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By 29. Januar 2014 Read More →

Dow Jones, DAX, Apple – genau hinsehen lohnt sich

Die Labileren unter den Börsianern sollten ihre Blutdrucksenker in Reichweite halten. Passiert ist zwar noch  nichts. Zumindest nichts Neues. Verändert hat sich nur die Sichtweise der Anleger auf die Fakten. Daraus kann mehr werden. Hektik aber ist überflüssig.  

 

Mein Studium habe ich mir über Jahre hinweg als „Aushilfs-Schwimmmeister“ und Schwimmlehrer für Kinder im Schwimmbad meiner Heimatstadt verdient. Und es ehrt mich wirklich, dass selbst heute, nach über 35 Jahren noch damalige Beschäftigte des Bades anrufen, um mir zum Geburtstag zu gratulieren.

In diesem Schwimmbad habe ich viel gelernt fürs Leben. In fast jeder Hinsicht. Eine Erkenntnis kam mir gestern wieder in den Sinn: War es im Sommer (damals fand er noch regelmäßig zwischen Anfang Juni und Ende August statt, einmal über mehrere Tage so richtig heiß, hatten wir regelmäßig zwischen 4.000 und 5.000 Besucher im Bad. Wehe, wehe, wenn es sich dann am letzten dieser Hundstage erst zuzog, dann etwas Wind aufkam und schließlich die ersten Tropfen fielen. Was dann unter den Badegästen ausbrach, verdient durchaus den Namen Panik, die regelmäßig in so etwas wie eine Massenflucht einmündete.

Anders, wenn das Wetter der letzten Tage eher durchwachsen gewesen war. Fing es dann zu tröpfeln an, gingen die einen, während die anderen blieben. Was wir in der vergangenen Woche am Deutschen Aktienmarkt gesehen haben, war die erste der beiden beschriebenen Varianten.

Nach einer ungemein heißen und ebenso außergewöhnlich langen Schönwetterphase kam es zu einem ersten Schauer. Hätte die Börse in den vergangenen Wochen ein gemischtes Bild von Auf und Ab gezeigt, wäre der Tag als einer der üblichen Korrekturtage in den Köpfen der Anleger angekommen.

Da der Markt zuletzt aber nur eine Richtung kannte, fiel die Reaktion ganz anders aus. Der Exodus der Anleger war bemerkenswert. Sowohl von den Umsätzen her als auch von der Marktbreite: Kein einziger der 30 DAX-Titel konnte einen Gewinn verbuchen, im MDAX landeten 48 der 50 Aktien im Minus, und auch im technologielastigen TecDAX schafften es nur zwei Werte in den grünen Bereich. Also:

Der Schrecken ob der ersten Regentropfen ist groß. „Ursachen“ wurden von „Experten“ auch rasch gefunden. Es waren die Währungsturbulenzen der sgn. Schwellenländer, namentlich Argentiniens und der Türkei, die gegen den US-Dollar deutlich an Wert verloren.

Und das wird geglaubt! Nur: Wer mal genauer hinsieht, wird folgendes feststellen: Der argentinische Peso hat seit seinem Hoch am 10. September 2008 gegenüber dem US-Dollar sukzessive rund zwei Drittel an Wert verloren, bei der türkischen Lira haben wir seit Anfang 1998 gegenüber dem Greenback (US-Dollar) sogar einen schleichenden Kursverfall um 90 Prozent gesehen. Und? War es jemals ein Thema? Nein. Nie.

Aber wenn unsere Profis der Banken mit Erklärungen vor die Kameras treten, dann sollten Sie bis auf wenige Ausnahmen auch nicht mehr erwarten. Wer die Zeit derartiger Sendebeiträge nutzt, um mit Kind, Hund oder Katze zu spielen oder seine Frau einmal wieder in den Arm zu nehmen, schont zum einen sein intellektuelles Immunsystem und fährt zweitens eine erheblich höhere, wenn auch nicht finanziell messbare Rendite ein.

