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Ökonomen auf plus 6,8 Prozent geschätzt worden. Heraus gekommen ist ein sattes Minus. Der Rückgang im Außenhandel stellte sich auf minus 18,1 Prozent, was man durchaus als Einbruch bezeichnen darf. Nun kamen diese Zahlen ja zu spät, um das Verhalten der Edelmetalle in der vergangenen Woche zu erklären.

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Positiv für Gold und Silber sind diese Zahlen aber gewiss nicht. B5 aktuell, reichweitenstärkster deutscher Rundfunk- Nachrichtensender, sprach im Rückblick auf die Krimkrise heute von einer „Flucht ins Gold“.

Ach ja? Im Wochenvergleich legte der Unzenpreis auf Dollarbasis um 0,64 Prozent zu und schloss nahe am Wochentief. Wohin auch immer die Anleger geflohen sein mögen, ins Gold ganz bestimmt nicht!

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Das Ausbleiben einer zu erwartenden Kursbewegung aber sstellt so gut wie immer ein Warnsignal dar. Und das gilt auch für Silber. Bei einem Wochengewinn von 0,52 Prozent sieht es nicht danach aus, als ob die Krim-Krise zum Lockstoff für Silber-Anleger geworden wäre. Und: Solange die Lage nicht zu einer internationalen militärischen Auseinandersetzung führt (was m. E. höchst unwahrscheinlich ist), werden die Ereignisse auf der Krim eher bearish für die Edelmetalle sein:

Die gegenseitige, teils ja auch schon eingeleitete Drohung mit „Wirtschaftssanktionen“ schadet beiden Seiten. Und einmal in Gang gesetzt, kann sich so etwas sehr schnell hochschaukeln. „Was, Ihr erlaubt Euch, unsere Konten einzufrieren. Dann passt mal schön auf, was wir jetzt tun werden.“ Etc. etc. Bei einem solchen Treiben gibt es immer nur Verlierer, keinen Sieger. Aber warten wir ab. Ich hatte wiederholt davor gewarnt, bereits die neue Hausse der Edelmetalle auszurufen. Und diese Warnung wiederhole ich.

ZUSAMMENFASSUNG

Während die meisten Anleger dank der Medien äußerst salzige Sardellen auf ihrer Pizza schmecken, die gar nicht da sind, bestehen die Aufwärtstrends bei DAX und Dow Jones unverändert fort. Wie in der letzten Woche avisiert, ist der russische RTX „abgesoffen“, während der BSE Sensex nun den Befreiungsschlag über seinen massiven, langjährigen Widerstand geschafft hat.

Gold und Silber haben nicht wirklich auf die Zuspitzung der Lage auf der Krim profitiert, was als Warnhinweis zu verstehen ist. Chinas heute veröffentlichte Zahlen zum Außenhandel könnten in der kommenden Woche Druck auf die Edelmetalle bringen, da sie meine Ihnen vertraute Auffassung stützen, dass sich die Weltwirtschaft nicht in einem phantastischen, sondern in einem phantasierten Aufschwung befindet.

Viel Erfolg und beste Grüße!

Axel Retz

About the Author:

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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