By 30. September 2013 Read More →

Gold vor der Entscheidung – Handelsempfehlungen

Die Erholung beim Goldpreis im Juli und August sah sehr vielversprechend aus. Zuletzt müssten die Gold-Bullen aber einige Rückschläge einstecken. Eine Analyse der weiteren Aussichten.

Gold steigend

Erinnern Sie sich noch an den Spätsommer 2011? Zumindest die Gold-Fans unter Ihnen dürften in Gedanken versinken, denn vor knapp zwei Jahren sahen wir den finalen Aufwärtsimpuls beim begehrten Edelmetall. Ausgehend von 1500 Dollar je Feinunze Anfang Juli schoss der Kurs bis Ende August auf bis zu 1900 Dollar (Rekord: 1921 Dollar). Wo ist nun der Zusammenhang zur heutigen Ausgangslage? Ganz einfach, auch damals herrschte in Washington dicke Luft. Nicht wegen den Temperaturen, sondern aufgrund der Schuldenobergrenze.   An den Finanzmärkten waren sicherere Anlagealternativen gefragt – dazu zählte natürlich auch Gold. Ein Grund für den spektakulären Kursschub vor zwei Jahren. Aktuell rückt die Schuldenmisere in den USA erneut in den Mittelpunkt, eine Lösung im US-Kongress zeichnet sich bisher nicht ab. Moody’s geht davon aus, dass die Schuldenobergrenze erneut nach oben angehoben wird. Auch El-Erian, Chef des weltgrößten Anleihehändlers von Pimco, bleibt entspannt – die Märkte hätten sich an das endlose Drama gewöhnt und nehmen die Gefahr nicht mehr ernst.  Preisunterstützende und –belastende Nachrichten halten sich aktuell die Waage. Mittelfristig belastet die wahrscheinliche Reduzierung der Fed-Anleihekäufe, kurzfristig wirkt die Unsicherheit über die unmittelbar bevorstehende Zahlungsunfähigkeit der USA unterstützend.

Kommen wir zu den Charts und damit zunächst zur Frage, ob Gold derzeit hoch bewertet ist im Vergleich zu Silber. Aktuell wechselt die Feinunze Gold für 1340 Dollar den Besitzer, Silber kostet rund 22 Dollar – der Faktor liegt aktuell somit bei rund 61. Im Vergleich zu historischen Niveaus ist Gold derzeit vergleichsweise teuer, denn die durchschnittliche Ratio der vergangenen Jahrzehnte liegt bei rund 50. Vor allem in den ersten sechs Monaten kletterte die Relation deutlich, d.h. Gold legte im Vergleich zu Silber an Wert zu. Die Performance im bisherigen Jahr fällt für beide Edelmetalle wenig erfreulich  aus. Mit Gold wären Anleger aber zu jedem Zeitpunkt besser unterwegs gewesen. Sowohl Silber als auch Gold erreichten Ende Juni ihr bisheriges Jahrestief – Silber lag 39 Prozent unter dem Wert von Anfang Januar, Gold 28 Prozent. Einen Teil der Abschläge haben die Edelmetalle inzwischen aufgeholt – Gold liegt noch 20 Prozent im Minus, Silber 28 Prozent.

 

 

Charttechnik – Ausgangslage

Abgebildet sehen Sie den Gold-Kursverlauf seit Sommer 2012. Sehr schön zeigt sich der dynamische Abverkauf im April, nachdem die Notierung unter die wichtige Nahfragezone von rund 1530 Dollar rauschte. Nach einer technischen Gegenreaktion wurde ein „zweites Bein“ ausgebildet, wobei der Kurs noch einmal deutlich nachgab und erst bei rund 1200 Dollar wieder gen Norden drehte. Bei der Volumenentwicklung sahen wir sowohl Mitte April als auch Ende Juni einen Ausverkauf – eine gute Basis für eine Gegenbewegung. Nach dem deutlichen Abverkauf im Juni hätte man eigentlich eine V-förmige Erholung erwarten dürfen, die rechte Seite verlief aber wesentlich flacher. Ein erstes Schwächesignal. Der Rückprall vom Clusterwiderstand bei 1420 Dollar Ende August wäre akzeptabel gewesen, wenn der Kurs sich über 1350 Dollar stabilisiert hätte. Stattdessen sahen wir eine Rückkehrbewegung exakt bis an das 50 Prozent Fibonacci-Niveau der Juni-August-Aufwärtsbewegung. Grundsätzlich spricht ein Rückschlag in dieser Größenordnung noch nicht gegen eine Fortsetzung der übergeordneten Bewegung.