Denn die wirklich wertvollsten Dinge des Lebens werden nicht in Geld gemessen. Sehen wir uns die Sache einfach einmal mit der gewohnten Gelassenheit an. Zuvor aber noch eine kleine Stellungnahme zum Transatlantischen Freihandelsabkommen. Also dem Handelsabkommen, dessentwegen die Bundesregierung auf Biegen und Brechen davor zurückschreckt, in der unsäglichen NSA-Affäre einmal Rückgrat zu zeigen:

TTIP: Offener Brief an eine Geschlossene Gesellschaft

Über das geplante Transatlantic Trade and Investment Partnership-Abkommen (TTIP), besser bekannt als „Freihandelsabkommen“, das es der Bundesregierung wert ist, ureigenste Interessen beispielsweise unseres Grundgesetzes unter den Teppich zu kehren, wird konkret seit etwa Mitte 2013 verhandelt.

Warum ich das nicht genauer weiß? Weil das Handelsabkommen unter komplettem Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt wird. Und das vermutlich aus gutem Grund. Neben den Vertretern der teilnehmenden Regierungen sitzen nur rund 600 Unternehmenslobbyisten mit am Tisch.

Unter http://de.wikipedia.org/wiki/Transatlantisches_Freihandelsabkommen finden Sie, was Wikipedia zu diesem Thema zusammengetragen hat. Lesen Sie es sich durch. Und lesen Sie es sich sorgfältig durch!

„Nichts wünschen wir uns mehr als ein Freihandelsabkommen zwischen Europa und den Vereinigten Staaten“. konstatierte Kanzlerin Merkel im Februar 2013. Wenn Sie den Wikipedia-Artikel gelesen und/oder sich tiefergehend informiert haben, werden Sie der Kanzlerin in diesem Punkt widersprechen müssen.

Sieht das Ergebnis des Freihandelsabkommens beispielsweise so aus, dass internationale Großkonzerne, die durch nationale Gesetze in der Vermarktung ihrer Produkte beschränkt werden, das betreffende Land dann vor (ebenfalls nicht öffentlich tagenden) Schiedsgerichten auf Schadenersatz für den entgangenen Gewinn verklagen können, dann zahlt der Steuerzahler künftig beispielsweise eben auch für genetisch manipulierte Lebensmittel oder Hormonfleisch, das er nie kaufen wollte, nie gekauft hat oder dank nationaler Gesetzgebung auch gar nicht kaufen konnte. Überspitzt formuliert: Will sich der Bundesbürger beispielsweise vor Genmais schützen, wird er nach den illustren Ideen des Freihandelsabkommens dafür künftig „Schutzgeld“ zu zahlen haben. Das nenne ich allerdings nicht „freien Handel“, sondern Wirtschaftskriminalität schlimmster Prägung, Nötigung und was sonst noch.

„Kontrolle, Verantwortung und Transparenz“ hat Bundesfinanzminister Dr. Schäuble heute vom ADAC gefordert. Nicht mehr und nicht weniger fordere ich von der Bundesregierung und der EU. Ich habe heute einen „Offenen Brief an eine Geschlossene Gesellschaft“ verfasst und ihn erst einmal Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel zur Stellungnahme übersandt. Niemand, der noch bei Sinnen ist, kann dieses Freihandelsabkommen so wollen. Das Ministerium habe ich um Antwort bis Ende Februar gebeten. Danach mehr von mir zu diesem Thema – mit oder ohne Stellungnahme von dort.

DAX: Spannung aus dem Knie nehmen …

Nun aber zurück zu den „ersten Regentropfen“: Sehen Sie sich einfach einmal den nebenstehend abgebildeten Wochenchart an. Die in vielen Kommentaren aufkeimende Panik rechtfertigt er ganz bestimmt nicht.

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Der Aufwärtsausbruch aus dem Aufwärtstrendkanal, der am Freitag vorletzter Woche mit dem kleinen Verfalltermin der EUREX zusammenfiel, hat sich lediglich als typische „Bullenfalle“ erwiesen. Und nun ist der Index wieder in den Haussekorridor zurückgekehrt. Wirklichen Grund zum Zittern hätten die Bullen, wenn wir heute gut 1.000 Punkte tiefer und damit nahe der unteren Begrenzung des Aufwärtstrendbandes stünden. Aber:

Wie der Tageschart verdeutlicht, könnte es jetzt um genau dieses Thema gehen. Denn charttechnisch zeichnen sich Trendkorridore ja gerade dadurch aus, dass die Kurse zwischen den beiden Begrenzungslinien hin- und herpendeln. Wäre dem nicht so, käme ja erst gar kein Kanal zustande.

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Mit dem neuen Verkaufssignal des Trendfolge-Indikators MACD und den minimalen Abrutschen des Momentums unter die bei 100 liegende Signalschwelle liegen auf Tagesbasis jetzt erste markttechnische Abwärtssignale vor.

In dieser Woche findet die nächste offizielle Sitzung der US-Notenbank statt. Der Konsens für dieses Treffen lautet, dass die Fed ihre Ankäufe von Staatsanleihen von aktuell 75 auf dann 65 Mrd. US-Dollar monatlich drosseln wird. Da die US-Notenbank eine fallende Wall Street aber stärker fürchtet als der Teufel das Weihwasser, sollten Sie sich nicht wundern, wenn wir am Mittwochabend um 20:00 Uhr erfahren, dass die Fed den Ball diesmal doch wieder flach hält.

Wall Street: Noch im grünen Bereich

„Abgerechnet“ wird im Monatschart natürlich erst am kommenden Freitag. Aber da so viele Leser nach dem aktuellen Stand des charttechnischen „Megaphons“ im Dow Jones fragen, hier die Abbildung auf Wochenbasis.

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Sie erkennen, dass der Kurs auch beim jüngsten neuen Allzeithoch nicht nach oben aus der Formation ausbrechen konnte. Das hier immer wieder diskutierte Risiko, dass die Wall Street sich an einem ihrer „kritischen“ Wendepunkte befindet, besteht aus heutiger Sicht also unverändert fort.

Ob aus der begonnenen und sich gestern etwas beschleunigenden Korrektur mehr wird (was dann natürlich auch voll auf den deutschen Aktienmarkt durchschlüge), kann heute niemand vorhersagen. Aber wenn sich dafür Hinweise ergeben, ist ein kleiner „Zock“ mit einem weit aus dem Geld liegenden, hochspekulativen Put für mich so etwas wie ein „Muss“.

Taktgebend dafür wird der nebenstehende Chart sein, der seit der Jahrtausendwende alle wirklich großen Trendwenden der Wall Street punktgenau festgenagelt hat: Die Nachfrage nach Börsenkrediten. Im Wochenvergleich hat sich hier nichts bewegt. Aber die erste Abwärtszacke sollten wir nutzen, um uns nach einem heißen Put umzusehen!

EUR/AUD: Kleines Update

In der letzten Woche hatte ich Sie noch einmal auf die Chancen eines Calls des Euro gegen den australischen Dollar aufmerksam gemacht. Verglichen mit allen anderen bedeutenden Währungspaaren des Euro legte EUR/AUD mit einem Wochenplus von 2,55 Prozent mit großem Abstand am stärksten zu. Ziehen Sie einfach den Stopp nach. Vorsichtige Anleger warten zum Neueinstieg den Sprung über 1,60 ab!

Apple: Beißen die Bären wieder zu?

Rund 30 Jahre ist es her, dass Apple mit der Vorstellung des ersten „Macintosh“- Rechners den Grundstein für seinen immensen Erfolg legte. Seitdem ist der Aktienkurs durch extreme Höhen und Tiefen aufgefallen, war für Aktionäre der ersten Stunde aber zweifellos das beste Investment ihres Börsendaseins.

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Sollte sich die Abwärtskorrektur an der Wall Street zu etwas Größerem auswachsen, achten Sie bei der Aktie bitte auf die bei 525 US$ liegende Unterstützung. Fällt sie und wird dieser Break auch durch meinen abgebildeten Trendindikator bestätigt, dürfte der im Juli gestartete Aufwärtsschub, der in der Spitze einen Kurszuwachs von 47 Prozent einfuhr einer neuen Abwärtswelle Platz machen. Und wer Apple kennt weiß, dass es bei der Aktie so gut wie immer um bedeutende Kursbwegungen geht. Hinschauen!

Viel Erfolg und beste Grüße!

Axel Retz

About the Author:

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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