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

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Charttechnik – Prognose

Für die kommenden Wochen lassen sich einige wichtige Leitplanken für Gold definieren. Im Volumengebirge zeigt sich deutlich eine höchst ineffiziente Zone um 1350 Dollar. Zumindest in der Vergangenheit wurde diese Marke immer sehr schnell überwunden oder durchstoßen, eine wichtige Info für Intraday-Trader. Der kurzfristige Spielraum lässt sich durch das 23er- und 50er-Fibonacci-Retracmeent (1300 bis 1370 Dollar) eingrenzen. Kursbewegungen innerhalb dieser Spanne sind als vollkommen neutral zu werten. Sollte es zum Ausbruch auf der Oberseite kommen, drückt bereits die im August vergeblich getestete innere Abwärtstrendlinie von oben. Bis Mitte Oktober fällt die Gerade auf 1370 Dollar. Kaufenswert erscheint Gold erst bei einem Tages- oder noch besser Wochenschluss oberhalb von 1435 Dollar. Einsteigen sollten aber nur risikofreudige Anleger, denn die fallende 200-Tage-Linie sowie der seit Oktober 2012 bestehende Abwärtstrend bei 1470 Dollar stellen weitere Hürden dar. Für dieses positive Szenario spricht die nach wie vor günstige Saisonalität. Über 30 Jahre berechnet entwickelt sich  das Edelmetall in den ersten sechs Monaten des Jahres überwiegend seitwärts und verzeichnet erst ab Anfang August deutliche Zuwächse. Abgesehen von einer leichten Korrektur, die meist im Oktober stattfindet, hält der Aufwärtstrend meist bis in den Januar hinein an.

Auf der Südseite signalisieren Kurse unter dem letzten Bewegungstief bei 1300 Dollar eine Fortsetzung der Abwärtsbewegung. Zielgebiet ist dann zunächst 1270 Dollar, unterhalb von 1250 dürfte das Jahrestief 1179 angelaufen werden. Hier bietet sich Gold die letzte Chance auf Ausbildung eines Doppel-Bodens. Gelingt dies nicht und fällt der Kurs unter 1150, dürfte es mittelfristig bis an die 1000er-Marke gehen.

 

Anlageideen

Zunächst einmal gilt es klar zu trennen zwischen der Goldanlage in physischer Form oder als Papiergeld. Der Unterschied liegt in der Anlagephilosophie. Wer auf Münzen und Barren setzt, ist in erster Linie nicht an Wertsteigerungen interessiert, sondern nutzt Gold als Versicherung, Ort der Stabilität, Schutz vor Inflation. Sollte es zu einem Bankcrash kommen, könnten Gold und Silber als nicht-staatliche Währung eingesetzt werden – so die Theorie. Zumindest für Privatanleger ist es relativ einfach geworden, auch  kleine Mengen an Gold zu kaufen. Allerdings lohnt es sich hier genau zu vergleichen, vor allem bei den Margen.

Goldinvestments über ETFs, Zertifikate oder andere Derivate haben hingegen einen spekulativen Charakter und zielen vor allem auf Kursgewinne ab. Die Auswahl ist groß und reicht von eher passiven Anlagen bis hin zu sehr riskanten Hebel-Investments.

Wer Gold nicht physisch erwerben möchte, aber dennoch viel Sicherheit haben will, greift zu ETCs, da es sich um Schuldverschreibungen handelt. Der Vorteil: Die Emittenten hinterlegen Gold, das auf Wunsch auch ausgeliefert werden kann. Anleger in Deutschland haben mit den beiden ETCs Xetra-Gold (WKN: A0S9GB) oder Euwax-Gold (WKN: EWG0LD) die Qual der Wahl. Bei Xetra-Gold berechnet die Emittentin Deutsche Börse eine jährliche Verwaltungsgebühr von 0,36 Prozent, während Euwax-Gold der Börse Stuttgart gebührenfrei ist. Zudem fallen bei Xetra-Gold Gebühren an, wenn eine physische Auslieferung gewünscht wird. Fazit:  Wer längerfristig investieren möchte, steigt bei Euwax-Gold ein. Sparfüchse, die eher im kurzfristigen Bereich agieren, greifen eher zu Xetra-Gold, da hier der Spread mit 0,1 Prozent im Vergleich zu aktuell 1,07 Prozent geringer ist. Wegen der fundamental- und charttechnisch unsicheren Ausgangslage empfiehlt sich aktuell aber zunächst nur eine kleine Position, die später ausgebaut werden kann.

Der Einstieg über gehebelte Long- oder Short-Produkte erscheint derzeit nicht ratsam, weil kein klarer Trend vorliegt. Erst wenn Gold mindestens über 1435 Dollar steigt oder unter 1250 Dollar zurückfällt, eröffnen sich kurzfristig neue Chancen. Wer die Patt-Situation dennoch nutzen möchte, kann zu Inlinern greifen, die ihre Stärke bekanntlich in Seitwärtsmärkten ausspielen. Relativ viel Platz lässt ein Produkt der Societe Generale (WKN: SG4F11) mit Grenzen bei 1150 und 1600 Dollar. Nach oben hin könnte Gold somit um gut 19% zulegen, nach unten um 14% fallen, ohne das ein Totalverlust eintritt. Sollte Gold diese Range bis zum 12. September 2014 nicht verlassen, erzielen Anleger eine Maximalrendite von 106 % oder 110% p.a. Natürlich muss der Schein nicht bis zur Fälligkeit gehalten werden, auch ein Verkauf in den kommenden Monaten kann sich bereits lohnen, wenn Gold wie erwartet zunächst seitwärts tendieren wird.

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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